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06.06.2016

Aus dem Japan 2015-Skizzenblog: Schlafender Rentner im McDonald's in Akihabara

Aus meinem Japan-Skizzenbuch:
Ein schlafender Rentner aus´m McDonald's in Akihabara.






Ausgerechnet im knallbunten Bonbon-Land-Manga-Anime-Otaku-Overkill-Viertel Tokios hat man die Woche über die Überalterung der japanischen Gesellschaft recht deutlich gemerkt, denn überall, wo mal eine der rar gesäten Sitzgelegenheiten aufploppte, waren sie - die schlafenden Senioren.
Funfact zu Japan: Es gibt in dem Land nur sehr wenige öffentliche Sitzgelegenheiten und Mülleimer.
Ersteres, weil man Angst davor hat, dass sich um diese herum Leute gruppieren. Schlimmstenfalls revolutionäre Kräfte.
Letztere gibt´s kaum noch, weil man aus Terrorangst heraus befüchtet, dass Bomben drin platziert werden könnten.
Im McDonald's gibt´s aber beides. Sitze und Mülleimer. Paradies!
Nur das Essen is halt nich so geil ...

02.06.2016

Aus dem Japan 2015-Skizzenblog: Brücke über den Fluss Kamo, Kyoto

Skizze aus Japan vom letzten Jahr. Eine Brücke am Fluss Kamo in Kyoto.
Aquarell und Bleistift.




Gemalt, als ich drauf wartete, dass die Hostelmutti endlich die Reisenden reinlässt.
Um abzukürzen bin ich oft fix zu Fuß durch den Fluss. Als das die einheimischen Schulkinder merkten, machten sie´s mir von da ab nach und sparten täglich wohl mehrere Dutzend Kilometer Fußweg. Und erfrischend war das und man wurde sauber!

Abends war ich am Fluss entlang immer Joggen, wobei ich einmal sogar versehentlich bis aus Kyoto rausgerannt war. 

Irgendwann war der Fluss Kamo zu ´nem guten Freund geworden, weil man ihn immer wieder fand und sich prima seine Position in der sehr eintönigen Stadt zurecht triangulieren konnte, indem man Fluss, Kyoto Tower (heißt der so?) und Bergkamm (siehe hinten im Bild) ins Verhältnis setzte.

Als ich die Bedeutungen des Namens Kamo nachforschte und mich generell nachträglich mit dem Fluss auseinandersetzte, merkte ich, wie viele Sachen da wunderbar ineinanderhakten, so dass ich prompt den Helden eines aktuellen Tokyopop-Projekts Kamo nannte.
Der Name wurde nur leider abgelehnt, weil schon eine andere Mangafigur so heißt ...

16.05.2016

Aus dem Japan 2015-Skizzenblog: Über der Tundra des nordsibirischen Tieflands

Hier mal wieder Nachschub aus meinem Japan-Skizzenblog. Ein weiteres Bild, das vor der Ankunft in Narita entstanden ist, und zwar Millionen von Kilometern hoch oben in der Luft vom Flugzeug aus.
Was ihr seht, ist kein Beruhigungs-Mandala, sondern eine Zeichnung der Flüsse-und-Seen-Landschaft in der Tundra des nordsibirischen Tieflands.





Früher hab ich oft auf den Globus oder in den Atlanten geguckt und mich gefragt, warum dieses riiiiesige Russland nicht viel dichter besiedelt ist und gerade Sibirien war mir in der Hinsicht immer so ein großes Rätsel. Wenn man dann aber diese lebensfeindliche Topographie mal gesehen hat, versteht man´s sofort. Tausende Kilometer breite Teppiche aus schwarzer Erde, die von tausenden mäandernden Flüssen durchädert wird, die sich hier und da zu Seen aufstauen. Und was von weit oben wie ein Geflecht aus Bächlein erscheint, muss bei genauerem Betracht viel mehr so etwas wie eine Anhäufung von Donaus und Elben sein. Nicht die Herr der Ringe-Elben, sondern in Bezug auf den Fluss.

