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20.11.2016

Doppel-Review "Kubo and the two Strings" und "Findet Dorie"


Der große Animationsfilm-Showdown – Doppel-Review

Kubo vs. Findet Dorie!!!!


Studio Laika vs. Pixar – zwei der letzten ganz Großen. Zwei Animationsfilmstudios, die sich am ehesten noch gegen Trends behaupten und eigenen Ideen nachjagen können. Laika als eines der letzten Studios, das im ganz großen Stil auf Stop-Motion setzt versus Pixar, das es zwar mit Digitaltrick einfacher hat, weil man sozusagen auf einer Welle mitschwimmen kann – allerdings ist es auch Pixar, das diese Wellen überhaupt schlägt.

Zunächst zu Kubo (and the two Strings): Ein sehr ambitioniertes Projekt, das eine japanische Geschichte erzählt und dabei auch sehr japanisch rüberkommt. Kubo kann zaubern und steckt familiär in ´n paar echt prekären magischen Verstrickungen. Um aus der Nummer rauszukommen, begibt er sich auf ´ne Fetch-Quest. Teilweise sehr exotisch und gekoppelt an japanische Mythologie – aber dennoch international zugänglich, denn unterm Strich isses ´ne Geschichte, die sich auf sehr bodenständige Grundthematiken wie Familie, Vertrauen, Entwicklung und so was runterbrechen lässt. In der Hinsicht wirkt´s teilweise schon sehr disney-artig. Das ist aber durchaus okay. Wenn man sich so weit aus dem Fenster lehnt, wie´s Laika gern macht, muss man dem normalen und eher jüngeren Zuschauer ein paar Anker zuwerfen.
Trotz all der Exotik isses vielleicht sogar noch Laikas allgemein zugänglichster Film. Nicht so grotesk, fordernd, düster oder schrullig wie seine drei Vorgänger. Was nicht heißt, dass Kubo dadurch auch besser ist, oder dass er´s generell allen Zuschauern super leicht macht.

Unterm Strich war´s ein guter Film, aber leider auch nur das.
Dass der Film atemberaubend gemacht ist und die Stop-Motion-Technik mal wieder alles in den Schatten stellt, was man bisher gesehen hat, ist bei Laika eh Standard.
Schade find ich allerdings angesichts des immensen Aufwands, dass die Geschichte ´ne Spur zu banal geraten ist. Bei Paranorman, den ich wohl auf Platz 1 der Laika-Filme setzen würde, war das schon mein wesentlicher Kritikpunkt, der den Film von Perfektion getrennt hat. All die Kreativität im Detail, die zuweilen sogar erstaunlich subversive und mutige Story die interessanten Figuren … aber die Teile sitzen noch nicht perfekt aufeinander. Und Laika hätte diese finale Perfektion verdient.
Kubo war stattdessen wieder ein Stück weiter davon entfernt als Paranorman.
Das Pacing der ersten Hälfte des Films war zu lasch. Wenig Spannung, wenig Dynamik. Die zweite Hälfte legt dann einige Schippen drauf und zur Halbzeit wird man mit einer Wahnsinns-Kampfszene auf einem Schiff belohnt, die allein schon den restlichen Film rechtfertigt. Drumrum gibt´s viel Standard. Schablonen-Figuren, blasse, eindimensionale Bösewichte, einen viel zu formelhaften Aufbau der Akte und eine Aneinanderreihung von Twists, die man leider zum Teil schon im Trailer gerochen hat. Dennoch ist die Schlussnote des Films mutig und hätte weitaus dümmer und gefälliger gestaltet werden können. Aber der Weg bis zu Ende hätte mehr Melodie vertragen können. Mehr pfiffige Skript-Zauberei. Mehr als nur eine Fetch-Quest wie aus einem 80er-Jahre-Japano-RPG („Hey Kubo, verbring doch mal 80 % des Films damit, drei magische Rüstungsgegenstände zu finden.“). Mehr schlaue Verbindungen zwischen A und B als einfach nur Zauberei als immer wieder wirksamen Allzweckkleber zwischen die Szenen zu klatschen (Frag nicht, Kubo. Das ist halt Magie!“). Vielleicht noch ein paar Subplot-Bögen, ein paar mehr Pay-Offs. Die kleinen Schnörkel hier und da, die eine Geschichte außergewöhnlich und unvergesslich machen. Davon bitte beim hoffentlich nächsten Laika-Film mehr.

