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25.11.2016

Kino-Review: Doctor Strange



So, Doctor Strange.

Kann man auf alle Fälle gucken. Der Film war so ziemlich punktgenau das, was ich erwartet hatte.

Natürlich hat auch der neuste Eintrag ins Marvel Cinematic Universe die MCU-Krankheit, die ich in jedem MCU-Review pauschal erwähnen muss. Heißt, Doc Strange ist für sich eigentlich kein geschlossener, runder Film im eigentlichen Sinne. So wie man bis in die 90er und vielleicht frühen 2000er noch von einem Film gesprochen hat. Es ist halt eine Episode einer Serie. Aber da man mittlerweile ja weiß, worauf man sich beim MCU einlässt, geht das in Ordnung.

Das größte Opfer, das Strange dieser Serienformel bringen muss, ist der Plot, der – wie aber auch erwartet – sehr, sehr seicht ist.
Man bekommt – wie erwartet – ´ne weitere runter gedampfte, aber dafür auch recht kurzweilige Origin Story, ´nen charismatischen Helden, der flache Gags bringt (genau so wie absolut jeder andere bisherige MCU-Held) viele verheizte Topstars in Nebenrollen, bombastische Actionszenen, viele Easter-Eggs, viele Referenzen auf das größere Ganze, das sich im Hintergrund zusammenbraut.
Leider gehören ja auch superlahme Bösewichte zur MCU-Formel und da könnte Stranges Widersache fast den dicksten Vogel bisher abgeschossen haben. Keine Ahnung, ob die Macher dieser Filme ´nen internen Wettkampf hegen, aber der böse Mads Mikkelsen-Zauberer war schon wieder derbe drunter.
Wobei man als Kenner der Comic-Vorlage selbstverständlich von Anfang an weiß, welcher Bösewicht da eigentlich im Hintergrund aufgebaut wird – und für Neueinsteiger wird die Bombe ja auch noch spätestens in der Post Credit Scene zum Platzen gebracht. War jedenfalls eine nette Neuinterpretation besagter Figur.

Apropos Neuinterpretationen: Es gab ja im Vorfeld die üblichen Whitewashing-Krakeelereien, die nach Rezeption des Films keinen Bestand mehr haben sollten. Generell sollte das ein Film für die Generation Social Justice sein.
Für ´nen amerikanischen Film isses jedenfalls nicht übel, unter den wichtigsten Rollen ´nen Behinderten, ´ne glatzköpfige Frau, ´nen Afroamerikaner, ´nen Chinesen, ´nen Dänen mit Hautproblemen sowie sogar jemand aus der Dark Dimension und ´nen Asgardier am Start zu haben. Also kein Grund zum Rumheulen.

In Sachen Marvel-Kosmos-Erweiterung macht der Film einige echt beträchtliche Fässer auf. Da anscheinend sonst eh kaum jemand wirklich Marvel-Comics liest, lass ich mal das Rumgenerde. Nur so viel: Doctor Strange hat von allen bisherigen MCU-Sachen bisher die größten Schritte gemacht. Nicht durch das Einbinden von Magie, sondern durch Themen wie Zeitmanipulation, das Multiversum und vor allem das Anteasern der Cosmic Beings. Das sind die obersten Götter bei Marvel. Daher ist davon auszugehen, dass der Film die Türen maßgeblich für all das öffnet, was uns nach der ganzen Infinity Stone/Thanos-Nummer erwartet.