Am Horizont der angedeutete Sonnenaufuntergang. Es ist eigentlich weder noch, weil wir so nah am Nordpol entlangflogen, dass es keine Nacht mehr gab. Kaum war die Sonne fast verschwunden, ging sie schon wieder auf.

Creepy und beeindruckend. Und zur großen Überraschung sah man dann doch mal alle paar hundert Kilometer so etwas wie eine Bastion der Zivilisation. Vielleicht im weiteren Sinne, aber da gab´s Anzeichen menschlichen Lebens. Vielleicht waren´s die Native Russian Nenzen?

Jedenfalls hätt ich´s ganz gern, wenn man mich da niemals aussetzt.

04.05.2016

Aus dem Japan 2015-Skizzenblog: Flughafen Frankfurt und Lufthansa

Ich hatte endlich mal ´nen guten Grund, Skizzen einszuscannen, die ich in Japan gemacht hab. Der Grund ist ein Interview samt Bildmaterial für den Skizzen-affinen-Comic-Blog Dreimalalles vom Christian Maiwald.
Deswegen wird da in Zukunft hier biss´l mehr von dem Zeug zu sehen sein.

Hier die Lufthansa, in der ich von Frankfurt nach Narita gefliegzeugt bin.


21.04.2016

Kino-Review: Raum bzw. Room



Erst war ich mega-glücklich, noch mal die Möglichkeit zu bekommen, Tommy Wiseaus „The Room“ auf der großen Leinwand genießen zu dürfen. Leinwand ist das einzige Medium, das würdig ist, dieses grandiose Epos zu präsentieren.
Dann war´s aber ein ganz anderer Room!

Nachdem der anfängliche Zorn über diesen Etikettenschwindel verraucht war und ich mich ganz auf die Geschichte einlassen konnte, war ich schnell besänftigt. Denn Raum ist ein guter Film.

Die Geschichte einer Frau, die seit sieben Jahren von einem Sexualstraftäter in einem Raum eingesperrt wird und seit fünf Jahren die Gesellschaft eines Sohnes genießt. Aus dessen Sicht wird die Story auch erzählt, was dem sehr unangenehmen Grundthema eine überraschend positive und lebensbejahende Note gibt.
Glücklicherweise liefern sowohl Brie Larson als Mutter als auch ihr kleiner Filmpartner Jacob Tremblay schauspielerisch ein gewaltiges Brett ab. Vor allem der Kleine, der den Film auch trägt, überzeugt so sehr, dass es mich umso trauriger stimmt, dass in Deutschland in der Regel nicht mal Mimen, die viermal so alt sind, auch nur halb so authentisch performen können.

Die große Stärke des Films resultiert aus den emotionalen Spitzen, die die beiden Protagonisten auf Tisch zaubern (in diesem Satz versteckt sich eine auf den Film bezogene Grammatik-Referenz). Wer endlich mal wieder etwas fühlen will, weil das moderne Hollywood-Blockbuster-Kino in den letzten Jahren jeden Rezeptor verödet hat, darf sich hier auf eine kleine Achterbahn freuen. Trotz Tragik des Grundthemas auch mit Schmunzlern.
War jedenfalls schön zu sehen, aber vor allem auch zu hören, was da das Kinopublikum um mich rum zusammen geschluchzt hat.

Also gebt so ´nem kleinen Film gerne mal ´ne Chance.
Und bevor ihr fragt: Nein, es kommen keine Hip-Hop-Autobots drin vor.

09.02.2016

Doppelreview: Ex Machina und der Marsianer



Ganz kurze Doppelreview.

Neulich konnte ich endlich mal zwei Science-Fiction-Filme nachholen, auf die ich mich im Kinojahr 2015 besonders gefreut habe, die ich aber aus verschiedenen Gründen nicht gucken konnte, als sie grad frisch am Start waren.
Die Rede ist von Ex Machina und dem Marsianer (bzw. The Martian).