Zu Findet Dorie:
Ein sehr guter Film!
Und ja, tatsächlich vielleicht der am besten geschriebene Film des Jahres.
Da ich als Comicautor wahrscheinlich mehr auf Skripte achte als z.B. auf oberflächliche Schauwerte muss ich echt sagen, dass hier Pixar endlich mal wieder seine größte Stärke ausspielt: Verdammt gutes Storytelling.
Nach ein paar schwächeren Nummern (Merida, die Monster Uni und Arlo & Spot waren zu banal; Inside Out hat sein enormes narratives Potenzial nicht ausreichend abgeschöpft) hat man sich hier mal wieder heftigst rein ge-think-tankt und den Redaktionsraum anscheinend erst verlassen, als jedes Inhalts-Kieselsteinchen durch den Ideenstrom rund geschliffen war.
All das, was ich an Kubo als Kritik anbringen musste, macht Dorie genau richtig. Von der ersten Sekunde an erstellt der Film ein erstaunlich komplexes Gebilde aus meeresbiologischen Gesetzmäßigkeiten, Charaktereigenschaften von Haupt- und Nebenfiguren, Story-Feinheiten, Zeitebenen und sogar geographischen bzw. lokalen Gegebenheiten (mit Letzterem mein ich vor allem, dass viel damit gearbeitet wird, wie das Hauptsetting des Films sowie die direkte Umgebung genutzt wird, um Figuren in mehreren Gruppierungen von A nach B nach C usw. zu bringen). Und jeder auch noch so kleine Aspekt bekommt sein Pay-off. Und zwar schlaues Pay-off. Auf alle Details kann ich unmöglich eingehen, aber kurz gesagt: Keine Information wird verschwendet. So fühlt sich jeder Erfolg der Helden, jeder Gag, jeder Twist verdient an.
Wird ein Problem gelöst, dann weil man auf vorher Gelerntes zurückgreifen konnte.

Gags. Wie oft beschwer ich mich über das mittlerweile leider gängige Verständnis von Humor. Der desolate Zustand aktuell zeigt ja, dass die beliebtesten „Gags“ die sind, wo jemand was sagt und jemand anders darauf mit einem ulkigen, weil z.B. genervten Blick reagiert. Witze werden nicht mehr aufgebaut, haben keinen Mittelteil und keine durchdachte Pointe mehr. Stattdessen reicht es z.B. „Banana“ zu sagen, sich das Knie zu stoßen oder ein lustiges Pupsgeräusch zu machen. Dorie geht auch da den umständlichen Weg. Pay-off! Die Nemo-Filme wollen gar nicht primär lustig sein, was gut ist. Das sind erstaunlich fordernde, dramatische Stoffe, die aber nebenbei zuweilen witzig sind, weil sie sich ihren Humor gescheit erarbeiten. Klar stößt sich auch hier mal jemand den Kopf, oder ein Schwarm Möwen sagt lustig „meins“ und dann gibt´s da noch ein paar behinderte Tiere, die lustig gucken. Aber die sind noch nicht allein der Witz und dadurch peinlich, sondern sie sind Teile von größeren Zusammenhängen und dadurch vollwertige Puzzlestücke des narrativen Gesamtbilds. Keine Information wird verschwendet. Die Möwen erfüllen ihren Zweck, die behinderte Robbe und der behinderte Wasservogel mit den roten Augen erfüllen ihren Zweck.

Oberflächlich betrachtet isses ´ne drollige, leicht zugängliche Geschichte über Fische, die sich gegenseitig suchen und dabei auf lustige Figuren treffen und Action-reich Hindernisse überwinden. Im Detail ist das eine superkomplizierte Symphonie. Perfekt durchkomponiert.
Meine größte Angst war, dass Dorie keinen eigenen Film tragen kann. Teil 1 hatte mit den beiden Clownfischen zwei jeweils für sich genommen ausreichend starke Figuren, die beide viel Entwicklungspotenzial hatten und jeweils am Ende einen weiten Weg hinter sich bringen konnten – im mehrfachen Sinne.
Doch Dorie hat ja kaum Gedächtnisleistung. Wozu das also alles? Wenn sie sich zwischenzeitlich entwickeln sollte, vergisst sie´s doch eh wieder?
Und genau da setzt die eigentliche Kerngenialität des Films an. Man hat sich dieser extrem harten Herausforderung gestellt und sozusagen unter den Voraussetzungen eines Memento die Story gerockt. Dorie hat von allen Behinderten im Film (und ich betone dies, da Behinderungen ein Kernthema der Nemo-Filme sind) wahrscheinlich das größte Handycap – und wuselt sich doch bravourös durch. Sowie sich die Autoren bravourös durchwuseln. Kein einfach gestrickter Mary Sue-Charakter. Kein magischer Kompass, der immer den richtigen Weg weist. Ihr macht euch vielleicht gar keine Vorstellung davon, wie schwer so was zu schreiben ist.