Zum Look: Wieder sehr eigen und mühevoll inszeniert. Schön, dass man im MCU immer wieder versucht, neue Wege und Stile einzuschlagen und sich nicht z.B. auf der Iron Man-Formel ausruht. Zu den trippy Realitätsverzerr-Szenen braucht man rein optisch eigentlich nix mehr zu sagen. Die sind cool, aber die kennt man ja eh spätestens aus’m Trailer. Das eigentlich Interessante an dem Zeug ist aber Folgendes:
Wir sitzen grad in ´ner Phase des Mediums Film fest, wo man prinzipiell alles per CGI darstellen kann. Leider missbrauchen einige diese Macht und stellen auch wirklich ALLES dar. Es kommt zu ´nem kognitiven Overload, Reizüberflutung und letztlich spielt nix mehr eine Rolle. Scheiß doch drauf, dass ganze Städte pulverisiert werden, Tanklaster durch die Luft purzeln, und gigantische Aliens am Himmel erscheinen. Hat man alles schon zu Genüge gehabt.
Aber Doctor Strange geht ein paar Schritte weiter und ruht sich nicht auf den reinen Visuals aus, sondern kreiert verdammt smarte Actionsequenzen, die durch einige Details wirklich ernsthaft revolutionär sind. Beispiel: Was passiert, wenn man die übliche Zerstörungsorgie durch den Faktor Zeitmanipulation ergänzt?
Aber allen voran: Die Figuren interagieren mit ihrer Umgebung. Da kann noch so viel Realitäts-Scwimmschwumm-Humbug passieren, Häuser entfalten sich, Fassaden fallen in sich zusammen, Dimensionen all over the place – aber die Figuren stehen nicht nur banal vor ´nem Greenscrene, sondern sie sind betroffen von all dem Shizzle. Und das ist tatsächlich ernsthaftes Oscar-Material.

Final sei noch gesagt, dass ich mich drüber freue, dass Marvel mit seiner cheesy, aber smart-unterhaltsamen Reihe so erfolgreich ist. Vorbei die Tage, wo man noch bei ´nem Iron Man, Hulk oder Captain America mit lausigen drei anderen, versprenkelten Leuten im Kino saß und alle waren irgendwie Nerds. Jetzt ist selbst in Chemnitz so ´n Saal locker voll. Allerdings macht´s mir auch Angst, mittlerweile den üblichen Kinogänger-Durchschnitt um mich rum sitzen zu haben. Das MCU ist allerspätestens jetzt im Mainstream angekommen. Egal wie grotesk die Prämisse des Filme, egal wie nischig die Vorlage – jeder guckt sich das jetzt an. Und das ist verdammt gruselig! Vor allem, wenn dein Average Joe von nebenan versucht, seinem Kollegen zu erklären, wie das alles so funktioniert mit „Ansgard“, „Mordor“, den Infinity Steinen und „dem einen, den man schon mal in ´nem anderen Film gesehn hat, na, du weißt schon, der eine; man kennt den vom Sehn her.“

20.11.2016

Doppel-Review "Kubo and the two Strings" und "Findet Dorie"


Der große Animationsfilm-Showdown – Doppel-Review

Kubo vs. Findet Dorie!!!!


Studio Laika vs. Pixar – zwei der letzten ganz Großen. Zwei Animationsfilmstudios, die sich am ehesten noch gegen Trends behaupten und eigenen Ideen nachjagen können. Laika als eines der letzten Studios, das im ganz großen Stil auf Stop-Motion setzt versus Pixar, das es zwar mit Digitaltrick einfacher hat, weil man sozusagen auf einer Welle mitschwimmen kann – allerdings ist es auch Pixar, das diese Wellen überhaupt schlägt.

Zunächst zu Kubo (and the two Strings): Ein sehr ambitioniertes Projekt, das eine japanische Geschichte erzählt und dabei auch sehr japanisch rüberkommt. Kubo kann zaubern und steckt familiär in ´n paar echt prekären magischen Verstrickungen. Um aus der Nummer rauszukommen, begibt er sich auf ´ne Fetch-Quest. Teilweise sehr exotisch und gekoppelt an japanische Mythologie – aber dennoch international zugänglich, denn unterm Strich isses ´ne Geschichte, die sich auf sehr bodenständige Grundthematiken wie Familie, Vertrauen, Entwicklung und so was runterbrechen lässt. In der Hinsicht wirkt´s teilweise schon sehr disney-artig. Das ist aber durchaus okay. Wenn man sich so weit aus dem Fenster lehnt, wie´s Laika gern macht, muss man dem normalen und eher jüngeren Zuschauer ein paar Anker zuwerfen.
Trotz all der Exotik isses vielleicht sogar noch Laikas allgemein zugänglichster Film. Nicht so grotesk, fordernd, düster oder schrullig wie seine drei Vorgänger. Was nicht heißt, dass Kubo dadurch auch besser ist, oder dass er´s generell allen Zuschauern super leicht macht.