Kurz und bündig: Beide Filme haben mir sehr gut gefallen.
Beide Filme sind sehr smart.
Beide Filme sind großartig besetzt.
Beide Filme schlagen auf eine sehr erfrischende und pfiffige Art mehr in die Science-Richtung aus als in die Fiction.

Und auch wenn die beiden Filme recht unterschiedlich wirken, so haben sie eine weitere ganz übergeordnete Gemeinsamkeit: gute Drehbücher!

Beide Filme sind nicht besonders Story- oder Highlight-orientiert. Was da passiert, bleibt – aufs Wesentliche runtergekürzt – überschaubar. Aber beide Filme sind dafür gefüllt mit Top-Schreibe, mit echtem Text, der mal so ganz und gar nicht dumm ist. Und wenn was in den letzten Jahren in Hollywood immer mehr auf der Strecke bleibt, dann sind´s richtig gut geschriebene Skripte.
Großartige medienethische, metaphysisch-philosophische, IT-theoretische Dialoge in Ex Machina, die mmit genau dem richtigen Maß an Menschelei und authentischem intersozialen Witz unterfüttert sind, um nicht wie prätentiöses existenzialistisches Rumgewichse daherzukommen (eine Falle, in die das Genre allzu oft stolpert. Es bleibt aber auch stets im richtigen Volumen awkward, so dass man auf der menschlichen Ebene nie zu sehr reingezogen wird. Es soll schon deutlich bleiben, dass die überschaubare Anzahl von Darstellern (etwa vier) weit weg von einem selbst ist. In verschiedenen Formen sind das halt keine echten Menschen im klassischeren Sinne.

Der Marsianer liefert einen herrlich authentisch-realistischen Optimismus und Spaß in seinen Dialogen. Langsam versteh ich auch besser, warum der Film bei den Golden Globes in der Komödien-Kategorie legitim untergebracht werden konnte.
Dennoch bleibt er ernst und geerdet (bzw. gemarst), wenn er es sein muss – aber eben auch immer im rcihtigen Rahmen. Und in diesem Falle durchaus so, dass der Zuschauer zum Connecten eingeladen wird. Denn hier hat er´s irgendwie sehr wohl mit Menschen wie dir und mir zu tun. Superschlaue Menschen mit Astrophysik- und Botanik-Skills, aber trotzdem Menschen, die nervige olle Disco-Mucke hören, kacken und Kartoffeln mit Ketschup essen.
Extreme Situation fernab der Erde und dennoch irgendwie down to earth.

Und siehe da! Beide haben auch ´ne Drehbuch-Oscar-Nominierung.
Ein weiterer Beleg dafür, dass das eigentlich die wichtigste Kategorie ist.


Beide Filme sollten den Kessel-Flug jedenfalls in weniger als zwölf Parsec schaffen, wenn ihr mich fragt. Allein das sollte schon ein Grund zum Angucken sein.

27.01.2016

Japan 2015: Zeichnung aus dem Tokyo Sky Tree raus

Uffz!
Das Bild war ´ne schwere Geburt!
Gezeichnet habe ich das quasi als Naturstudiium von ´ner Aussichtsplattform des ‪Tokyo‬ Sky Tree. Da sind EIIIINIGE Stunden reinversenkt worden. Während des Zeichnens wurde es auch mal Nacht und die einzigen Japaner, die mich zwischendurch angequatscht haben, waren Deutsche.
Aber schön! Sky Tree kann ich empfehlen. Der Rest von Tokyo is überhypet. ;-]

Irgendwann muss ich da noch mal hin und genau an der Zeichnung ansetzen, um den 360°-Panorama-Rundumblick zu vervollständigen. Im Beisein meiner Urenkel ...
Und ja, ich hab nicht vergessen, dass ich euch generell mal noch mehr Japan-Zeugs zeigen und berichten wollte, aber ich hab echt nie Zeit, das vorhandene Material zu vervollständigen oder teilweise auch einfach nur mal einzuscannen.
Aber es sind mittlerweile immerhin schon in zwei Magazinen Reiseberichte zu meinem Fernost-Trip veröffentlicht worden.
Im Raum Fulda gibt es beispielsweise in der aktuellen (oder vorletzten?) Ausgabe von "Familien und Leben" einen emotional geladenen Reisebericht von mir zum Fushimi Inari-Schrein in Kyoto. Inklusive Comic und Fotos.
Also falls da noch jemand rankommt. Viel Spaß. Aber Vorsischt! Ihr werdet am Ende lachen - und ihr werdet weinen - gleischzeitisch!