Und noch was zum Vergleich mit Teil 1:
Dorie bildet eine sehr sinnvolle Fortsetzung. Die Hauptmotivation der Helden ist in beiden Filmen sehr ähnlich. Es geht drum, Familie wiederzufinden. Dabei einen Weg zurückzulegen und Hindernisse zu meistern. Das Setting bleibt vergleichbar, es gibt wie gehabt viele drollige, interessante Nebenfiguren.
Aber die beiden Filme können wunderbar koexistieren.
Es stimmt nämlich gar nicht, dass eine perfekte Fortsetzung den Vorgängerfilm in allen Belangen toppen muss. Wenn das passiert, wird der Vorgänger obsolet.
Stattdessen muss eine gute Fortsetzung dem Vorgänger einen gewissen Raum überlassen und sich neuen Raum erschließen.
Findet Nemo behält seinen Schwerpunkt auf der Reise bis zum Ziel, Findet Dorie überspringt den Part, verbringt dafür viel mehr Zeit am Zielpunkt.
Findet Nemo hatte seinen eigenen Pool an Figuren. Findet Dorie greift auf einige der Figuren zurück, stellt aber seinen eigenen, gleichwertigen Pool zusammen.
Zudem überlassen die beiden Clownsfische Dorie (sowie ihrem neusten Sidekick) im zweiten Teil ganz klar das Scheinwerferlicht.
Und als Bonus führt Teil 2 sogar in der Schlussszene (nach den Credits) einen Storystrang aus Teil 1 fort, mit dem man schon gar nicht mehr gerechnet hatte.

Bravo!

Jetzt muss ich noch Moana angucken, um zu urteilen, welcher der Animationsfilm des Jahres wird, aber ich denk, Disney macht sich´s mal wieder mit dem eigenen Tochterstudio selber schwer.

23.04.2016

Kino-Review: Zoomania bzw. Zootopia



Zoomania bzw. Zootopia. Beim zweiten Anlauf hat´s geklappt. Nachdem wir letzte Woche aufgrund eines zu hyperaktiven Kinderpublikaum das Kino verlassen mussten, ham’wer´s dieses Mal eiskalt durchgezogen.

Und statt einer üblichen Filmreview würde es sich schon eher anbieten, eine gonzo-jounalistische Sozialstudie zu schreiben. In dem von Tieren getragenen Film mögen ja Affen unterrepräsentiert gewesen sein, das Publikum hat´s aber kompensiert.
Seit dem Emmerich-Film 2012 hab ich kein so dummes Publikum mehr erlebt. Da kann ja der Film nix für, außer, dass er mit dem (wie ich finde, sehr schwer erträglichen, aber umso hehypteren) Faultier-Trailer eine gewisse Klientel besonders ansprach. Aber ich komm leider nicht umhin, die fürchterlichen situativen Aspekte meiner Rezeption in die Wahrnehmung des Films einfließen zu lassen.
Und nein – es waren nicht wie befürchtet die zahlreichen kleinen Kinder im Publikum, die´s einem kaputt gequasselt haben. Es waren mitteljunge Leute, vielleicht schon – rechtlich gesehen – Erwachsene, für die die ganze Sache einfach eine Spur zu aufregend war. Eine sehr, sehr, sehr dumme junge Dame, die irgendwo hinter mir saß, war im Sekundentakt so geflasht vom Gesehenen, dass sie jede auch noch so kleine Information mit einem „Scheiiiiißeee!“ oder „Oh mein Gott!“ quittierte. Und zwischendurch wurde beschrieben, was sie visuell erfasst. „Rollstühle!“
(Szene im Schnee) „Scheiße! Das muss kalt sein!“
„Scheiiiißeee! Ein ganz kleines Auto! Oh Gott!“
„Mr. Big? Der wird richtig groß sein!“ Eisbären betreten den Raum. „Scheiße! Noch größer als Eisbären?! Oh Gott!“ Es stellt sich raus, dass Mr. Big – ironischerweise, haha! – eine Spitzmaus ist. Weil big im Kontrast zu klein steht. Haha! Zwei Sekunden Fassungslosigkeit. „SCHEIIIIIßE!!!!!!!“ Schallendes Gelächter. „OH GOTT! SCHEIßE!! Das hätt ich jetz’ nich gedacht! Jetz’ hamse mich erwischt! Oh Gott, is der klein! Scheiße! Geil! Richtig geil! Richtige Überraschung! Hätt ich nicht gedacht. Hätt – ich – NICHT – gedacht!“

Wenn man die Hauptvorstellungen von Fast and the Furious- oder Transformers-Filmen auslässt, ist man solche Publika einfach nicht gewohnt.

