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27.11.2017

Kino Review: Es

Mit Verspätung noch "Es" im Kino nachgeholt.

Hat mir erstaunlich gut gefallen!
Hervorragende Kinderschauspieler in ´nem echten Film.
Man muss grad Letzteres betonen, weil "Es" nicht nur in den Achtzigern spielt, sondern auch wie ein Film aus der Zeit wirkt, der aber versteht, was sich in der Filmindustrie in den jüngsten Jahrzehnten zum Guten hin entwickelt hat. Und er klammert weitgehend den Bullshit aus, den das Mainstream-Horror-Kino aktuell ausscheißt.

Dabei rausgekommen ist ein sehr, sehr kurzweiliger Horror-Spaß, der sich alle acht außerirdischen Spinnen-Beine ausreißt, um uns zu unterhalten. Auch, wenn der Film kein Fun-Horror wie "Scream" oder "Cabin in the Woods" ist, sondern teilweise echt heftige Themen wie Inzest, Mobbing und Rassismus aufgreift, musste ich ständig grinsen. Pennywise' Geisterbahn-mäßige Erschreck-Szenarien machen einfach so viel Laune, dass man als Freund gepflegten Grusels einfach Spaß hat.

Eigentlich wären ebendiese Szenen auch der größte Kritikpunkt, da der Film über manche Strecken einfach nur eine dieser Erschreck-Nummern an die andere reiht. Und der Ablauf ist immer etwa gleich: Kind trifft auf persönliche Angst, Angst wird dabei durch Gruselgestalt verkörpert, dieses Wesen verwandelt sich in Clown Pennywise, Pennywise jagt auf Kind zu, jemand anderes öffnet eine Tür oder so - Ende des Gruselszenarios.
Das wirkt wie die Albtraumszenen in den "Nightmare on Elm Street"-Szenen - nur ohne die finale Konsequenz, dass entsprechend viel gestorben wird.

Aber egal. Die Szenen sind alle so cool und filmisch auf'n Punkt! Keine übertriebene CG-Orgie, sondern stattdessen dezenter Einsatz moderner Technik und ganz viel Stimmung, die durch gute Schauspieler, hervorragende Ausstattung, Maske, Kameraarbeit, Schnitt und Musik erzeugt wird.
Wie gesagt: Ein echter Film halt.

Und die Kanalisations-Orgie aus dem Roman wurde mal wieder ausgelassen. Ist sicher besser so.

01.09.2017

Kino-Review: Spider-Man Homecoming



Okay, Spider-Man Homecoming.

Wie für jede einzelne meiner paar Dutzend Marvel Cinematic Universe-Kritiken gilt: Is ganz gut, kann man angucken; is aber nix Besonderes im Kontext des Mediums Film und es funktioniert eigentlich nur, weil´s Teil eines großen Film- und Serien-Universums ist.

Der Film fängt sehr beschwingt und launig an, so dass man ´ne Zeit lang denkt: Ja, das könnte wirklich DAS neue Spider-Man-Franchise werden, auf das die beiden Vorgänger-Reihen hingearbeitet haben. Tom Holland macht seine Sache gut, die Nebencharaktere und Subplots sind vielversprechend und es wirkt hemdsärmelig und street bound genug, um als legitime Adaption der frühen Comics durchzugehen.
Aber dann wird´s generisch wie absolut jeder Marvel-Film.

All die Marvel-Filme fangen mit quirligen Charakteren, witzigen Gimmicks und all dem Brimborium an, hetzen dann aber letztlich doch nur wieder ihre Strichliste ab.
Ohne wirklich zu spoilern, aber am Ende des Zweistünders wird eigentlich keine der Figuren einen richtigen Arc hinter sich haben.
Peter Parker hat massig Ansätze, lernt aber schließlich nur ein paar super-basale Standardweisheiten übers Superhelden-Sein, die Tobey Maguire und Andrew Garfield bereits auf deutlich beeindruckendere und dramatischere Art und Weise auf den Weg bekommen haben. Man hat halt viel zu tun und schafft´s nicht, all seinen Verpflichtungen nachzukommen ... Okay. Spider-Man 2 hat das damals bereits sehr smart mit der Impotenz-Allegorie rübergebracht. Aber gut, versuchen wir´s halt noch mal.
Interessante, weil witzig gegen den Comic-Srich gebürstete Figuren wie Tante May, "M.J." oder Flash scheinen durch ihre Szenen zunächst auf etwas hinzusteuern, bleiben aber am Ende genau dort, wo sie die ganze Zeit über waren. Das Love Interest spielt nicht wirklich eine Rolle, der Bösewicht ist gut gespielt von Michael Keaton, wiederholt aber auch nur Versatzstücke von mindestens zwei Dutzend Marvel-Filmbösewichten vor ihm. Irgendwas mit Superwaffen und High-Tech-Suit.
Am meisten holt da noch Spideys dicker Nerd-Sidekick raus, der aber auch viele dankbare Ansätze zugeschanzt bekommt, die - natürlich! - nirgends hinführen! Was is da denn los? Stichwort: Der Außenseiter, der bei den coolen Kids nicht so richtig warm wird, obwhl er das Potenzial hat, von allen gemocht zu werden, weil er doch so drollig ist. Da wär doch mal was gegangen! Wenn´s die Goonies schaffen, gleich ´ner ganzen Gruppe von Teens in ´ner Piratenhöhle jeweils ´nen Arc zu geben, muss es doch eigentlich auch klappen, wenigstens einer Figur in zwei Stunden ´ne Entwicklung ranzuschreiben.

Aber all die Drehbuchlöcher sollen wie gehabt die üblichen Gags, Actionszenen und Effekte hinwegtrösten. Das klappt über weite Strecken gut, die Action ist aber erstaunlich schwach.
Vor allem das Finale ist so unfokussiert, dass ich oft nicht wusste, was los ist.

Fazit:
Sam Raimis Filme mit Tobey Maguire bleiben die besten Spider-Man-Kinoausflüge. Trotz des eher verwurschtelten dritten Teils ist das immer noch sehr rundes, gut erzähltes und gepactes Unterhaltungskino. Gute Charaktere mit nachvollziehbaren kleinen Geschichten. Charismatische Bösewichte. J.K. Simmons.

Die Andrew Garfield-Filme waren auch nicht schlechter als Homecoming. Ich mochte ja The Amazing Spider-Man 2. Der war genau so dumm, wie er sein durfte - hat aber ordentlich aufs Gas getreten und Spaß gemacht. Und der hatte Arcs und Drama und Actionszenen, denen ich folgen konnte.

Da is also noch einiges zu tun!
Aber das könnte ein schönes Kinder-Superheldenfilm-Subfranchise im Rahmen des großen MCU werden.

07.06.2017

Kino-Review: Get Out



Es hat doch noch geklappt! Endlich konnt ich Get Out im Kino nachholen.
Nachdem hier die Kinos seh stiefmütterlich mit dem ersten Film, den Comedian Jordan Peele inszenierte, umgingen, gab´s nun doch noch ein paar Gnaden-Aufführungen.

Ein Film, nach dessen Trailer die meisten auf einen Geister-Gruselfilm mit Südstaaten-Rassismus-Unterton schließen.

Was ist es aber letztlich? Schwer zu sagen!

Story: Afroamerikanischer junger Mann (gespielt von Daniel Kaluuya, der seit über zehn Jahren einen extrem guten Riecher bei der Rollenauswahl beweist und viele kultige Produktionen mitnimmt) datet weißes Mädchen und muss nun deren Familie kennenlernen. Auf dem abgeschiedenen Familiensitz passieren seltsame Dinge.

Genretechnisch ist die Nummer kaum zu fassen. Es ist irgendwie ein grundstruktureller Horrorfilm, der aber nicht weiter gruselig ist. Einige Elemente sind creepy-bizarre Rassen-Groteske, andere sind komödiantisch. Dazu kommt viel Meta-Ebene. Zuweilen kommen daher Parallelen zu Filmen wie

Being John Malkovich, Cabin in the Woods oder der Scream-Reihe auf, in denen damit gearbeitet wird, wie wir Zuschauer an das Medium Horrorfilm rangehen. Aber Get Out geht, was das anbelangt, nie All in und umgeht daher, als komplette Satire wahrgenommen zu werden.
Interessant ist es aber, dass es die Inszenierung des Films schafft, die Zuschauer immer auf einer Ebene mit den Heldenfiguren zu halten. Klingt banal, ist aber ein schwer zu meisterndes Kunststück. Während grad in Horrorfilmen die Charaktere meist so handeln, als hätten sie noch nie einen Horrorfilm gesehen, sind sich hier die Betroffenen der Regeln des Genres bewusst und handeln entsprechend. Das nimmt an einigen Stellen die gewohnte Spannung, ist aber dafür erfrischend unkonventionell und auf seine eigene Art sehr unterhaltsam.
Ein schönes Beispiel: Recht früh im Film berichtet der Protagonist seinem Kumpel per Telefon, was er alles in der Weißen-Residenz erlebt hat. Daraufhin entwickelt der (ebenfalls schwarze) Freund eine Theorie, was vor sich geht –genauso wie ein Kinobesucher nebenbei seine Theorien spinnt. Auf die Erwiderung, wie dämlich-unausgegoren diese Theorie klingt, heißt es nur, man habe halt mit dem gearbeitet, was man bisher an Informationen gab. Und da kommt nun mal so was bei raus. Genauso funktioniert das Mitraten bei mysteriösen Plots und der Film drückt uns erschreckend genau aufs Auge, was wir Zuschauer uns bisher an Antworten zusammen gereimt haben.
Aber keine Angst: Die frühe Schlussfolgerung wird noch um einige Twists erweitert.