Unterm Strich war´s ein guter Film, aber leider auch nur das.
Dass der Film atemberaubend gemacht ist und die Stop-Motion-Technik mal wieder alles in den Schatten stellt, was man bisher gesehen hat, ist bei Laika eh Standard.
Schade find ich allerdings angesichts des immensen Aufwands, dass die Geschichte ´ne Spur zu banal geraten ist. Bei Paranorman, den ich wohl auf Platz 1 der Laika-Filme setzen würde, war das schon mein wesentlicher Kritikpunkt, der den Film von Perfektion getrennt hat. All die Kreativität im Detail, die zuweilen sogar erstaunlich subversive und mutige Story die interessanten Figuren … aber die Teile sitzen noch nicht perfekt aufeinander. Und Laika hätte diese finale Perfektion verdient.
Kubo war stattdessen wieder ein Stück weiter davon entfernt als Paranorman.
Das Pacing der ersten Hälfte des Films war zu lasch. Wenig Spannung, wenig Dynamik. Die zweite Hälfte legt dann einige Schippen drauf und zur Halbzeit wird man mit einer Wahnsinns-Kampfszene auf einem Schiff belohnt, die allein schon den restlichen Film rechtfertigt. Drumrum gibt´s viel Standard. Schablonen-Figuren, blasse, eindimensionale Bösewichte, einen viel zu formelhaften Aufbau der Akte und eine Aneinanderreihung von Twists, die man leider zum Teil schon im Trailer gerochen hat. Dennoch ist die Schlussnote des Films mutig und hätte weitaus dümmer und gefälliger gestaltet werden können. Aber der Weg bis zu Ende hätte mehr Melodie vertragen können. Mehr pfiffige Skript-Zauberei. Mehr als nur eine Fetch-Quest wie aus einem 80er-Jahre-Japano-RPG („Hey Kubo, verbring doch mal 80 % des Films damit, drei magische Rüstungsgegenstände zu finden.“). Mehr schlaue Verbindungen zwischen A und B als einfach nur Zauberei als immer wieder wirksamen Allzweckkleber zwischen die Szenen zu klatschen (Frag nicht, Kubo. Das ist halt Magie!“). Vielleicht noch ein paar Subplot-Bögen, ein paar mehr Pay-Offs. Die kleinen Schnörkel hier und da, die eine Geschichte außergewöhnlich und unvergesslich machen. Davon bitte beim hoffentlich nächsten Laika-Film mehr.

Zu Findet Dorie:
Ein sehr guter Film!
Und ja, tatsächlich vielleicht der am besten geschriebene Film des Jahres.
Da ich als Comicautor wahrscheinlich mehr auf Skripte achte als z.B. auf oberflächliche Schauwerte muss ich echt sagen, dass hier Pixar endlich mal wieder seine größte Stärke ausspielt: Verdammt gutes Storytelling.
Nach ein paar schwächeren Nummern (Merida, die Monster Uni und Arlo & Spot waren zu banal; Inside Out hat sein enormes narratives Potenzial nicht ausreichend abgeschöpft) hat man sich hier mal wieder heftigst rein ge-think-tankt und den Redaktionsraum anscheinend erst verlassen, als jedes Inhalts-Kieselsteinchen durch den Ideenstrom rund geschliffen war.
All das, was ich an Kubo als Kritik anbringen musste, macht Dorie genau richtig. Von der ersten Sekunde an erstellt der Film ein erstaunlich komplexes Gebilde aus meeresbiologischen Gesetzmäßigkeiten, Charaktereigenschaften von Haupt- und Nebenfiguren, Story-Feinheiten, Zeitebenen und sogar geographischen bzw. lokalen Gegebenheiten (mit Letzterem mein ich vor allem, dass viel damit gearbeitet wird, wie das Hauptsetting des Films sowie die direkte Umgebung genutzt wird, um Figuren in mehreren Gruppierungen von A nach B nach C usw. zu bringen). Und jeder auch noch so kleine Aspekt bekommt sein Pay-off. Und zwar schlaues Pay-off. Auf alle Details kann ich unmöglich eingehen, aber kurz gesagt: Keine Information wird verschwendet. So fühlt sich jeder Erfolg der Helden, jeder Gag, jeder Twist verdient an.
Wird ein Problem gelöst, dann weil man auf vorher Gelerntes zurückgreifen konnte.