Aber zum Film:
Der is okay. Ich konnt nich viel damit anfangen. Das ist nicht das, was ihr hören wollt, weil absolut alle den abgöttisch lieben und genial finden, aber leider konnte der mir nix Besonderes bieten.
Ich könnt jetzt Floskeln raushauen wie:
Wahnsinn, was für ´ne geile Welt die geschaffen haben!
Oder: Die Animationen! Der Hammer!

Aber ganz ehrlich: Was will man denn heutzutage auch anderes von Pixar- und Disney-Animationsfilmen erwarten. Man kann diese Floskeln mittlerweile zu jedem dieser Filme bringen. Es würde auch immer stimmen und das ist auch großartig und soll keineswegs die großartigen, perfektionistischen Leistungen der vielen Leute, die das ermöglichen, schmälern.
Für mich bildet das aber nicht (oder nur äußerst selten) die Essenz des Films.

Auch die Figuren und der Humor blieben für mich eher uninteressant. Beides sehr altmodisch.

Was recht gut gelang, war die Rassismus-Parabel, in der Rassenbilder und Vorurteile der menschlichen Zivilisation auf die Gesellschaft der Säugetiere übertragen wurden. Für Große eine nette Analogie, aber für die kleinen Zuschauer ein angenehm fortschrittlicher und aktueller Kerngedanke.
Apropos kleine Zuschauer: Der Film ist doch deutlicher für ein Kinder-Publikum als ich zunächst dachte. Man hörte viel von Der Pate- und Breaking Bad-Anspielungen, aber so etwas macht einen Kinderfilm noch lange nicht gleichermaßen zum Erwachsenenfilm. Zumal die Anspielungen auch nicht besonders gelungen waren. Das hatten wir schon zu Animaniacs-Zeiten deutlich cleverer zu sehen bekommen.
Der Zugänglichkeit für die Kleinen zuliebe geriet leider auch der grundlegende Krimiplot sehr flach und einfach. Statt eines ausgefuchsten Intrigenspiels mit mehreren Ebenen, zahlreichen Verdächtigen, unvorhersehbaren Twists und komplexen Verstrickungen gibt´s ein beinahe schon lächerlich einfach geratenes Schnitzeljagd-Szenario. Geh zu Punkt A, finde Hinweis B, der führt dich zu C, welches einen Hinweis auf D liefert – und irgendwann kommt man bei F oder G raus. Den Twist haben selbst die Sechsjährigen im Publikum schon nach der Hälfte des Films gewittert. Schien denen aber auch Spaß gemacht zu haben, dass sie so einfach miträtseln konnten. Insofern geht das auch in Ordnung.

Also ein Kinderkrimi mit schön einfacher Moral.
Aufwändig präsentiert, mit netten kleinen Einfällen unterfüttert.

Allerdings brauch ich noch ein paar Tage, bis die Ausrufe „Scheiiiiißeee!“ und „Oh mein Gott!“ nicht mehr durch meine Synapsen spuken.

19.12.2015

Review: Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht - Alles beim (ganz) Alten in der fernen, fernen Galaxie



Okay, Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht.

SPOILERFREIE Review.

Heikles Thema; ich glaub, da kann man sich grad nur in die Nesseln setzen, weil alle grad im Happy-go-lucky-Hypetrain sitzen, der quer durchs Outer Rim fliegt.

Zunächst mal, um das direkt aus der Welt zu schaffen: Das is ´n guter Film und jeder sollte den selbstverständlich im Kino anschauen. Allerdings macht das ohnehin jeder.
Aber dieses Mal isses schwierig, ´ne klassische Review zu schreiben. Einmal, weil´s fucking Star Wars ist und sich eh die meisten auf ihre oft irrationale, eher emotional gefärbte Meinung eingeschossen haben. Zum anderen, weil der Film auch weder schlecht, noch außergewöhnlich gut ist. Er ist halt gut und das führt wiederum zu den belanglosesten Reviews. Deshalb werd ich mich dem Thema gleich noch auf ´ner Meta-Ebene annähern.