Dennoch sei betont, dass es in dem Film nicht ums klassische Monster-of-the-Week-Szenario geht, sondern darum, der Geschichte den eigentlichen Subtext zu entlocken. Dem verhälnismäßig smarten, aber ansonsten nicht allzu außergewöhnlichen Oberflächen-Plot zu folgen, sollte nicht schwer sein. Aber um die versteckten Ebenen zu ergründen, sollte man sich bestenfalls mit anderen Zuschauern kurzschließen und eine kleine Diskussionsrunde anheften. Somit isses also kein 100-Minuten-Filmerlebnis, sondern eher eins mit 130+ Minuten.
Wir waren jedenfalls zu dritt zur Vorführung und haben alle drei sehr vom Nachgespräch profitiert, da jeder eigene Ansichten mit in den Top werfen konnte und sich daraus ein immer klareres Bild ergab, das uns Herr Peele vermitteln wollte. Ich liebe es, wenn Popkultur es schafft, das mit uns zu machen.
Unsere Ergebnisse möchte ich hier nicht präsentieren, weil das zu suggestiv wäre. Aber Fragen die im Raum standen, waren z.B., was denn genau der Rassismus im Film ist. Wie er sich zeigt, ob er objektiv betrachtet überhaupt vorhanden ist und von welcher Seite er ins Spiel gebracht wird. Wie viel gibt uns der Film tatsächlich vor und wie viel dichten wir in die Lücken hinein, einfach nur weil wir narrative Gewohnheitskonsumenten mit ´nem Hang zur Paranoia sind, die in die Meta-Falle tapsen.

Da steckt viel an Hausaufgabenmaterial drin, wenn man sich drauf einlässt – und man muss sich drauf einlassen. Gelegenheitsgucker treffen ansonsten auf einen gut gemachten, aber weniger spektakulären vermeintlichen Gruselfilm – soziologisch aufgeschlossene Cineasten stoßen auf ein ganz feines allegorisches Schmankerl.

07.05.2017

Kino-Review: Guardians of the Galaxy - Volume 2


Mal wieder ´ne Review.
In letzter Zeit komm ich nie dazu und meistens pack ich mein Review-Material dann einfach in Episoden vom Nerd Ship Podcast rein, wo ihr das ja einfach anhören könnt, wenn´s euch interessiert.

Aber heute mal ´ne Ausnahme, weil´s was Nicht-Vercastetes is: Guardians of the Galaxy – Volume 2

Sehr souveräner Film. Unterhaltend, inhaltlich ausreichend rund, bunt, laut, spaßig. Aber auch nich mehr als das.
Wir waren mit ´ner größeren Gruppe im Lichtspielhaus und durch die Bank weg haben alle von uns dem neusten Sprössling des Marvel Cinematic Universe ´ne solide 6 bis 7 von 10 gegeben.

Der erste Teil war damals ein erfrischender Eintrag ins Franchise und auch schon der rundeste Film des Jahres – aber eben auch das ultimative Auf-Nummer-Sicher-Werk. Jede Szene, jede Figur, jeder Gag, jeder eingesetzte Song wirkte, wie zuvor im Labor getestet und bis zur perfekten Markttauglichkeit verfeinert. Bei so viel Kalkül geht leider aber auch die nötige Originalität verloren, die man braucht, um zeitlose Klassiker zu schaffen.

Teil 2 hat´s da noch mal schwerer, da er sich zu sehr auf den erfolgreichen Erstling stützt und dadurch noch weniger riskiert. Alles fühlt sich so sehr nach dem Vorgänger an, dass die beiden Filme wahrscheinlich im Laufe der Jahre zu einer breiigen bunten Masse Jahrmarktszuckerwatte zerfließen.

Alles, was in Teil 1 funktioniert hat, gibt´s nun einfach noch mal. Wer nicht mehr braucht, geht gut unterhalten aus dem Sci-Fi-Klamauk raus.
Der Humor ist leider immer noch nicht ganz so fein geschrieben, wie ich mir das wünsche, sondern mehr auf eher einfach gehaltene Sitcom und schrullige Reaktionen ausgelegt. Wenn man´s ganz genau nimmt, basieren etwa 90 % der Gags darauf, dass sich im großen Universum die verschiedensten Völker treffen, deren Kulturen miteinander inkompatibel sind. Das mündet wiederum in eine Fehl-Kommunikation nach der anderen. Hauptcharakter Peter „Star-Lord“ Quill versteht z.B. selbst nach etwa zwei Jahrzehnten im All anscheinend immer noch nicht, dass die Aliens keine 80er-Jahre-Fernsehserien geschaut haben. Trotzdem gibt´s garantierte Lacher, wenn er was von „Cheers“ und „Knight Rider“ erzählt. Is okay.
Was aber wirklich immer gut funktioniert und mich erstaunlich gut abholt, sind Drax’ seltsame soziale Interaktionen, die immer völlig schief laufen, weil er keine Ironie versteht, aber mittlerweile einige neue Verhaltensweisen dazu lernt. Das macht ihn vielleicht sogar zum Star von Teil 2. Seine Gespräche mit Neuzugang Mantis über Hässlichkeit sind der am besten funktionierende Running Gag in Teil 2. Drollig!

Leider verlieren aber auch viele Figuren (inklusive Drax) mit eigentlich dramatischen und ernsten Backgrounds (für trashige Superhelden-Comic-Verhältnisse zumindest) ihr letztes bisschen Würde und Stolz, wenn sie nur noch von Gagszene zu Gagszene gereicht werden.
Unterm Strich macht das auch aus Volume 2 eine regelrechte Sci-Fi-Comedy. Ist aber auch okay, nur wird´s dadurch immer schwieriger, zu verdauen, dass die Filme mit dem lustigen sprechenden Waschbär und dem tanzenden Baum im selben Universum spielen wie die Daredevil-Serie, in der sich alle gegenseitig mit ihren Schuhen zu blutigen Klumpen schlagen und viel geweint wird.

Für die Nerds: Was das MCU-World-Building (oder Multiverse Building) anbelangt, werden viele Fässer aufgemacht. Celestials, Watcher, Adam Warlock, die Ur-Guardians aus den Comics, Verweise aufs Multiversum und weitere Cosmic Entities usw. Man darf allerdings bezweifeln, dass alles davon noch ´ne größere Rolle spielen wird. Muss es auch nicht, is aber netter Fanservice.

29.03.2017

Kino-Review: Elle von Paul Verhoeven

Kurz-Review zum neuen Paul Verhoeven-Film "Elle".

Der is zu lang!

Zunächst zieht der Film einen in seinen Bann, weil er´s schafft, eine Vergewaltigung und deren Folgen zu thematisieren und einen 27-fachen Massenmord in einem Nebenstorystrang zu verarbeiten und trotzdem sehr witzig zu sein. Vor allem Dank der großartigen Protagonistin Isabelle Huppert (Oscar-nominiert). Genre-mäßig auch kaum fassbar. Drama, Krimi, Komödie usw.

Doch irgendwann verliert der Film an Fokus und mäandert Szene um Szene nur noch rum.

Auf alle Fälle ein angenehm grotesker Gegenentwurf zum amerikanischen Kino, aber uneingeschränkt kann man den auf keinen Fall empfehlen.
Mich hat´s aber gefreut, ein Lebenszeichen von Paul Verhoeven zu sehen.

25.11.2016

Kino-Review: Doctor Strange



So, Doctor Strange.

Kann man auf alle Fälle gucken. Der Film war so ziemlich punktgenau das, was ich erwartet hatte.

Natürlich hat auch der neuste Eintrag ins Marvel Cinematic Universe die MCU-Krankheit, die ich in jedem MCU-Review pauschal erwähnen muss. Heißt, Doc Strange ist für sich eigentlich kein geschlossener, runder Film im eigentlichen Sinne. So wie man bis in die 90er und vielleicht frühen 2000er noch von einem Film gesprochen hat. Es ist halt eine Episode einer Serie. Aber da man mittlerweile ja weiß, worauf man sich beim MCU einlässt, geht das in Ordnung.