Gags. Wie oft beschwer ich mich über das mittlerweile leider gängige Verständnis von Humor. Der desolate Zustand aktuell zeigt ja, dass die beliebtesten „Gags“ die sind, wo jemand was sagt und jemand anders darauf mit einem ulkigen, weil z.B. genervten Blick reagiert. Witze werden nicht mehr aufgebaut, haben keinen Mittelteil und keine durchdachte Pointe mehr. Stattdessen reicht es z.B. „Banana“ zu sagen, sich das Knie zu stoßen oder ein lustiges Pupsgeräusch zu machen. Dorie geht auch da den umständlichen Weg. Pay-off! Die Nemo-Filme wollen gar nicht primär lustig sein, was gut ist. Das sind erstaunlich fordernde, dramatische Stoffe, die aber nebenbei zuweilen witzig sind, weil sie sich ihren Humor gescheit erarbeiten. Klar stößt sich auch hier mal jemand den Kopf, oder ein Schwarm Möwen sagt lustig „meins“ und dann gibt´s da noch ein paar behinderte Tiere, die lustig gucken. Aber die sind noch nicht allein der Witz und dadurch peinlich, sondern sie sind Teile von größeren Zusammenhängen und dadurch vollwertige Puzzlestücke des narrativen Gesamtbilds. Keine Information wird verschwendet. Die Möwen erfüllen ihren Zweck, die behinderte Robbe und der behinderte Wasservogel mit den roten Augen erfüllen ihren Zweck.

Oberflächlich betrachtet isses ´ne drollige, leicht zugängliche Geschichte über Fische, die sich gegenseitig suchen und dabei auf lustige Figuren treffen und Action-reich Hindernisse überwinden. Im Detail ist das eine superkomplizierte Symphonie. Perfekt durchkomponiert.
Meine größte Angst war, dass Dorie keinen eigenen Film tragen kann. Teil 1 hatte mit den beiden Clownfischen zwei jeweils für sich genommen ausreichend starke Figuren, die beide viel Entwicklungspotenzial hatten und jeweils am Ende einen weiten Weg hinter sich bringen konnten – im mehrfachen Sinne.
Doch Dorie hat ja kaum Gedächtnisleistung. Wozu das also alles? Wenn sie sich zwischenzeitlich entwickeln sollte, vergisst sie´s doch eh wieder?
Und genau da setzt die eigentliche Kerngenialität des Films an. Man hat sich dieser extrem harten Herausforderung gestellt und sozusagen unter den Voraussetzungen eines Memento die Story gerockt. Dorie hat von allen Behinderten im Film (und ich betone dies, da Behinderungen ein Kernthema der Nemo-Filme sind) wahrscheinlich das größte Handycap – und wuselt sich doch bravourös durch. Sowie sich die Autoren bravourös durchwuseln. Kein einfach gestrickter Mary Sue-Charakter. Kein magischer Kompass, der immer den richtigen Weg weist. Ihr macht euch vielleicht gar keine Vorstellung davon, wie schwer so was zu schreiben ist.