Aber nichtsdestotrotz ´n paar Eckpfeiler-Gedanken, zu dem, was J.J. Abrams und seine Bad Robot-Truppe da mit der fetten, fetten Disney-Kohle fabriziert haben:

Positivster Aspekt:
Es ist – wie bereits erwähnt – fucking Star Wars. Alles sitzt, keine Faselfehler.
Der (Handelsföderations-freie) Opening Crawl mit anschließendem Schwenk nach unten auf ein Raumschiff, die Musik, der Fanservice, der Aufbau der Akte. Man hat die Vorlage ultra-ernst genommen.
Gut, jetzt muss ich als alter Nerd schimpfen, dass da was bei den End Credits ein klein wenig anders ist, als man´s gewohnt ist, aber ich hoffe, die Hardliner werden Milde walten lassen und Abrams’ Reifen unzerstochen lassen. 98 % der Leute, die das hier lesen, werden eh nicht wissen, von was der komische Mann da grad schreibt.

Die Production Values hinter diesem Projekt sind der Wahnsinn. Angesichts der wachsenden CGI-Ermüdung wird´s für alle Cineasten ´ne große Freude sein, mal wieder so viel geballte handgemachte Kino-Magie vorgesetzt bekommen. 2015 hat echt vielen Schreinern, Maskenbildnern und anderen analog werkelnden Kreativen der Szene ihre Jobs wiedergegeben, die in den letzten Jahren fest in der Hand von Adobe-Software waren. Und man sieht´s! Und man staunt. Ständig ertappt man sich, wie man gar nicht mehr so richtig den Dialogen folgen kann, weil man sich grad fragt, wie sie das denn wohl gemacht haben und ob dieses Alien animatronisch ist oder von ´nem Puppenspieler bewegt wird. Allein die Technik, die hinter BB-8 steckt, ist mit immer noch ´n Rätsel – obwohl ich grob weiß, wie das gemacht wurde.

Die neuen zentralen Figuren sind auch gut aufgebaut. Herrlich altmodisch und zugedröhnt mit Seele.
Mir gefällt auch der Ansatz, dass die neue Geschichte anscheinend die von ´ner Handvoll Heranwachsender ist, die allesamt noch nicht gefestigt im Leben sind. Sowohl die Guten als auch die Bösen als auch die Unentschlossenen wirken wie Kids, die noch grün hinter den Ohren und emotional verwirrt sind, aber paradoxerweise auch das Schicksal der Galaxie aufgebürdet bekommen. Ganz im Gegensatz zu fast allen bisherigen Star Wars-Hauptfiguren, die mit ihren klaren Motivationen und Aufgaben in der Regel schon zu fertig gebacken waren, als dass man wirklich eine Entwicklung mit ihnen hätte erleben können (Ausnahmen wären Anakin und Luke).

Jetzt sieht man schon, dass damit die Hauptkritik an der Prequel-Trilogie wahrgenommen wurde. Man hat die großen Fehler nicht wiederholt und sich stattdessen auf die die Stärken der Episoden IV bis VI zurück besonnen.
Es ist fast so, als hätte man die Mr. Plinkett-Reviews als unfehlbare Bibel zu Rate gezogen.

Und hier lenk ich auch schon in den Kritik-Part ein.

Für mich war´s mein siebter Star Wars-Film, den ich im Kino gesehen hab und ich hab sie alle genossen! Warum? Weil ich immer im richtigen Alter für jeden der Filme war.
Die alte Trilogie hab ich erstmals im Kindergarten gesehen; die Special Editions mit ihren heute als cheesy verschrienen CGI-Einwürfen sowie die Prequels haben mich durch meine Heranwachsenszeit hinweg begeistert.
Und ja, ich hab voller Freude in Episode I gesessen und war derbe geflasht von der Unterhaltungsorgie, die mir da um die Ohren geballert wurde.
Jahre später sagt mir das Internet, dass ich deswegen wohl ´ne Art geistige Behinderung habe, weil die neuen Filme ja augenscheinlich schwachsinnig sind und es is eh alles an ihnen falsch und sollte bestenfalls nicht mehr canon sein, weil George Lucas ein fetter Sellout-Motherfucker is.

