Okay,
Star Wars Episode VII: Das Erwachen der
Macht.
SPOILERFREIE Review.
Heikles Thema; ich glaub, da kann man sich grad nur in die Nesseln setzen, weil
alle grad im Happy-go-lucky-Hypetrain sitzen, der quer durchs Outer Rim fliegt.
Zunächst mal, um das direkt aus der Welt zu schaffen: Das is ´n guter Film und
jeder sollte den selbstverständlich im Kino anschauen. Allerdings macht das
ohnehin jeder.
Aber dieses Mal isses schwierig, ´ne klassische Review zu schreiben. Einmal,
weil´s fucking
Star Wars ist und sich eh die meisten auf ihre oft irrationale,
eher emotional gefärbte Meinung eingeschossen haben. Zum anderen, weil der Film
auch weder schlecht, noch außergewöhnlich gut ist. Er ist halt gut und das
führt wiederum zu den belanglosesten Reviews. Deshalb werd ich mich dem Thema
gleich noch auf ´ner Meta-Ebene annähern.
Aber nichtsdestotrotz ´n paar Eckpfeiler-Gedanken, zu dem, was J.J. Abrams und
seine
Bad Robot-Truppe da mit der fetten, fetten
Disney-Kohle fabriziert
haben:
Positivster Aspekt:
Es ist – wie bereits erwähnt – fucking
Star Wars. Alles sitzt, keine
Faselfehler.
Der (Handelsföderations-freie) Opening Crawl mit anschließendem Schwenk nach
unten auf ein Raumschiff, die Musik, der Fanservice, der Aufbau der Akte. Man
hat die Vorlage ultra-ernst genommen.
Gut, jetzt muss ich als alter Nerd schimpfen, dass da was bei den End Credits ein
klein wenig anders ist, als man´s gewohnt ist, aber ich hoffe, die Hardliner
werden Milde walten lassen und Abrams’ Reifen unzerstochen lassen. 98 % der
Leute, die das hier lesen, werden eh nicht wissen, von was der komische Mann da
grad schreibt.
Die Production Values hinter diesem Projekt sind der Wahnsinn. Angesichts der
wachsenden CGI-Ermüdung wird´s für alle Cineasten ´ne große Freude sein, mal
wieder so viel geballte handgemachte Kino-Magie vorgesetzt bekommen. 2015 hat
echt vielen Schreinern, Maskenbildnern und anderen analog werkelnden Kreativen
der Szene ihre Jobs wiedergegeben, die in den letzten Jahren fest in der Hand
von Adobe-Software waren. Und man sieht´s! Und man staunt. Ständig ertappt man
sich, wie man gar nicht mehr so richtig den Dialogen folgen kann, weil man sich
grad fragt, wie sie das denn wohl gemacht haben und ob dieses Alien
animatronisch ist oder von ´nem Puppenspieler bewegt wird. Allein die Technik,
die hinter
BB-8 steckt, ist mit immer noch ´n Rätsel – obwohl ich grob weiß,
wie das gemacht wurde.
Die neuen zentralen Figuren sind auch gut aufgebaut. Herrlich altmodisch und
zugedröhnt mit Seele.
Mir gefällt auch der Ansatz, dass die neue Geschichte anscheinend die von ´ner
Handvoll Heranwachsender ist, die allesamt noch nicht gefestigt im Leben sind.
Sowohl die Guten als auch die Bösen als auch die Unentschlossenen wirken wie
Kids, die noch grün hinter den Ohren und emotional verwirrt sind, aber
paradoxerweise auch das Schicksal der Galaxie aufgebürdet bekommen. Ganz im
Gegensatz zu fast allen bisherigen
Star Wars-Hauptfiguren, die mit
ihren klaren Motivationen und Aufgaben in der Regel schon zu fertig gebacken
waren, als dass man wirklich eine Entwicklung mit ihnen hätte erleben können
(Ausnahmen wären Anakin und Luke).
Jetzt sieht man schon, dass damit die Hauptkritik an der
Prequel-Trilogie
wahrgenommen wurde. Man hat die großen Fehler nicht wiederholt und sich
stattdessen auf die die Stärken der
Episoden IV bis VI zurück besonnen.
Es ist fast so, als hätte man die
Mr. Plinkett-Reviews als unfehlbare
Bibel zu Rate gezogen.
Und hier lenk ich auch schon in den Kritik-Part ein.
Für mich war´s mein siebter
Star Wars-Film, den ich im Kino
gesehen hab und ich hab sie alle genossen! Warum? Weil ich immer im richtigen
Alter für jeden der Filme war.
Die alte Trilogie hab ich erstmals im Kindergarten gesehen; die
Special
Editions mit ihren heute als cheesy verschrienen CGI-Einwürfen sowie
die
Prequels
haben mich durch meine Heranwachsenszeit hinweg begeistert.
Und ja, ich hab voller Freude in Episode I gesessen und war derbe geflasht von
der Unterhaltungsorgie, die mir da um die Ohren geballert wurde.