Das größte Opfer, das Strange dieser Serienformel bringen muss, ist der Plot, der – wie aber auch erwartet – sehr, sehr seicht ist.
Man bekommt – wie erwartet – ´ne weitere runter gedampfte, aber dafür auch recht kurzweilige Origin Story, ´nen charismatischen Helden, der flache Gags bringt (genau so wie absolut jeder andere bisherige MCU-Held) viele verheizte Topstars in Nebenrollen, bombastische Actionszenen, viele Easter-Eggs, viele Referenzen auf das größere Ganze, das sich im Hintergrund zusammenbraut.
Leider gehören ja auch superlahme Bösewichte zur MCU-Formel und da könnte Stranges Widersache fast den dicksten Vogel bisher abgeschossen haben. Keine Ahnung, ob die Macher dieser Filme ´nen internen Wettkampf hegen, aber der böse Mads Mikkelsen-Zauberer war schon wieder derbe drunter.
Wobei man als Kenner der Comic-Vorlage selbstverständlich von Anfang an weiß, welcher Bösewicht da eigentlich im Hintergrund aufgebaut wird – und für Neueinsteiger wird die Bombe ja auch noch spätestens in der Post Credit Scene zum Platzen gebracht. War jedenfalls eine nette Neuinterpretation besagter Figur.

Apropos Neuinterpretationen: Es gab ja im Vorfeld die üblichen Whitewashing-Krakeelereien, die nach Rezeption des Films keinen Bestand mehr haben sollten. Generell sollte das ein Film für die Generation Social Justice sein.
Für ´nen amerikanischen Film isses jedenfalls nicht übel, unter den wichtigsten Rollen ´nen Behinderten, ´ne glatzköpfige Frau, ´nen Afroamerikaner, ´nen Chinesen, ´nen Dänen mit Hautproblemen sowie sogar jemand aus der Dark Dimension und ´nen Asgardier am Start zu haben. Also kein Grund zum Rumheulen.

In Sachen Marvel-Kosmos-Erweiterung macht der Film einige echt beträchtliche Fässer auf. Da anscheinend sonst eh kaum jemand wirklich Marvel-Comics liest, lass ich mal das Rumgenerde. Nur so viel: Doctor Strange hat von allen bisherigen MCU-Sachen bisher die größten Schritte gemacht. Nicht durch das Einbinden von Magie, sondern durch Themen wie Zeitmanipulation, das Multiversum und vor allem das Anteasern der Cosmic Beings. Das sind die obersten Götter bei Marvel. Daher ist davon auszugehen, dass der Film die Türen maßgeblich für all das öffnet, was uns nach der ganzen Infinity Stone/Thanos-Nummer erwartet.

Zum Look: Wieder sehr eigen und mühevoll inszeniert. Schön, dass man im MCU immer wieder versucht, neue Wege und Stile einzuschlagen und sich nicht z.B. auf der Iron Man-Formel ausruht. Zu den trippy Realitätsverzerr-Szenen braucht man rein optisch eigentlich nix mehr zu sagen. Die sind cool, aber die kennt man ja eh spätestens aus’m Trailer. Das eigentlich Interessante an dem Zeug ist aber Folgendes:
Wir sitzen grad in ´ner Phase des Mediums Film fest, wo man prinzipiell alles per CGI darstellen kann. Leider missbrauchen einige diese Macht und stellen auch wirklich ALLES dar. Es kommt zu ´nem kognitiven Overload, Reizüberflutung und letztlich spielt nix mehr eine Rolle. Scheiß doch drauf, dass ganze Städte pulverisiert werden, Tanklaster durch die Luft purzeln, und gigantische Aliens am Himmel erscheinen. Hat man alles schon zu Genüge gehabt.
Aber Doctor Strange geht ein paar Schritte weiter und ruht sich nicht auf den reinen Visuals aus, sondern kreiert verdammt smarte Actionsequenzen, die durch einige Details wirklich ernsthaft revolutionär sind. Beispiel: Was passiert, wenn man die übliche Zerstörungsorgie durch den Faktor Zeitmanipulation ergänzt?
Aber allen voran: Die Figuren interagieren mit ihrer Umgebung. Da kann noch so viel Realitäts-Scwimmschwumm-Humbug passieren, Häuser entfalten sich, Fassaden fallen in sich zusammen, Dimensionen all over the place – aber die Figuren stehen nicht nur banal vor ´nem Greenscrene, sondern sie sind betroffen von all dem Shizzle. Und das ist tatsächlich ernsthaftes Oscar-Material.

Final sei noch gesagt, dass ich mich drüber freue, dass Marvel mit seiner cheesy, aber smart-unterhaltsamen Reihe so erfolgreich ist. Vorbei die Tage, wo man noch bei ´nem Iron Man, Hulk oder Captain America mit lausigen drei anderen, versprenkelten Leuten im Kino saß und alle waren irgendwie Nerds. Jetzt ist selbst in Chemnitz so ´n Saal locker voll. Allerdings macht´s mir auch Angst, mittlerweile den üblichen Kinogänger-Durchschnitt um mich rum sitzen zu haben. Das MCU ist allerspätestens jetzt im Mainstream angekommen. Egal wie grotesk die Prämisse des Filme, egal wie nischig die Vorlage – jeder guckt sich das jetzt an. Und das ist verdammt gruselig! Vor allem, wenn dein Average Joe von nebenan versucht, seinem Kollegen zu erklären, wie das alles so funktioniert mit „Ansgard“, „Mordor“, den Infinity Steinen und „dem einen, den man schon mal in ´nem anderen Film gesehn hat, na, du weißt schon, der eine; man kennt den vom Sehn her.“

08.06.2016

Film-Review: Captain America: Civil War



Jetz’, wo den eh schon alle gesehn haben, konnt ich auch endlich mal Civil War anschauen. Eine in den Details deutlich ausgeschmückte freie Schilderung des Sezessionskriegs im Amerika der 1860er-Jahre.

Mir hat der Superhelden-Schinken, der der legitimere Avengers 2 statt Age of Ultron gewesen wäre, ganz gut gefallen.

Wir erinnern uns grob: Ich war ja gefühlt der eine Mensch auf dem Planeten, der den zweiten Captain America-Streifen (Winter Soldier) nich so geil fand. Während sich das Publikum weltweit anscheinend einig ist, dass das der beste Superhelden-Film der aktuellen Welle ist, fehlte mir darin die Menschlichkeit. Keine normalen Gespräche, keine Witzeleien, jeder bewahrt stets auf Krampf seine coole Supersozipathen-Persona. Alles war zu verkrampft streng und ernst, statt sich ins Bewusstsein zu rufen, dass das bei all den Bemühung trotzdem immer alberner Superhelden-Schwachsinn mit Tonband-Nazis und Euthanasie-Raumschiffen bleiben wird. Und das ist ja nicht mal was Schlimmes, aber Superhelden-Geschichten aus den großen Marvel- und DC-Konvolut tragen eine dermaßen schwere Last an Trash mit sich rum, dass es beinahe unmöglich ist, in den Universen wahrlich geerdete oder ernsthafte Figuren und Ereignisse zu schildern. Egal, wie viele Selbstmordattentäter sich da in Luft sprengen, wie viele korrupte Politiker böse Bürokratie machen, wie viele Onkel Bens von Straßenräubern erschossen werden – es bleibt immer das Universum mit dem sprechenden Waschbär, der sich am Sack kratzt und freche Oneliner dropt. Das Universum mit dem Mini-Typ, der mit dressierten Ameisen ´ne Räuberleiter baut. Das Universum mit Thor, der gegen Steintrolle und Elfen kämpft.
Und Civil War versucht´s im Gegensatz zu seinem Vorgänger zum Glück auch gar nicht erst, den straighten Bourne-Film zu imitieren. Als hätten die Regie führenden Russos damals meine Review gelesen! Wahrscheinlich war´s ganz genau so.

Was unterm Strich dabei rauskommt, ist zwar immer noch eine recht finstre Geschichte, was sie in dem Fall auch sein muss. Aber eine, die sich traut, witzig und trashig zu sein, wenn´s drauf ankommt. To take the rough with the smooth, wie man in Sokovia sagt.

Kleine Menschlichkeiten überall. Vision, der einen Pullover trägt und schlecht kocht. Peter Parker, der sich fragt, wie er die Avengers-Sache mit seiner Schule koordinieren kann und wie er ohne Reisepass ins Ausland kommt, Bucky Barnes und Sam Wilson, die ihrem Kumpel Steve bübisch zunicken, wenn er die erste Base erreicht. Geht doch! Man kann halt nicht den ganzen Tag über der taffe Strumpfhosen-Rächer sein. Man muss zwischendurch auch mal normalen Lebenskram machen.