Was aber immer vergessen wird: Star Wars ist – ob man das wahrhaben will oder nicht – primär eine Kinderfilm-Reihe.
BUUUUUUH!!!! BUUUUUUUUUH!!!!! Schwindelbude!
Tja, sorry, so isses!
Und das is auch gar nicht schlimm, weil´s gute Kinderfilme sind und gute Kinderfilme funktionieren auch für Erwachsene.

Und auch die Episoden I bis III waren – sind! – gute Kinderfilme, die man bestenfalls als Kind auch erstmals sehen sollte. Und wenn man die aus der Sicht eines Erwachsenen kritisiert, weil man erwartet, dass das Franchise mit einem älter wird, dann ist das einfach nur unfair und rein wirtschaftlich falsch. Denn Kinder werden weiterhin mit ihrer Kohle dafür sorgen, dass das Franchise beatmet werden kann. Star Wars ist wie ein Sarlacc, das ständig mit LEGO-Lizenzkohle und Actionfigurenverkäufen und dem Erlös aus Sammelbechern usw. gefüttert werden muss. Und das ist auch okay so, wenn das für uns Erwachsene bedeutet, dass wir dann regelmäßig großes Entertainment bekommen.

Für Episode VII bedeutet diese Erörterung, dass ich schade fand dass man zu sehr auf Prequel-Kritiker gehört hat und die Episoden I bis III im Prinzip keine Rolle spielen für den neusten Film. Mit all ihren Fehlern, den steifen Charakteren, dem inflationären CGI usw. haben die drei Filme doch auch sehr viel richtig gemacht. Es waren halt Massenunterhaltungs-Vehikel, die in ihre Zeit passten.

Episode VII versucht leider gar nicht, in unsere Zeit zu passen, sondern will auf Biegen und Brechen so sein, wie die ganz alten Star Wars-Filme. So sehr, dass es schon wirkt wie Episode IV. Mal ganz im ernst: Der Film ist die Art Soft-Reboot/Sequel-Mix wie Jurassic World ein soft-Reboot/Sequel-Mix fürs Jurassic Park-Franchise war. Das heißt, man tut so, als hätte es die Filme, die die am lautesten schreienden Fans nicht mochten, nie gegeben hätte und gibt ebendiesen Hardlinern das, was sie schon mal als gut verurkundet haben.Und zwar GENAU DAS! Und sonst auch leider nicht allzu viel Neues und das fand ich doch echt schade.
Die Charaktere, ihre Entscheidungen, die abzugrasenden Stationen, der Handlungsverlauf mit seinen Plot-Meilensteinen – alles hatten wir schon mal in ähnlicher, teilweise aber auch wirklich nahezu identischer Form.
Das wird zuweilen so abstrus, dass man das Gefühl hat, eine besser geschriebene Fanfiction zu lesen, in der es gar nicht mehr so sehr drum geht, einen vernünftigen originellen Plot zu inszenieren, sondern mit einer Kanonade aus Fanservice immer wieder dem Publikum zuzuzwinkern.
Schau mal, welcher Droide hier ´nen Cameo hat!
Kennst du noch diese Figur aus Episode VI?
Und hier! Das mochtest du doch in Episode V so sehr. Das war doch in der coolsten Szene mit dabei.
Und auch diesen alten Schauspieler haben wir noch mal buchen können. Sorry, dass er seine Rolle nur so kurz spielen kann, aber wir haben Auflagen von seinem Chiropraktiker …
Ui! Was haben wir denn hier noch für ´nen MacGuffin ausgepackt? Überraschung! Es ist das Teil, das ihr schon kennt.

Bei all dem Abhaken der Fanservice-Strichliste wirkt die Verkettung der Szenerien fast schon albern. Als sei die Galaxie eine 1000-Einwohner-Kleinstadt. Egal, welche abgelegene Ecke eines abgelegenen Planeten man betritt – die Wahrscheinlich, dort legendäre Artefakte und/oder Figuren aufzufinden, geht in Richtung 100 %. Als würde ich auf dem Weg ins Badezimmer zufällig meine alte Grundschullehrerin treffen und in meinem Hotelzimmer im Urlaub hat jemand zufällig mein altes Skizzenheft liegen lassen, das ich schon seit Ewigkeiten suche. Und selbstverständlich stellt sich raus, dass der eine Typ, den ich auf ´ner Convention treffe, ganz nah mit mir verwandt ist usw.
Ihr versteht die Idee.