03.01.2016

Porträt vom Kater Fritz


Fünf Jahre is das nun schon wieder her, da hat sich der freche Kater Fritz verabschiedet. Leider vor seiner Zeit, wie das bei Katzen dummerweise zu oft der Fall ist.

Mit all dem Abstand fühlte ich mich jetzt künstlerisch in der Lage, seine komplizierte Fallmusterung auf Papier zu bannen.
Übrigens mit Acryl-, Tempera- und Gouache-Farben gemalt.









31.12.2015

Mein ganz persönliches Künstler-Fazit für 2015



Ich folg mal dem Beispiel vom Michael Wild und versuch, so ´ne Art Jahres-Künstler-Fazit zusammenzustellen:

Veröffentlichungen:
- nur ein Buch: "Das subversive Weitermalbuch, das schlimm ist"; und das is noch nich mal ´n Comic. Ein weiteres Buch war geplant, aber das kommt wohl nun im Januar
- drei Kurzcomics in Anthologien: das etwas betagtere "Big L" in einer überarbeiteten Neufassung im Shounen Go! Go!-Sonderband; "Das X markiert den Schatz" in JAZAM! X; "Ahornella die Fischdamenfrau" im zweiten Krakelkomiks
- vier Hefte bei Delfinium Prints: die ersten beiden „Entoman: Amikoverse Heroes", "Mutters gelber Schirm" sowie eine überarbeitete Neuauflage von "Fickschnittchen Schneewittchen"

dazu kommen an Auftragsarbeits-Veröffentlichungen:
- 52 farbige Schlaufuchs-Comicstrips in der Fuldaer Zeitung
- eine 53. Schlaufuchs-Folge gab´s exklusiv im COMIX-Magazin
- im COMIX-Magazin war dieses Jahr auch in jeder Ausgabe was von mir drin; sieben oder acht Hefte werden das wohl gewesen sein
- für´n Reisejournal hab ich was zu meiner Japanreise gemacht - inkl. Schlaufuchs-Comic
- drei voll illustrierte Schlaufuchs-Hefte - Lernhefte für Kindergarten, Grundschule und Musikschule
- allerhand Illus für die diesjährigen vier Ausgaben des Schlaufuchs-Magazins
- sowie massig weitere Schlaufuchs-Illus für Zeitungen, Merchandising usw.
- allerhand Bildreihen und Einzelillus in allen zehn (oder elf?) Ausgaben von move36
- Cover und Comics für die beiden Ausgaben der tuchfühlung 2015
- ´ne Illu fürs UNICUM
- sowie diverse weitere Illus für verschiedene Auftraggeber, die ich grad nich mehr im Blick hab - Sticker, Logos, Illus fürs Programmheft der Manga-Comic-Con usw.

und dann noch so biss´l Merch-Kram für Delfinium Prints: vor allem Tassenmotive

Im Bereich Preise und Nominierungen:
- PENG!-Preis 2015 (Kategorie: Manga aus Deutschland, für 78 Tage auf der Straße des Hasses)
- 1. Platz beim 12-Stunden-Comic-Wettbewerb von MyComics 2015 (für Mutters gelber Schirm)
- Nominierung AnimaniA Award 2015 für 78 Tage auf der Straße des Hasses (Kategorie: Manga national)
- 3. Platz Goldener Gartenzwerg 2015 für 78 Tage auf der Straße des Hasses
- Qualitätssiegel für Kinder- und Jugendzeitschriften der Stiftung Lesen fürs Schlaufuchs Magazin

Viel interessanter war dieses Jahr aber, was nicht veröffentlicht wurde, weil ich an haufenweise Konzepten und neuen Comicprojekten gearbeitet hab.
Drei recht große Sachen waren da dabei, die insgesamt auch um die 200 Seiten ausmachen. Ein ordentlicher Teil davon komplett in Farbe.
Dazu kommen noch die beiden neuen 78 Tage-Kapitel, die grad in Arbeit sind.
Und dann gibt´s noch allerhand Skizzen und Comics aus meinem Japan-Urlaub, wo ich noch irgendwas mit anstellen muss ...