Auch der Bösewicht, gespielt von unserem Lieblingsspanier Daniel Brühl, passt da gut rein und gibt dem ganzen MCU mal wieder einen nötigen Drall in dem Metier. Er ist keiner dieser Welten zerstörenden Dunkelelfen, Alien-Herrenrassen-Könige oder explodierenden Lavamänner. Er is ´n Typ ohne Superrüstung, ohne magische Artefakte, ohne Mutantengene, ohne Gammaverstrahlung, ohne Cyborg-Implantate Noch nicht mal Terrigen-Nebel hat er eingeatmet! Einfach nur ´n Typ! Sowas gab´s bisher selten genug, wobei genau das die bisher interessantesten Feine waren. Ich denk da an Justin Hammer aus Iron Man 2 oder den Kingpin aus Daredevil. Nur hatten die immerhin noch Geld und Kontakte. Der von Brühl gespielte Helmut Zemo, der übrigens nix mit dem Baron Zemo aus den Comics zu tun hat, hat nur ´n Hotelzimmer und ´n paar grundlegende Soldaten- und Geheimdienst-Skills. Und das funktioniert auch – obwohl die Figur etwas mehr Screentime vertragen hätte und ihr Plan, der die Story erst in Gang bringt, ein einziges gigantisches Logikloch hinterlässt.

Ähnlich unlogisch ist der ganze eigentlich Civil War-Registrierungs-Hickhack, der sich auch recht weit vom Comic entfernt. Die ganze Zeit hat man das Gefühl, dass es gar keinen Civil War gäbe, wenn sich alle Avengers einfach mal bei ´nem Bierchen ´ne halbe Stunde zusammen setzen und rationale Argumente für ihre jeweilige Meinung in den Raum werfen.
Stattdessen gibt´s recht schwer fassbares Rumgezicke, das aber immerhin zu ´ner fetzigen Keilerei am Flughafen Leipzig-Halle führt. Völlig drüber und was sinnlosen Kollateralschaden anbelangt, werden hier mal wieder neu Maßstäbe gesetzt, weil man die ganze Zeit das Gefühl hat, dass da mehr aus sportlichen Witz raus Tower, Hangars, Fahr- und Flugzeuge zerstört werden. Für die meisten Beteiligten scheint die Kumpelkeile halt eher so ´n Spaß-Event zu sein. Macht aber auch Laune. Für so was geht man schon gerne mal ins Kino.
Und die anderen im Kino haben sich gar nicht mehr eingekriegt, wenn zwischendurch mal was auf Deutsch zu lesen war.
„WAH! Doitsch! Isch kann das lesen, denn isch spresche diesem Sprache!“

Die fehlende Logik kann man aber auch ganz gut verzeihen, weil es trotzdem einen ausreichenden Bogen in der Story gibt, der vielleicht am Ende nicht so wichtig für das große Gesamtbild im MCU ist, wie man sich´s vielleicht erhofft hätte, der aber immerhin am Ende etwas stehen lässt, das man als legitimen Film bezeichnen kann – und das ist heutzutage schon was wert.

Also absolut okay. Nix für Neueinsteiger ins Marvel Cinematic Universe, aber wer is das schon? Aber mal ernsthaft: Langsam sollten die mal ihren Laden ausdünnen, weil´s echt viel Ballast ist, der da von Phase zu Phase erweitert und mitgeschleppt wird.

Hier noch ein nettes Katzenbild mit den Catvengers:

19.05.2016

Film-Review: 10 Cloverfield Lane



10 Cloverfield Lane - ´ne kleine bescheidene Review

Für die, die nach dem ersten Satz nicht weiter lesen, aber die Kernaussage wissen wollen: Guter Film, guckt den an.

Etwas ausführlicher und Spoiler-frei:
Ich bin ja der eine Mensch auf der Welt, der den ersten Cloverfield für´n Meisterwerk hält. Aus den in der Regel falschen Gründen finden den erstaunlich viele Leute nicht gut. Da wird sich über so was wie das Monsterdesign beschwert, um was es überhaupt nicht geht oder die Found Footage-Machart, ohne die es wiederum aber nicht funktionieren würde, weil sie essenzieller Bestandteil der Ide ist. Anders gesagt: Der erste Cloverfield ist ein künstlerisches Gesamtkonzept. Eine prinzipiell schlichte Idee (ein Kaiju-Monsterfilm aus der Sicht von ganz normalen Leuten), die gnadenlos konsequent durchgezogen wurde und daher meinen aufrichtigen Respekt verdient.
Die meisten Kritiker hätten sich wohl aber lieber so was wie Transformers gewünscht. Immer schön mit der geilen Kamerafahrt voll aufs coole Monster, ein kerniger Held und ´ne geile Ische, die das Auto des Helden wäscht. Halt was, das man direkt nach´m Gucken wieder vergisst.

Nun stand die Frage im Raum, ob der geistige Nachfolger wirklich ein richtiges Sequel ist, oder ob da nur der Titel im Nachhinein draufgeklatscht wurde, um zwei, drei Dollar mehr an den Kinokassen zu machen.
Und ja, doch, es ist ein Cloverfield-Film. Irgendwie auf alle Fälle. Ohne näher drauf einzugehen, wieso.
Der Film erlaubt sich sogar beim Titel kurz nur "Cloverfield" hinzuschreiben, bevor der Zusatz hinzuploppt.

Und auf einmal finden´s alle gut!

Jetzt wirken beide Filme von Weitem sehr unterschiedlich: Riesiges Monster greift New York an vs. Frau wird nach Autounfall im Keller eines vermeintlich Verrückten eingesperrt.
Und dennoch spiegeln sich die Filme in vielerlei Hinsicht. Das Pacing folgt den gleichen Regeln, die Themen, die in den Raum geworfen werden, weisen Parallelen auf. Und immer wieder die Frage, welchen Bestand haben (vermeintlich?) kleine menschliche Probleme angesichts einer größeren (vermeintlichen?) Katastrophe. Es geht um die minutiöse Erörterung eines Puzzlestücks, das noch gar nicht weiß, zu welchem Gesamtpuzzle es gehört. Aber dadurch, dass wir das eine Puzzlestück am Ende so gut kennen, verstehen wir auch das Gesamtpuzzle besser. Das Gesamtpuzzle, das wir sonst vielleicht mit´m Arsch nich angeguckt hätten, weil´s irgend so ´n kitschiges Motiv mit ´ner Katze und Goldfischen ist. Ein Puzzleteil ringt uns die Empathien und Emotionalität ab, damit uns der ganze übergeordnete Kram überhaupt erst interessiert. Darum geht´s bei den Cloverfield-Filmen, nicht um Godzillas, Autobots und darum, wie sexy der weibliche Sidekick am Lollipop lutscht.

Zum Film an sich kann ich aufgrund des Spoiler-Problems inhaltlich gar nicht viel weiter sagen. Zum Pacing aber schon: Es gibt in der ersten Hälfte bewusst ´ne etwas zähe Länge (Spiegelung der Partyszene im "ersten Teil"). Die macht aber rückwirkend betrachtet Sinn.
Was der Film nämlich hervorragend macht, ist das Katalysieren der Spannung. Er steigert sich mächtig rein, was man auch bei den (leider recht wenigen) anderen Kinobesuchern gut ablesen konnte, die zum Schluss extreme Reaktionen abfeuerten.
Excitation-Transfer! Eine meiner Lieblings-Theorien der Medienwissenschaften.
Sie besagt - einfach zusammengefasst -, dass wir beim Filmgucken emotionale Erregung speichern und mitschleppen, wenn wir zwischendurch nicht die Gelegenheit bekommen, sie abzubauen. Und wenn auf diese Art viel Erregung gesammelt wird, platzt sie beim Entladen wie ein großer Emotionsballon.
Und die Art der Erregung ist egal!
Das kann ´ne sexuelle Spannung sein, aber auch was Lustiges oder was Trauriges. Unser Körper ist noch beeinflusst, steht unter Spannung, schüttet Hormone aus und wir lachen z.B. noch über den Witz von eben und konnten uns noch gar nicht so richtig beruhigen, da knallt uns der Film auf einmal einen schlimmen Schreckmoment vorn Latz und unser Schreck ist umso doller, weil wir noch vom Lachen erregt waren.

Und genau das macht der Film im finalen Akt ganz hervorragend. Wir dürfen uns nicht entspannen und der Ballon füllt und füllt sich mit Emotion. Bis am Ende endlich die Nadel in den Ballon gestochen wird.

Ja, angucken.

23.04.2016

Kino-Review: Zoomania bzw. Zootopia



Zoomania bzw. Zootopia. Beim zweiten Anlauf hat´s geklappt. Nachdem wir letzte Woche aufgrund eines zu hyperaktiven Kinderpublikaum das Kino verlassen mussten, ham’wer´s dieses Mal eiskalt durchgezogen.