Es bleibt unterm Strich ein vielversprechender Auftakt zur neuen Trilogie, von der ich mir aber ab dem Mittelteil erhoffe, dass sie lernt, auf eigenen Füßen zu stehen.



27.11.2015

Kino-Review "The Good Dinosaur" a.k.a. "Arlo & Spot"



Review: The Good Dinosaur bzw. Arlo & Spot, wie er bei uns im Kino heißt.

Durch ´ne seltsame Vertriebsstrategie des deutschen Verleihs kamen ja nun innerhalb von nicht mal zwei Monaten zwei Pixar-Filme in unsere Kinos. Dass unter dem Umstand mindestens ein Film leiden muss, merkt man schon. Wir waren gestern zu zweit in der Premierenvorführung. Man sieht auch kaum mal ´ne Werbung dafür, geschweige denn so ausufernde Kampagnen, wie man´s von Pixar-Giganten wie Cars oder Findet Nemo gewohnt ist.
Vielleicht trauen die Disney-Leute dem Saurier-Road-Movie aber auch einfach nicht so viel zu und stellen die Hype-Flamme bewusst auf niedrig? Wer weiß.
So oder so isses natürlich schwer für jeden Disney-Film, der im Schatten des anstehenden Firmen-Juwels Star Wars zurecht kommen muss.
Nich mal einen richtigen Vorfilm gab´s …

Zum Film: Die Pixar-Prämisse, die – wie wir zuletzt im Extremen erst bei Inside Out gesehen haben – so was wie das Herzstück der Animationsfilme ist, fällt hier relativ flach aus: Was wäre, wenn der Komet, der die Dinos tot gemacht hat, die Erde verfehlt hätte? Die Frage ist schnell und recht unspektakulär beantwortet: Dinos entwickeln sich wie Menschen und lernen trotz unpraktischer Statur so was wie das Domestizieren von Nutzvieh, Bestellen von Feldern oder gar Religion. Menschen entwickeln sich parallel auch – allerdings in ne hundeartige Richtung (zumindest scheint es anhand des einen wesentlichen Beispiels in Form von Spot, welches uns der Film präsentiert).
Inhaltlich wird da auch nicht viel gemacht und ich würd sogar ´nen Schritt weiter gehen und behaupten, dass wir´s hier storytechnisch mit dem bisher schwächsten abendfüllenden Pixar-Streifen zu tun haben. Im Prinzip ist das einfach nur eine Erzählung, wie jemand von A nach B gelangt und unterwegs eine Handvoll Leute trifft. Ein Road Movie halt, nur ohne Road, aber mit Fluss, der denselben Effekt erfüllt. Die einzelnen Stationen der Reise haben kaum bis keine Kohärenz, außer, dass sie dem Helden Arlo vielleicht dabei helfen, seine Ängste zu überwinden und stark zu werden. Oh, Spoiler. Ja, Arlo macht in dem Film eine Entwicklung durch.
Unterwegs bekommt man immer wieder mal verdächtige König der Löwen-Vibes. An ganz vielen Ecken scheint Arlo & Spot den Disney-Zeichentrickfilm regelrecht zu zitieren.

Die Figuren sind altbewährte Stereotypen, aber okay. Arlo is halt die Schablone des Weicheis, das lernen muss, stark zu werden. Spot ist ein Hund, der aussieht wie ein Mensch. Die Nebenfiguren sind nur Zierde. Eine kleine Ausnahme bildet da ´ne Tarnfarben-Triceratops-Evolutionsstufe mit buntem Getier auf seinen Hörnen. Die Szene mit ihm ist kurz, aber recht witzig.

Wo der Film nach all den eher kritischen Anmerkungen jedoch volles Parkett punkten kann, das is bei der Darstellung der prähistorischen Welt.
Das sieht alles ultrarealistisch und schön aus. Da passt´s auch, dass zu den Endcredits einfach noch mal Naturaufnahmen aus Arlos Heimat gezeigt werden.
Spätestens seit dem Herrn der Ringe bzw. dem Kielwasser, das die Trilogie aufgespült hat, gibt’s den Trend, dass Filmproduktionen mit zu großem Budget nicht wissen, wo Schluss ist bei der Präsentation ihrer Welten. Da wird über jeden Quadratzentimeter noch mal auf Krampf mit´m grafikfähigen Taschenrechner drüber gegangen, bis auch wirklich das letzte Quäntchen Credibilty rausgewaschen ist. Negativstbeispiele hierfür wären so Disney-Schinken wie dieser unsägliche Burton-Alice im Wunderland-Film oder (der Zauberer von) Oz von Sam Raimi. Überall flattern noch lustige Tierchen rum, alles ist diverse Ticken zu pointiert arrangiert, alles sieht scheiße und fake aus.
Nach der anfänglichen CGI-Euphorie hat sich längst die Rückbesinnung auf alte Werte eingestellt. Realistische Darstellung und Handgemachtes.
Arlo & Spot grätscht genau in dieses gesunde neue Bewusstsein rein segelt ganz souverän an dem plakativen Effekt-Overkill vorbei und verblüfft stattdessen mit einer natürlichen Gelassenheit und beweist, dass man tatsächlich auch nicht mehr braucht, um heutige Kinogänger zu beeindrucken als Natur und die Features, die ebendiese schon von Haus aus mitgeliefert bekommt.