Zudem hab ich an einem mehrtägigen Workshop sowie einem 12- und einem 24-Stunden-Comic-Tag teilgenommen.

Und ich war mit Delfinium Prints auf neun deutschen Conventions sowie noch auf der Comicket in Tokio.
Außerdem gab´s wieder ein Schlaufuchs-Sommerfest mit etwa 10.000 Besuchern.

Fazit:
Hätte ich nich die paar Tage gehabt, wo ich recht kompakt sehr viel produziert hätte, wär´s ein verdammt maues Jahr geworden, was die reine Comicproduktion anbelangt. Jedes Jahr überleg ich, wie ich da mehr Zeit raus schinden könnte, die ich in meine eigenen Projekte investieren kann, aber bisher hab ich noch nix wirklich Fruchtendes gefunden. Ich bräuchte halt Assistenten.

Und wieder ein Jahr, wo ich so ´nem richtigen Hit hinterher renne. Langsam geb ich da die Hoffnung auf, was aber auch irgendwie befreiend sein kann. Mainstream-Erfolge sind anscheinend nicht mein Stil.

Für nächstes Jahr nehm ich mir übrigens nix Besonderes vor. Man kriegt das eh nie so hin, wie man sich´s vorstellt.

27.12.2015

Alles Gute Opa Erhard!

Mein Opa wird heut 83.
Alles Gute und auf die nächsten 83 Jahre!
Hier hab ich ihn mit seiner ersten Urenkelin gemalt - meiner Nichte Mia, die aber auch schon wieder neun Jahre alt is. (Das Bild is übrigens ´n Aquarell).

Frohe Weihnachten von den Burleckis!

Die Weihnachtskarte für dieses Jahr.
Zeigt den aktuellen Stand meines Haushalts mit meinr Freundin Su und den beiden Katzen Momo und Schischa.






Dann mal frohe Weihnachten euch allen!

11.12.2015

2015, Fuck Yeah! Interview für Comicgate

Vielleicht haben ja einige von euch den 2015, Fuck Yeah!-Comiczeichner-Kalender, den die Schlogger - wie sie´s jedes Jahr handhabt - initiierte.
Von mir gab´s für das Teil ´ne Studieren-mit-Rind-Illustration zur Kalenderwoche #49, die ja auch die beste Woche is, weil da der Nikolaus kommt. Siehe hier:


Comicgate veröffentlich schon das ganze Jahr über kleine Zeichner-Interviews, wo die Fuck, Yeah-Boys 'n Görls biss´l was zur Entstehung ihres jeweiligen Bildes erzählen. Was mich aber eigentlich derbe erwischt hat, war die Frage nach den aktuellen Projekten.
Man muss dazu sagen, dass ich mein Interview vor fast genau ´nem Jahr abgedrückt hatte und nun zur Online-Veröffentlichung noch mal drübergucken sollte, ob noch alles so passt, oder ob sich vielleicht irgendwo ´ne Kleinigkeit anders entwickelt hat.
Und es is irgendwie alles anders gekommen.