Und statt einer üblichen Filmreview würde es sich schon eher anbieten, eine gonzo-jounalistische Sozialstudie zu schreiben. In dem von Tieren getragenen Film mögen ja Affen unterrepräsentiert gewesen sein, das Publikum hat´s aber kompensiert.
Seit dem Emmerich-Film 2012 hab ich kein so dummes Publikum mehr erlebt. Da kann ja der Film nix für, außer, dass er mit dem (wie ich finde, sehr schwer erträglichen, aber umso hehypteren) Faultier-Trailer eine gewisse Klientel besonders ansprach. Aber ich komm leider nicht umhin, die fürchterlichen situativen Aspekte meiner Rezeption in die Wahrnehmung des Films einfließen zu lassen.
Und nein – es waren nicht wie befürchtet die zahlreichen kleinen Kinder im Publikum, die´s einem kaputt gequasselt haben. Es waren mitteljunge Leute, vielleicht schon – rechtlich gesehen – Erwachsene, für die die ganze Sache einfach eine Spur zu aufregend war. Eine sehr, sehr, sehr dumme junge Dame, die irgendwo hinter mir saß, war im Sekundentakt so geflasht vom Gesehenen, dass sie jede auch noch so kleine Information mit einem „Scheiiiiißeee!“ oder „Oh mein Gott!“ quittierte. Und zwischendurch wurde beschrieben, was sie visuell erfasst. „Rollstühle!“
(Szene im Schnee) „Scheiße! Das muss kalt sein!“
„Scheiiiißeee! Ein ganz kleines Auto! Oh Gott!“
„Mr. Big? Der wird richtig groß sein!“ Eisbären betreten den Raum. „Scheiße! Noch größer als Eisbären?! Oh Gott!“ Es stellt sich raus, dass Mr. Big – ironischerweise, haha! – eine Spitzmaus ist. Weil big im Kontrast zu klein steht. Haha! Zwei Sekunden Fassungslosigkeit. „SCHEIIIIIßE!!!!!!!“ Schallendes Gelächter. „OH GOTT! SCHEIßE!! Das hätt ich jetz’ nich gedacht! Jetz’ hamse mich erwischt! Oh Gott, is der klein! Scheiße! Geil! Richtig geil! Richtige Überraschung! Hätt ich nicht gedacht. Hätt – ich – NICHT – gedacht!“

Wenn man die Hauptvorstellungen von Fast and the Furious- oder Transformers-Filmen auslässt, ist man solche Publika einfach nicht gewohnt.

Aber zum Film:
Der is okay. Ich konnt nich viel damit anfangen. Das ist nicht das, was ihr hören wollt, weil absolut alle den abgöttisch lieben und genial finden, aber leider konnte der mir nix Besonderes bieten.
Ich könnt jetzt Floskeln raushauen wie:
Wahnsinn, was für ´ne geile Welt die geschaffen haben!
Oder: Die Animationen! Der Hammer!

Aber ganz ehrlich: Was will man denn heutzutage auch anderes von Pixar- und Disney-Animationsfilmen erwarten. Man kann diese Floskeln mittlerweile zu jedem dieser Filme bringen. Es würde auch immer stimmen und das ist auch großartig und soll keineswegs die großartigen, perfektionistischen Leistungen der vielen Leute, die das ermöglichen, schmälern.
Für mich bildet das aber nicht (oder nur äußerst selten) die Essenz des Films.

Auch die Figuren und der Humor blieben für mich eher uninteressant. Beides sehr altmodisch.

Was recht gut gelang, war die Rassismus-Parabel, in der Rassenbilder und Vorurteile der menschlichen Zivilisation auf die Gesellschaft der Säugetiere übertragen wurden. Für Große eine nette Analogie, aber für die kleinen Zuschauer ein angenehm fortschrittlicher und aktueller Kerngedanke.
Apropos kleine Zuschauer: Der Film ist doch deutlicher für ein Kinder-Publikum als ich zunächst dachte. Man hörte viel von Der Pate- und Breaking Bad-Anspielungen, aber so etwas macht einen Kinderfilm noch lange nicht gleichermaßen zum Erwachsenenfilm. Zumal die Anspielungen auch nicht besonders gelungen waren. Das hatten wir schon zu Animaniacs-Zeiten deutlich cleverer zu sehen bekommen.
Der Zugänglichkeit für die Kleinen zuliebe geriet leider auch der grundlegende Krimiplot sehr flach und einfach. Statt eines ausgefuchsten Intrigenspiels mit mehreren Ebenen, zahlreichen Verdächtigen, unvorhersehbaren Twists und komplexen Verstrickungen gibt´s ein beinahe schon lächerlich einfach geratenes Schnitzeljagd-Szenario. Geh zu Punkt A, finde Hinweis B, der führt dich zu C, welches einen Hinweis auf D liefert – und irgendwann kommt man bei F oder G raus. Den Twist haben selbst die Sechsjährigen im Publikum schon nach der Hälfte des Films gewittert. Schien denen aber auch Spaß gemacht zu haben, dass sie so einfach miträtseln konnten. Insofern geht das auch in Ordnung.

Also ein Kinderkrimi mit schön einfacher Moral.
Aufwändig präsentiert, mit netten kleinen Einfällen unterfüttert.

Allerdings brauch ich noch ein paar Tage, bis die Ausrufe „Scheiiiiißeee!“ und „Oh mein Gott!“ nicht mehr durch meine Synapsen spuken.

09.03.2016

Kino-Review: The Hateful Eight



Review zu The Hateful Eight.

Gleich vorweg: Der Film hat mich enttäuscht.

Nette, aber unspektakuläre Bilder, okaye Schauspieler, spärlich gesäte besondere Momente.
Dem gegenüber stehen ein erstaunlich schwaches Skript, viele unnötige Längen, die keinem Zweck dienen sowie leider auch Schauspieler, die die Bühne nicht unbedingt in vollem Maße nutzen. Und wenn nicht diese Bühne, welche dann? Immerhin ist der Film quasi ein Theaterstück.

Aber der Reihe nach:
Tarantino ist kein origineller Regisseur. Ist er nie gewesen, wird er auch nicht mehr werden. Seine Stärke ist es, bereits vorhandene Ware stilistisch subversiv neu zu arrangieren – und das macht er in der Regel auch sehr gut. Seine Filme haben zwar stets ein Leit-Genre, sind aber auch voller Einschübe aus anderen Richtungen. Er is halt ein Filmfan, der die Materie kennt, aber nur in überschaubaren Rahmen weiter interpretiert.
Ist ja auch nix Schlimmes. In der Regel bringt diese Nostalgie und Genre-Mischung ´n paar echt unterhaltsame und gute Filme. „Django Unchained“ fand ich als letztes wirklich großartig. Und der war eben genau nach der Tarantino-Formel. Alte Marke, altes Genre, komische Einschübe wie kleine Komödien-Schnipsel und überbordende Trash-Momente. Super!

Sein achter Film entfernt sich nun ein ganzes Stückweit von der erfolgreichen Formel und versucht – so sehr wie lange kein Tarantino-Film zuvor – eine möglichst geradlinige Linie auf einem Genre-Streifen zu fahren. Das Genre ist wieder Western und das bleibt es auch quasi die komplette Spielzeit über. Neben dem trashigen Titellogo und einer Out-of-place-Erzählerstimme zur Hälfte des Films gibt es keine weiteren tarantinoschen Genre-Ausflüge. Selbst die komödiantischen Momente bleiben in ´nem völlig authentischen Rahmen und fügen sich nahtlos ins Gesamtwerk ein. Kein Jonah-Hill-Ku-Klux-Klan-Gag, keine (auffällig) moderne Mucke über altmodischen Bildern, keine Anime-Zwischensequenzen, kein plötzlicher Einschub, in denen Samuel L. Jackson über die Brennbarkeit von Filmrollen unterrichtet. Anders gesagt: Keine Effekthascherei.
Nur geradeaus Western.

Und siehe da: Irgendwie funktioniert das nicht so ganz.

Die Grundstruktur, mit den (nicht acht) seltsamen Leuten, die man in ´ne Hütte sperrt und machen lässt, passt schon. Aber Tarantino gelingt es nicht, die Story rund in Gang zu bringen. Während in vielen seiner Filme die Dialoge die halbe Miete einfahren, weil sie eine spannende Atmosphäre erzeugen, die man wie Butter schneiden kann, gibt´s hier einfach nur ganz viel sinnloses Gelaber. Da tut sich keine weitere Ebene auf, da gibt´s keine ironischen Zusammenhänge zum Storyverlauf, da werden keine Konflikte plausibel vorbereitet. Es is meistens echt nur Gelaber (meist von früher), das nie wieder eine Rolle spielt. Schade, denn wenn man da rigoroser die Schere angesetzt hätte, wäre der Film deutlich runder geworden. Denn es passiert ja hin und wieder doch mal was Sehens- und Erzählenswertes.

Aber was is denn da passiert? Tarantinos herausragendste Stärke und sein individuellstes kreatives Erzeugnis waren schließlich immer die Texte, die er seinen Figuren geschenkt hat.
Wo sind die Puls treibenden Wortgefechte wie zwischen einem DiCaprio und einem Waltz? Oder die knisternde Gleich-passiert’s-Spannung aus der Kellerkneipe in „Inglorious Basterds“? Andeutungen sind da, aber nur auf Sparflamme.