08.10.2015

Kino-Review "Alles steht Kopf"



Nachdem so ziemlich der komplette Rest der Welt schon längst „Alles steht Kopf“ bzw. „Inside Out“ durch die Kinosäle geschwemmt hat, kann man den ersten von zwei Pixar-Filmen des Jahres 2015 nun auch mal in Deutschland gucken.

Bei mir kam vor allem deswegen ´ne besondere Spannung auf die filmgemachte Personifizierung kognitiver Konstrukte auf, weil mir während meines Japan-Aufenthalts neulich der Hype um die fünf Kernemotionen links und rechts um die Ohren gepfeffert wurde.
Und ja, selbstverständlich liefert Pixar wieder ab. So richtig stellt sich die Frage bei dem Studio aber ja eh nie, ob´s ein guter Film wird. Die wissen halt, wie´s geht.

Die Pixar-Formel läuft hier mal wieder auf Hochtouren. Sprich: Man sucht sich ein verqueres, nicht unbedingt mainstreamiges Konzept und spinnt darum eine geniale Kreativexplosion. Sei es, dass man bei Cars Autos in den Fokus rückt und jede Idee ausquetscht, die irgendwie das Thema Autos betrifft – oder dass man mit der Toy Story-Trilogie absolut alles auf dem Gebiet des Spielzeugs verwertet und somit eine erstaunlich kohärente Welt auf Basis der anfangs oft banal klingenden Prämissen schafft. Das sind dann nicht mehr einfach nur Filmchen über Ameisen, Roboter, Superhelden, Ratten usw., das sind hochkomplexe Konstrukte mit detaillierten Gesellschaftsstrukturen, klar definierter Innenarchitektur und Gesetzen, die all die Ideen zusammenkitten.
Bei „Alles steht Kopf“ liegt auch hierin die große Stärke. Man nimmt all das Neuronale, Emotionale, Mentale oder wie auch immer man´s nennen mag und baut daraus eine voll funktionsfähige Welt (mit nur marginalen Logiklöchern). Ständig werden neue altbekannte Modelle ausgepackt und superinteressant und schlüssig visualisiert. Emotionen werden von personifizierten Gefühlszuständen über eine Konsole gesteuert, die mit zunehmendem Alter immer mehr Knöpfe und Schalter bekommt, weil die Welt auch immer komplizierter wird. Das Langzeitgedächtnis ist eine labyrinthartige Bibliothek, die rund um die Uhr ausgemistet werden muss, um nicht zu überfüllen. Träume werden in einem Studiopark gedreht. Und und und. Man achtet sogar auf Details wie den Ursprung von Ohrwürmern.

Doch hier liegt auch gleichzeitig für mich die Schwäche des Films.
Während bei Toy Story, den Incredibles und weiteren meiner Pixar-Highlights die besagten Konzepte rund ums Kernthema immer wieder schlau in die Story geworfen werden, um diese zu bereichern, ist es hier eher umgekehrt. Das Konzept steht ganz klar im Mittelpunkt und man wartet nur gespannt drauf, das nächste Hirn bezogene Ding umgesetzt zu sehen. Die Geschichte rund um ein Teenie-Mädchen, das mit ´nem Umzug in ´ne neue Stadt klarkommen muss, is dabei recht flach und nebensächlich. Daher schwappt dieses Mal auch leider nicht die große emotionale Wucht über, wie man´s von Perlen wie ´nem „Oben“ oder „Toy Story 3“ kennt. Aber muss ja auch nicht immer sein.

Wer also mal wieder ´nen smarteren Animationsfilm sucht, zieht sich den Film rein.
Und bleibt für den Abspann, weil sich hier die besten Gags verstecken.