Hier ein ein Auszug:

Was ist dein aktuelles bzw. nächstes Projekt?
[Antwort Ende November 2014:] Während das veröffentlicht wird, ist wahrscheinlich schon wieder alles anders, aber ich sitze jetzt grad an der Fertigstellung des zweiten Bands von Shounen Phalanx, dem autobiographischen, tagebuchartigen Tagungsband des zweiten Workshops der letzten verbliebenen deutschen Shounen-Mango-Zeichner. Parallel dazu beende ich momentan den ersten großen Story Arc meiner Langzeit-Popkultur-Overkill-Trash-Serie 78 Tage auf der Straße des Hasses – mit Kapitel/Heft 18, was dann auch den dritten Band vervollständigen wird, sollte der jemals noch gedruckt werden.
Zudem gibt‘s nebenbei noch zwei große laufende Serien-Projekte: Der Schlaufuchs, den ich wöchentlich mit Andi Völlinger und meiner Freundin, der Susan Burdack, für die Fuldaer Zeitung mache. Und Infamous Justice Force Strikers, mein epochales neues Webcomic-Projekt, an dem ich in der Zukunft, wenn die Leser das hier vorgesetzt bekommen, hoffentlich immer noch mit ganz viel Spaß und Elan rumwerkel. Is ‘n Action-Mango, der die Frage beantwortet, was passiert, wenn man so ‘ne Fantasy-Task-Force wie die „Power Rangers“ durch ‘ne Gruppe von Superbösewichten ersetzt, die dann gemeinsam gegen andere Superbösewichte kämpfen müssen.
 [UPDATE, fast genau ein Jahr später:] Das Zeug zum zweiten Shounen Phalanx-Band hatte ich rechtzeitig fertig, aber der Band ist immer noch nicht gedruckt (nicht meine Schuld, ich schwör‘s!)
Die Arbeit am ersten 78 Tage-Story Arc konnte ich auch beenden. Dafür gab‘s sogar ‘nen PENG!-Preis dieses Jahr. Morgen beginnt auch die Arbeit am nächsten Story Arc.
Infamous Justice Force Strikers hab ich dieses Jahr fast gar nicht verfolgen können. Bock auf die Fortsetzung ist auf alle Fälle da und es gibt einige sehr enthusiastische Fans der Reihe … aber irgendwie hat sich nie so ‘n Erfolg eingestellt, der den enormen Aufwand, der in das Projekt fließt, rechtfertigt. Dafür hat Großmeister Takeshi Obata, den ich auf der Buchmesse in Leipzig getroffen hab, den Comic sogar gelobt … na ja … bringt mir aber auch nix.
Ferner hab ich grad eben Das subversive Weitermalbuch, das schlimm ist veröffentlicht, mit Amikoverse Heroes eine neue Entoman-Serie gestartet und dann steht noch die schwarzhumorige Fantasy-Kurzgeschichten-Sammlung Gigantasia an, von der ich noch nicht weiß, wie ich‘s am besten veröffentliche. Die ersten 70 voll colorierten Seiten stehen aber schon bereit.
Beim Schlaufuchs ist alles beim Alten geblieben.

Is 'n schöner Beleg dafür, wie sich bei mir jedes Jahr völlig ungeplant zusammen enthropiert.
Deshalb plan ich für 2016 am besten gar nix ein.

27.11.2015

Kino-Review "The Good Dinosaur" a.k.a. "Arlo & Spot"



Review: The Good Dinosaur bzw. Arlo & Spot, wie er bei uns im Kino heißt.

Durch ´ne seltsame Vertriebsstrategie des deutschen Verleihs kamen ja nun innerhalb von nicht mal zwei Monaten zwei Pixar-Filme in unsere Kinos. Dass unter dem Umstand mindestens ein Film leiden muss, merkt man schon. Wir waren gestern zu zweit in der Premierenvorführung. Man sieht auch kaum mal ´ne Werbung dafür, geschweige denn so ausufernde Kampagnen, wie man´s von Pixar-Giganten wie Cars oder Findet Nemo gewohnt ist.
Vielleicht trauen die Disney-Leute dem Saurier-Road-Movie aber auch einfach nicht so viel zu und stellen die Hype-Flamme bewusst auf niedrig? Wer weiß.
So oder so isses natürlich schwer für jeden Disney-Film, der im Schatten des anstehenden Firmen-Juwels Star Wars zurecht kommen muss.
Nich mal einen richtigen Vorfilm gab´s …