Zu den Schauspielern: Gute Leute, die aber nicht zum Äußersten getrieben wären. Jackson spielt Jackson, Russell spielt Russell und ganz traurig: Tim Roth spielt Christoph Waltz.
Warum denn das?!! Roth ist ein begnadeter Schauspieler und dann zwängt er sich ins Kleid eines etwas begnadeteren Schauspielers, was er echt nicht nötig hätte. Wer auch immer dafür die Verantwortung trägt, hat echt Scheiße gebaut. Ein verschenkter Tim Roth – unerhört!
Jennifer Jason Leigh hat aber ihre Oscar-Nominierung zurecht bekommen.

Story: Leider auch biss´l verschenkt. Es scheint teilweise wie ein Wer war’s-Murder-Mystery-Krimi – allerdings darf man als Zuschauer nicht wirklich miträtseln. Es gibt auch keinen klar erkennbaren Zielpunkt. Nur eine Reihe von Gesprächen, die irgendwann mal irgendwo rauskommen. Am Ende wird ´ne Frage beantwortet, die nie wirklich gestellt wurde.

Unterm Strich bleibt ein passabler Western, aber auch kein Film, den ich jemandem empfehlen würde, weil die Längen nicht zu rechtfertigen sind.

09.02.2016

Doppelreview: Ex Machina und der Marsianer



Ganz kurze Doppelreview.

Neulich konnte ich endlich mal zwei Science-Fiction-Filme nachholen, auf die ich mich im Kinojahr 2015 besonders gefreut habe, die ich aber aus verschiedenen Gründen nicht gucken konnte, als sie grad frisch am Start waren.
Die Rede ist von Ex Machina und dem Marsianer (bzw. The Martian).

Kurz und bündig: Beide Filme haben mir sehr gut gefallen.
Beide Filme sind sehr smart.
Beide Filme sind großartig besetzt.
Beide Filme schlagen auf eine sehr erfrischende und pfiffige Art mehr in die Science-Richtung aus als in die Fiction.

Und auch wenn die beiden Filme recht unterschiedlich wirken, so haben sie eine weitere ganz übergeordnete Gemeinsamkeit: gute Drehbücher!

Beide Filme sind nicht besonders Story- oder Highlight-orientiert. Was da passiert, bleibt – aufs Wesentliche runtergekürzt – überschaubar. Aber beide Filme sind dafür gefüllt mit Top-Schreibe, mit echtem Text, der mal so ganz und gar nicht dumm ist. Und wenn was in den letzten Jahren in Hollywood immer mehr auf der Strecke bleibt, dann sind´s richtig gut geschriebene Skripte.
Großartige medienethische, metaphysisch-philosophische, IT-theoretische Dialoge in Ex Machina, die mmit genau dem richtigen Maß an Menschelei und authentischem intersozialen Witz unterfüttert sind, um nicht wie prätentiöses existenzialistisches Rumgewichse daherzukommen (eine Falle, in die das Genre allzu oft stolpert. Es bleibt aber auch stets im richtigen Volumen awkward, so dass man auf der menschlichen Ebene nie zu sehr reingezogen wird. Es soll schon deutlich bleiben, dass die überschaubare Anzahl von Darstellern (etwa vier) weit weg von einem selbst ist. In verschiedenen Formen sind das halt keine echten Menschen im klassischeren Sinne.

Der Marsianer liefert einen herrlich authentisch-realistischen Optimismus und Spaß in seinen Dialogen. Langsam versteh ich auch besser, warum der Film bei den Golden Globes in der Komödien-Kategorie legitim untergebracht werden konnte.
Dennoch bleibt er ernst und geerdet (bzw. gemarst), wenn er es sein muss – aber eben auch immer im rcihtigen Rahmen. Und in diesem Falle durchaus so, dass der Zuschauer zum Connecten eingeladen wird. Denn hier hat er´s irgendwie sehr wohl mit Menschen wie dir und mir zu tun. Superschlaue Menschen mit Astrophysik- und Botanik-Skills, aber trotzdem Menschen, die nervige olle Disco-Mucke hören, kacken und Kartoffeln mit Ketschup essen.
Extreme Situation fernab der Erde und dennoch irgendwie down to earth.

Und siehe da! Beide haben auch ´ne Drehbuch-Oscar-Nominierung.
Ein weiterer Beleg dafür, dass das eigentlich die wichtigste Kategorie ist.


Beide Filme sollten den Kessel-Flug jedenfalls in weniger als zwölf Parsec schaffen, wenn ihr mich fragt. Allein das sollte schon ein Grund zum Angucken sein.

06.02.2016

Review: The Revenant



Review zu The Revenant.

Nach Birdman aus dem Vorjahr hat sich Alejandro González Iñárritu den nächsten monströsen Eintrag in die Filmgeschichte gesichert. Es ist, als hätte der Regisseur keine Lust auf Banalitäten; jedes Werk muss sitzen. Daher würde es mich auch gar nicht wundern, wenn er zweimal n Folge ´nen Regie-Oscar bekäme.

Direkt ´ne Kritik hab ich nicht, außer dass der letzte Akt vielleicht biss´l lang wirkt, weil man das Gefühl hat, das Wesentliche is bereits erzählt. Aber es sei mal wieder angemerkt, dass Iñárritus Filme weniger dazu dienen, eine Geschichte von A nach B zu erzählen, sondern vielmehr eine cineastische Wundertüte sind – voller handwerklicher Zaubertricks, prägnanter Szenen und halt Extraportionen genereller Kinomagie. Im Gegensatz zum fast kompletten Rest Hollywoods geht´s dem Mexikaner sehr wohl darum, immer wieder das Rad neu zu erfinden und das Medium aufs nächste Level zu hieven, indem er alle Teilaspekte an die Grenzen treibt.
Wie schon in Birdman müssen hier daher sowohl die Schauspieler als auch der Teil der Crew, der hinter der Kamera agiert, alles aus sich rausholen und Blut und Wasser schwitzen. Und selbst, wenn man wenig Ahnung davon hat, wie ein Kinofilm funktioniert, sollte man das merken. Und was in Birdman bereits perfektioniert wurde mit den ewig langen Takes ohne Schnitt und mit Schauspielern und Kameraleuten, die all ihre Limit Breaks verbraucht haben dürften, um die Szenen zu meistern, wird im Revenant sogar noch mal mit ´nem neuen Dreh fortgeführt. Jetzt gibt´s ewig lange, nervenaufreibende Takes in der Wildnis und mit viel mehr kniffligen Faktoren.
In der Hinsicht kommt Iñárritu fast schon seinem Landsmann Alfonso Cuarón in die Quere, der mit Children of Men die All-Time-Bestmarke für höllisch komplizierte One-Shots hält.

Also wer viel staunen möchte, sich bestenfalls für das Medium auf ´ner handwerklichen Ebene interessiert oder zumindest Bock auf grandiose Naturaufnahmen aus ´nem urigen, unerschlossenen Fleck Amerikas hat, den man so vielleicht noch nicht kennt, der muss sich den Film eh angucken.
Alle anderen bekommen eine spannende, Kräfte zehrende Western-Geschichte mit etlichen heftigen und spannenden Highlights (wie z.B. der Indianerschlacht direkt zu Beginn).

Die Geschichte vom Trapper, der im 19. Jahrhundert vom Bären angefallen wurde und sich schwer verletzt bis in die weit entfernte nächste Stadt robbte, basiert ja auf wahren Begebenheiten und ich kannte die in ´ner sehr basalen Form seit meiner Kindheit. The Revenant greift die Tatsachen zwar auf, aber man merkt schon die recht freie Interpretation zugunsten einer filmischeren Erzählweise. Da kommen einfach zu viele Sachen zusammen, die der Film teilweise noch nicht mal zwingend bräuchte, aber sei´s drum.
Und die Figur von Tom Hardy wird zu ´nem sehr guten Bösewicht ausgebaut.
Sowieso festigt Hardy seinen Platz als einer der gigantischsten Schauspieler des aktuellen Jahrtausends. Aber der Typ macht mir auch ernsthaft Angst; der is in echt gar nich so viel anders als die kaputten Rollen, in die er schlüpft.

Was den überfälligen Oscar für DiCaprio anbelangt: Muss nicht unbedingt für ausgerechnet den Film sein. Die Leistung war beeindruckend, aber eher auf einer Dschungelcamp-Ebene. Im Gegensatz zu Hardy geht´s bei seiner Figur weniger um die mimetische Kernkompetenz einer Figur mit einfachsten Mitteln Seele einzuhauchen, als viel mehr darum, krasses Zeug vor der Kamera zu machen und zu leiden.

Ja, guckt euch den Film an.

19.12.2015

Review: Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht - Alles beim (ganz) Alten in der fernen, fernen Galaxie



Okay, Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht.

SPOILERFREIE Review.

Heikles Thema; ich glaub, da kann man sich grad nur in die Nesseln setzen, weil alle grad im Happy-go-lucky-Hypetrain sitzen, der quer durchs Outer Rim fliegt.