Jahre später sagt mir das Internet, dass ich deswegen wohl ´ne Art geistige
Behinderung habe, weil die neuen Filme ja augenscheinlich schwachsinnig sind
und es is eh alles an ihnen falsch und sollte bestenfalls nicht mehr canon
sein, weil George Lucas ein fetter Sellout-Motherfucker is.
Was aber immer vergessen wird: Star Wars ist – ob man das wahrhaben will oder
nicht – primär eine Kinderfilm-Reihe.
BUUUUUUH!!!!
BUUUUUUUUUH!!!!! Schwindelbude!
Tja, sorry, so isses!
Und das is auch gar nicht schlimm, weil´s gute Kinderfilme sind und gute
Kinderfilme funktionieren auch für Erwachsene.
Und auch die
Episoden I bis III waren – sind! – gute Kinderfilme, die man
bestenfalls als Kind auch erstmals sehen sollte. Und wenn man die aus der Sicht
eines Erwachsenen kritisiert, weil man erwartet, dass das Franchise mit einem
älter wird, dann ist das einfach nur unfair und rein wirtschaftlich falsch.
Denn Kinder werden weiterhin mit ihrer Kohle dafür sorgen, dass das Franchise
beatmet werden kann.
Star Wars ist wie ein
Sarlacc,
das ständig mit
LEGO-Lizenzkohle und
Actionfigurenverkäufen und dem Erlös aus Sammelbechern usw. gefüttert werden
muss. Und das ist auch okay so, wenn das für uns Erwachsene bedeutet, dass wir
dann regelmäßig großes Entertainment bekommen.
Für
Episode
VII bedeutet diese Erörterung, dass ich schade fand dass man
zu sehr auf Prequel-Kritiker gehört hat
und die
Episoden I bis III im Prinzip keine Rolle spielen für den
neusten Film. Mit all ihren Fehlern, den steifen Charakteren, dem inflationären
CGI usw. haben die drei Filme doch auch sehr viel richtig gemacht. Es waren
halt Massenunterhaltungs-Vehikel, die in ihre Zeit passten.
Episode
VII versucht leider gar nicht, in unsere Zeit zu passen, sondern will
auf Biegen und Brechen so sein, wie die ganz alten
Star Wars-Filme. So sehr,
dass es schon wirkt wie
Episode IV. Mal ganz im ernst: Der
Film ist die Art Soft-Reboot/Sequel-Mix wie
Jurassic World ein
soft-Reboot/Sequel-Mix fürs
Jurassic Park-Franchise war. Das
heißt, man tut so, als hätte es die Filme, die die am lautesten schreienden
Fans nicht mochten, nie gegeben hätte und gibt ebendiesen Hardlinern das, was
sie schon mal als gut verurkundet haben.Und zwar
GENAU DAS! Und sonst auch leider nicht allzu viel Neues und
das fand ich doch echt schade.
Die Charaktere, ihre Entscheidungen, die abzugrasenden Stationen, der
Handlungsverlauf mit seinen Plot-Meilensteinen – alles hatten wir schon mal in
ähnlicher, teilweise aber auch wirklich nahezu identischer Form.
Das wird zuweilen so abstrus, dass man das Gefühl hat, eine besser geschriebene
Fanfiction zu lesen, in der es gar nicht mehr so sehr drum geht, einen
vernünftigen originellen Plot zu inszenieren, sondern mit einer Kanonade aus
Fanservice immer wieder dem Publikum zuzuzwinkern.
Schau mal, welcher Droide hier ´nen Cameo hat!
Kennst du noch diese Figur aus
Episode VI?
Und hier! Das mochtest du doch in
Episode V so sehr. Das war doch in
der coolsten Szene mit dabei.
Und auch diesen alten Schauspieler haben wir noch mal buchen können. Sorry,
dass er seine Rolle nur so kurz spielen kann, aber wir haben Auflagen von
seinem Chiropraktiker …
Ui! Was haben wir denn hier noch für ´nen MacGuffin ausgepackt? Überraschung!
Es ist das Teil, das ihr schon kennt.
Bei all dem Abhaken der Fanservice-Strichliste wirkt die Verkettung der
Szenerien fast schon albern. Als sei die Galaxie eine
1000-Einwohner-Kleinstadt. Egal, welche abgelegene Ecke eines abgelegenen
Planeten man betritt – die Wahrscheinlich, dort legendäre Artefakte und/oder
Figuren aufzufinden, geht in Richtung 100 %. Als würde ich auf dem Weg ins
Badezimmer zufällig meine alte Grundschullehrerin treffen und in meinem
Hotelzimmer im Urlaub hat jemand zufällig mein altes Skizzenheft liegen lassen,
das ich schon seit Ewigkeiten suche. Und selbstverständlich stellt sich raus,
dass der eine Typ, den ich auf ´ner Convention treffe, ganz nah mit mir
verwandt ist usw.
Ihr versteht die Idee.
Es bleibt unterm Strich ein vielversprechender Auftakt zur neuen Trilogie, von
der ich mir aber ab dem Mittelteil erhoffe, dass sie lernt, auf eigenen Füßen
zu stehen.