Zum Film: Die Pixar-Prämisse, die – wie wir zuletzt im Extremen erst bei Inside Out gesehen haben – so was wie das Herzstück der Animationsfilme ist, fällt hier relativ flach aus: Was wäre, wenn der Komet, der die Dinos tot gemacht hat, die Erde verfehlt hätte? Die Frage ist schnell und recht unspektakulär beantwortet: Dinos entwickeln sich wie Menschen und lernen trotz unpraktischer Statur so was wie das Domestizieren von Nutzvieh, Bestellen von Feldern oder gar Religion. Menschen entwickeln sich parallel auch – allerdings in ne hundeartige Richtung (zumindest scheint es anhand des einen wesentlichen Beispiels in Form von Spot, welches uns der Film präsentiert).
Inhaltlich wird da auch nicht viel gemacht und ich würd sogar ´nen Schritt weiter gehen und behaupten, dass wir´s hier storytechnisch mit dem bisher schwächsten abendfüllenden Pixar-Streifen zu tun haben. Im Prinzip ist das einfach nur eine Erzählung, wie jemand von A nach B gelangt und unterwegs eine Handvoll Leute trifft. Ein Road Movie halt, nur ohne Road, aber mit Fluss, der denselben Effekt erfüllt. Die einzelnen Stationen der Reise haben kaum bis keine Kohärenz, außer, dass sie dem Helden Arlo vielleicht dabei helfen, seine Ängste zu überwinden und stark zu werden. Oh, Spoiler. Ja, Arlo macht in dem Film eine Entwicklung durch.
Unterwegs bekommt man immer wieder mal verdächtige König der Löwen-Vibes. An ganz vielen Ecken scheint Arlo & Spot den Disney-Zeichentrickfilm regelrecht zu zitieren.

Die Figuren sind altbewährte Stereotypen, aber okay. Arlo is halt die Schablone des Weicheis, das lernen muss, stark zu werden. Spot ist ein Hund, der aussieht wie ein Mensch. Die Nebenfiguren sind nur Zierde. Eine kleine Ausnahme bildet da ´ne Tarnfarben-Triceratops-Evolutionsstufe mit buntem Getier auf seinen Hörnen. Die Szene mit ihm ist kurz, aber recht witzig.

Wo der Film nach all den eher kritischen Anmerkungen jedoch volles Parkett punkten kann, das is bei der Darstellung der prähistorischen Welt.
Das sieht alles ultrarealistisch und schön aus. Da passt´s auch, dass zu den Endcredits einfach noch mal Naturaufnahmen aus Arlos Heimat gezeigt werden.
Spätestens seit dem Herrn der Ringe bzw. dem Kielwasser, das die Trilogie aufgespült hat, gibt’s den Trend, dass Filmproduktionen mit zu großem Budget nicht wissen, wo Schluss ist bei der Präsentation ihrer Welten. Da wird über jeden Quadratzentimeter noch mal auf Krampf mit´m grafikfähigen Taschenrechner drüber gegangen, bis auch wirklich das letzte Quäntchen Credibilty rausgewaschen ist. Negativstbeispiele hierfür wären so Disney-Schinken wie dieser unsägliche Burton-Alice im Wunderland-Film oder (der Zauberer von) Oz von Sam Raimi. Überall flattern noch lustige Tierchen rum, alles ist diverse Ticken zu pointiert arrangiert, alles sieht scheiße und fake aus.
Nach der anfänglichen CGI-Euphorie hat sich längst die Rückbesinnung auf alte Werte eingestellt. Realistische Darstellung und Handgemachtes.
Arlo & Spot grätscht genau in dieses gesunde neue Bewusstsein rein segelt ganz souverän an dem plakativen Effekt-Overkill vorbei und verblüfft stattdessen mit einer natürlichen Gelassenheit und beweist, dass man tatsächlich auch nicht mehr braucht, um heutige Kinogänger zu beeindrucken als Natur und die Features, die ebendiese schon von Haus aus mitgeliefert bekommt.