Zunächst mal, um das direkt aus der Welt zu schaffen: Das is ´n guter Film und jeder sollte den selbstverständlich im Kino anschauen. Allerdings macht das ohnehin jeder.
Aber dieses Mal isses schwierig, ´ne klassische Review zu schreiben. Einmal, weil´s fucking Star Wars ist und sich eh die meisten auf ihre oft irrationale, eher emotional gefärbte Meinung eingeschossen haben. Zum anderen, weil der Film auch weder schlecht, noch außergewöhnlich gut ist. Er ist halt gut und das führt wiederum zu den belanglosesten Reviews. Deshalb werd ich mich dem Thema gleich noch auf ´ner Meta-Ebene annähern.

Aber nichtsdestotrotz ´n paar Eckpfeiler-Gedanken, zu dem, was J.J. Abrams und seine Bad Robot-Truppe da mit der fetten, fetten Disney-Kohle fabriziert haben:

Positivster Aspekt:
Es ist – wie bereits erwähnt – fucking Star Wars. Alles sitzt, keine Faselfehler.
Der (Handelsföderations-freie) Opening Crawl mit anschließendem Schwenk nach unten auf ein Raumschiff, die Musik, der Fanservice, der Aufbau der Akte. Man hat die Vorlage ultra-ernst genommen.
Gut, jetzt muss ich als alter Nerd schimpfen, dass da was bei den End Credits ein klein wenig anders ist, als man´s gewohnt ist, aber ich hoffe, die Hardliner werden Milde walten lassen und Abrams’ Reifen unzerstochen lassen. 98 % der Leute, die das hier lesen, werden eh nicht wissen, von was der komische Mann da grad schreibt.

Die Production Values hinter diesem Projekt sind der Wahnsinn. Angesichts der wachsenden CGI-Ermüdung wird´s für alle Cineasten ´ne große Freude sein, mal wieder so viel geballte handgemachte Kino-Magie vorgesetzt bekommen. 2015 hat echt vielen Schreinern, Maskenbildnern und anderen analog werkelnden Kreativen der Szene ihre Jobs wiedergegeben, die in den letzten Jahren fest in der Hand von Adobe-Software waren. Und man sieht´s! Und man staunt. Ständig ertappt man sich, wie man gar nicht mehr so richtig den Dialogen folgen kann, weil man sich grad fragt, wie sie das denn wohl gemacht haben und ob dieses Alien animatronisch ist oder von ´nem Puppenspieler bewegt wird. Allein die Technik, die hinter BB-8 steckt, ist mit immer noch ´n Rätsel – obwohl ich grob weiß, wie das gemacht wurde.

Die neuen zentralen Figuren sind auch gut aufgebaut. Herrlich altmodisch und zugedröhnt mit Seele.
Mir gefällt auch der Ansatz, dass die neue Geschichte anscheinend die von ´ner Handvoll Heranwachsender ist, die allesamt noch nicht gefestigt im Leben sind. Sowohl die Guten als auch die Bösen als auch die Unentschlossenen wirken wie Kids, die noch grün hinter den Ohren und emotional verwirrt sind, aber paradoxerweise auch das Schicksal der Galaxie aufgebürdet bekommen. Ganz im Gegensatz zu fast allen bisherigen Star Wars-Hauptfiguren, die mit ihren klaren Motivationen und Aufgaben in der Regel schon zu fertig gebacken waren, als dass man wirklich eine Entwicklung mit ihnen hätte erleben können (Ausnahmen wären Anakin und Luke).

Jetzt sieht man schon, dass damit die Hauptkritik an der Prequel-Trilogie wahrgenommen wurde. Man hat die großen Fehler nicht wiederholt und sich stattdessen auf die die Stärken der Episoden IV bis VI zurück besonnen.
Es ist fast so, als hätte man die Mr. Plinkett-Reviews als unfehlbare Bibel zu Rate gezogen.

Und hier lenk ich auch schon in den Kritik-Part ein.

Für mich war´s mein siebter Star Wars-Film, den ich im Kino gesehen hab und ich hab sie alle genossen! Warum? Weil ich immer im richtigen Alter für jeden der Filme war.
Die alte Trilogie hab ich erstmals im Kindergarten gesehen; die Special Editions mit ihren heute als cheesy verschrienen CGI-Einwürfen sowie die Prequels haben mich durch meine Heranwachsenszeit hinweg begeistert.
Und ja, ich hab voller Freude in Episode I gesessen und war derbe geflasht von der Unterhaltungsorgie, die mir da um die Ohren geballert wurde.
Jahre später sagt mir das Internet, dass ich deswegen wohl ´ne Art geistige Behinderung habe, weil die neuen Filme ja augenscheinlich schwachsinnig sind und es is eh alles an ihnen falsch und sollte bestenfalls nicht mehr canon sein, weil George Lucas ein fetter Sellout-Motherfucker is.

Was aber immer vergessen wird: Star Wars ist – ob man das wahrhaben will oder nicht – primär eine Kinderfilm-Reihe.
BUUUUUUH!!!! BUUUUUUUUUH!!!!! Schwindelbude!
Tja, sorry, so isses!
Und das is auch gar nicht schlimm, weil´s gute Kinderfilme sind und gute Kinderfilme funktionieren auch für Erwachsene.

Und auch die Episoden I bis III waren – sind! – gute Kinderfilme, die man bestenfalls als Kind auch erstmals sehen sollte. Und wenn man die aus der Sicht eines Erwachsenen kritisiert, weil man erwartet, dass das Franchise mit einem älter wird, dann ist das einfach nur unfair und rein wirtschaftlich falsch. Denn Kinder werden weiterhin mit ihrer Kohle dafür sorgen, dass das Franchise beatmet werden kann. Star Wars ist wie ein Sarlacc, das ständig mit LEGO-Lizenzkohle und Actionfigurenverkäufen und dem Erlös aus Sammelbechern usw. gefüttert werden muss. Und das ist auch okay so, wenn das für uns Erwachsene bedeutet, dass wir dann regelmäßig großes Entertainment bekommen.

Für Episode VII bedeutet diese Erörterung, dass ich schade fand dass man zu sehr auf Prequel-Kritiker gehört hat und die Episoden I bis III im Prinzip keine Rolle spielen für den neusten Film. Mit all ihren Fehlern, den steifen Charakteren, dem inflationären CGI usw. haben die drei Filme doch auch sehr viel richtig gemacht. Es waren halt Massenunterhaltungs-Vehikel, die in ihre Zeit passten.

Episode VII versucht leider gar nicht, in unsere Zeit zu passen, sondern will auf Biegen und Brechen so sein, wie die ganz alten Star Wars-Filme. So sehr, dass es schon wirkt wie Episode IV. Mal ganz im ernst: Der Film ist die Art Soft-Reboot/Sequel-Mix wie Jurassic World ein soft-Reboot/Sequel-Mix fürs Jurassic Park-Franchise war. Das heißt, man tut so, als hätte es die Filme, die die am lautesten schreienden Fans nicht mochten, nie gegeben hätte und gibt ebendiesen Hardlinern das, was sie schon mal als gut verurkundet haben.Und zwar GENAU DAS! Und sonst auch leider nicht allzu viel Neues und das fand ich doch echt schade.
Die Charaktere, ihre Entscheidungen, die abzugrasenden Stationen, der Handlungsverlauf mit seinen Plot-Meilensteinen – alles hatten wir schon mal in ähnlicher, teilweise aber auch wirklich nahezu identischer Form.
Das wird zuweilen so abstrus, dass man das Gefühl hat, eine besser geschriebene Fanfiction zu lesen, in der es gar nicht mehr so sehr drum geht, einen vernünftigen originellen Plot zu inszenieren, sondern mit einer Kanonade aus Fanservice immer wieder dem Publikum zuzuzwinkern.
Schau mal, welcher Droide hier ´nen Cameo hat!
Kennst du noch diese Figur aus Episode VI?
Und hier! Das mochtest du doch in Episode V so sehr. Das war doch in der coolsten Szene mit dabei.
Und auch diesen alten Schauspieler haben wir noch mal buchen können. Sorry, dass er seine Rolle nur so kurz spielen kann, aber wir haben Auflagen von seinem Chiropraktiker …
Ui! Was haben wir denn hier noch für ´nen MacGuffin ausgepackt? Überraschung! Es ist das Teil, das ihr schon kennt.

Bei all dem Abhaken der Fanservice-Strichliste wirkt die Verkettung der Szenerien fast schon albern. Als sei die Galaxie eine 1000-Einwohner-Kleinstadt. Egal, welche abgelegene Ecke eines abgelegenen Planeten man betritt – die Wahrscheinlich, dort legendäre Artefakte und/oder Figuren aufzufinden, geht in Richtung 100 %. Als würde ich auf dem Weg ins Badezimmer zufällig meine alte Grundschullehrerin treffen und in meinem Hotelzimmer im Urlaub hat jemand zufällig mein altes Skizzenheft liegen lassen, das ich schon seit Ewigkeiten suche. Und selbstverständlich stellt sich raus, dass der eine Typ, den ich auf ´ner Convention treffe, ganz nah mit mir verwandt ist usw.
Ihr versteht die Idee.

Es bleibt unterm Strich ein vielversprechender Auftakt zur neuen Trilogie, von der ich mir aber ab dem Mittelteil erhoffe, dass sie lernt, auf eigenen Füßen zu stehen.



27.11.2015

Kino-Review "The Good Dinosaur" a.k.a. "Arlo & Spot"



Review: The Good Dinosaur bzw. Arlo & Spot, wie er bei uns im Kino heißt.

Durch ´ne seltsame Vertriebsstrategie des deutschen Verleihs kamen ja nun innerhalb von nicht mal zwei Monaten zwei Pixar-Filme in unsere Kinos. Dass unter dem Umstand mindestens ein Film leiden muss, merkt man schon. Wir waren gestern zu zweit in der Premierenvorführung. Man sieht auch kaum mal ´ne Werbung dafür, geschweige denn so ausufernde Kampagnen, wie man´s von Pixar-Giganten wie Cars oder Findet Nemo gewohnt ist.
Vielleicht trauen die Disney-Leute dem Saurier-Road-Movie aber auch einfach nicht so viel zu und stellen die Hype-Flamme bewusst auf niedrig? Wer weiß.
So oder so isses natürlich schwer für jeden Disney-Film, der im Schatten des anstehenden Firmen-Juwels Star Wars zurecht kommen muss.
Nich mal einen richtigen Vorfilm gab´s …

Zum Film: Die Pixar-Prämisse, die – wie wir zuletzt im Extremen erst bei Inside Out gesehen haben – so was wie das Herzstück der Animationsfilme ist, fällt hier relativ flach aus: Was wäre, wenn der Komet, der die Dinos tot gemacht hat, die Erde verfehlt hätte? Die Frage ist schnell und recht unspektakulär beantwortet: Dinos entwickeln sich wie Menschen und lernen trotz unpraktischer Statur so was wie das Domestizieren von Nutzvieh, Bestellen von Feldern oder gar Religion. Menschen entwickeln sich parallel auch – allerdings in ne hundeartige Richtung (zumindest scheint es anhand des einen wesentlichen Beispiels in Form von Spot, welches uns der Film präsentiert).
Inhaltlich wird da auch nicht viel gemacht und ich würd sogar ´nen Schritt weiter gehen und behaupten, dass wir´s hier storytechnisch mit dem bisher schwächsten abendfüllenden Pixar-Streifen zu tun haben. Im Prinzip ist das einfach nur eine Erzählung, wie jemand von A nach B gelangt und unterwegs eine Handvoll Leute trifft. Ein Road Movie halt, nur ohne Road, aber mit Fluss, der denselben Effekt erfüllt. Die einzelnen Stationen der Reise haben kaum bis keine Kohärenz, außer, dass sie dem Helden Arlo vielleicht dabei helfen, seine Ängste zu überwinden und stark zu werden. Oh, Spoiler. Ja, Arlo macht in dem Film eine Entwicklung durch.
Unterwegs bekommt man immer wieder mal verdächtige König der Löwen-Vibes. An ganz vielen Ecken scheint Arlo & Spot den Disney-Zeichentrickfilm regelrecht zu zitieren.

Die Figuren sind altbewährte Stereotypen, aber okay. Arlo is halt die Schablone des Weicheis, das lernen muss, stark zu werden. Spot ist ein Hund, der aussieht wie ein Mensch. Die Nebenfiguren sind nur Zierde. Eine kleine Ausnahme bildet da ´ne Tarnfarben-Triceratops-Evolutionsstufe mit buntem Getier auf seinen Hörnen. Die Szene mit ihm ist kurz, aber recht witzig.

Wo der Film nach all den eher kritischen Anmerkungen jedoch volles Parkett punkten kann, das is bei der Darstellung der prähistorischen Welt.
Das sieht alles ultrarealistisch und schön aus. Da passt´s auch, dass zu den Endcredits einfach noch mal Naturaufnahmen aus Arlos Heimat gezeigt werden.
Spätestens seit dem Herrn der Ringe bzw. dem Kielwasser, das die Trilogie aufgespült hat, gibt’s den Trend, dass Filmproduktionen mit zu großem Budget nicht wissen, wo Schluss ist bei der Präsentation ihrer Welten. Da wird über jeden Quadratzentimeter noch mal auf Krampf mit´m grafikfähigen Taschenrechner drüber gegangen, bis auch wirklich das letzte Quäntchen Credibilty rausgewaschen ist. Negativstbeispiele hierfür wären so Disney-Schinken wie dieser unsägliche Burton-Alice im Wunderland-Film oder (der Zauberer von) Oz von Sam Raimi. Überall flattern noch lustige Tierchen rum, alles ist diverse Ticken zu pointiert arrangiert, alles sieht scheiße und fake aus.
Nach der anfänglichen CGI-Euphorie hat sich längst die Rückbesinnung auf alte Werte eingestellt. Realistische Darstellung und Handgemachtes.
Arlo & Spot grätscht genau in dieses gesunde neue Bewusstsein rein segelt ganz souverän an dem plakativen Effekt-Overkill vorbei und verblüfft stattdessen mit einer natürlichen Gelassenheit und beweist, dass man tatsächlich auch nicht mehr braucht, um heutige Kinogänger zu beeindrucken als Natur und die Features, die ebendiese schon von Haus aus mitgeliefert bekommt.




08.10.2015

Kino-Review "Alles steht Kopf"



Nachdem so ziemlich der komplette Rest der Welt schon längst „Alles steht Kopf“ bzw. „Inside Out“ durch die Kinosäle geschwemmt hat, kann man den ersten von zwei Pixar-Filmen des Jahres 2015 nun auch mal in Deutschland gucken.

Bei mir kam vor allem deswegen ´ne besondere Spannung auf die filmgemachte Personifizierung kognitiver Konstrukte auf, weil mir während meines Japan-Aufenthalts neulich der Hype um die fünf Kernemotionen links und rechts um die Ohren gepfeffert wurde.
Und ja, selbstverständlich liefert Pixar wieder ab. So richtig stellt sich die Frage bei dem Studio aber ja eh nie, ob´s ein guter Film wird. Die wissen halt, wie´s geht.

Die Pixar-Formel läuft hier mal wieder auf Hochtouren. Sprich: Man sucht sich ein verqueres, nicht unbedingt mainstreamiges Konzept und spinnt darum eine geniale Kreativexplosion. Sei es, dass man bei Cars Autos in den Fokus rückt und jede Idee ausquetscht, die irgendwie das Thema Autos betrifft – oder dass man mit der Toy Story-Trilogie absolut alles auf dem Gebiet des Spielzeugs verwertet und somit eine erstaunlich kohärente Welt auf Basis der anfangs oft banal klingenden Prämissen schafft. Das sind dann nicht mehr einfach nur Filmchen über Ameisen, Roboter, Superhelden, Ratten usw., das sind hochkomplexe Konstrukte mit detaillierten Gesellschaftsstrukturen, klar definierter Innenarchitektur und Gesetzen, die all die Ideen zusammenkitten.
Bei „Alles steht Kopf“ liegt auch hierin die große Stärke. Man nimmt all das Neuronale, Emotionale, Mentale oder wie auch immer man´s nennen mag und baut daraus eine voll funktionsfähige Welt (mit nur marginalen Logiklöchern). Ständig werden neue altbekannte Modelle ausgepackt und superinteressant und schlüssig visualisiert. Emotionen werden von personifizierten Gefühlszuständen über eine Konsole gesteuert, die mit zunehmendem Alter immer mehr Knöpfe und Schalter bekommt, weil die Welt auch immer komplizierter wird. Das Langzeitgedächtnis ist eine labyrinthartige Bibliothek, die rund um die Uhr ausgemistet werden muss, um nicht zu überfüllen. Träume werden in einem Studiopark gedreht. Und und und. Man achtet sogar auf Details wie den Ursprung von Ohrwürmern.

Doch hier liegt auch gleichzeitig für mich die Schwäche des Films.
Während bei Toy Story, den Incredibles und weiteren meiner Pixar-Highlights die besagten Konzepte rund ums Kernthema immer wieder schlau in die Story geworfen werden, um diese zu bereichern, ist es hier eher umgekehrt. Das Konzept steht ganz klar im Mittelpunkt und man wartet nur gespannt drauf, das nächste Hirn bezogene Ding umgesetzt zu sehen. Die Geschichte rund um ein Teenie-Mädchen, das mit ´nem Umzug in ´ne neue Stadt klarkommen muss, is dabei recht flach und nebensächlich. Daher schwappt dieses Mal auch leider nicht die große emotionale Wucht über, wie man´s von Perlen wie ´nem „Oben“ oder „Toy Story 3“ kennt. Aber muss ja auch nicht immer sein.

Wer also mal wieder ´nen smarteren Animationsfilm sucht, zieht sich den Film rein.
Und bleibt für den Abspann, weil sich hier die besten Gags verstecken.