Und noch was zum Vergleich mit Teil 1:
Dorie bildet eine sehr sinnvolle Fortsetzung. Die Hauptmotivation der Helden ist in beiden Filmen sehr ähnlich. Es geht drum, Familie wiederzufinden. Dabei einen Weg zurückzulegen und Hindernisse zu meistern. Das Setting bleibt vergleichbar, es gibt wie gehabt viele drollige, interessante Nebenfiguren.
Aber die beiden Filme können wunderbar koexistieren.
Es stimmt nämlich gar nicht, dass eine perfekte Fortsetzung den Vorgängerfilm in allen Belangen toppen muss. Wenn das passiert, wird der Vorgänger obsolet.
Stattdessen muss eine gute Fortsetzung dem Vorgänger einen gewissen Raum überlassen und sich neuen Raum erschließen.
Findet Nemo behält seinen Schwerpunkt auf der Reise bis zum Ziel, Findet Dorie überspringt den Part, verbringt dafür viel mehr Zeit am Zielpunkt.
Findet Nemo hatte seinen eigenen Pool an Figuren. Findet Dorie greift auf einige der Figuren zurück, stellt aber seinen eigenen, gleichwertigen Pool zusammen.
Zudem überlassen die beiden Clownsfische Dorie (sowie ihrem neusten Sidekick) im zweiten Teil ganz klar das Scheinwerferlicht.
Und als Bonus führt Teil 2 sogar in der Schlussszene (nach den Credits) einen Storystrang aus Teil 1 fort, mit dem man schon gar nicht mehr gerechnet hatte.

Bravo!

Jetzt muss ich noch Moana angucken, um zu urteilen, welcher der Animationsfilm des Jahres wird, aber ich denk, Disney macht sich´s mal wieder mit dem eigenen Tochterstudio selber schwer.

23.05.2016

Kinderschminken in Warmbad/Erzgebirge

Oh, der feine Herr Künstler mit seinem Master-Abschluss und seiner Max-und-Moritz-Preis-Nominierung macht jetzt Kinderschminken auf irgendwelchen Dorffesten im Erzgebirge ...




Aber ich denk, es war nur ein flüchtiger Ausflug ins Metier, vor dem ich jetzt aber großen Respekt hab.
Hier meine Nichte als Eishexe. Leider post-Schokoeis und Spaß im Wassertretbecken, was einen Teil des Makeups schon wieder ruiniert hat.
"Onkel, kannst du mir da im Computer noch so Eismagie an die Hand ranmachen, damit das aussieht, wie wenn Elsa zaubert?"
Die Antwort ist Nein.

19.05.2016

Film-Review: 10 Cloverfield Lane



10 Cloverfield Lane - ´ne kleine bescheidene Review

Für die, die nach dem ersten Satz nicht weiter lesen, aber die Kernaussage wissen wollen: Guter Film, guckt den an.

Etwas ausführlicher und Spoiler-frei:
Ich bin ja der eine Mensch auf der Welt, der den ersten Cloverfield für´n Meisterwerk hält. Aus den in der Regel falschen Gründen finden den erstaunlich viele Leute nicht gut. Da wird sich über so was wie das Monsterdesign beschwert, um was es überhaupt nicht geht oder die Found Footage-Machart, ohne die es wiederum aber nicht funktionieren würde, weil sie essenzieller Bestandteil der Ide ist. Anders gesagt: Der erste Cloverfield ist ein künstlerisches Gesamtkonzept. Eine prinzipiell schlichte Idee (ein Kaiju-Monsterfilm aus der Sicht von ganz normalen Leuten), die gnadenlos konsequent durchgezogen wurde und daher meinen aufrichtigen Respekt verdient.
Die meisten Kritiker hätten sich wohl aber lieber so was wie Transformers gewünscht. Immer schön mit der geilen Kamerafahrt voll aufs coole Monster, ein kerniger Held und ´ne geile Ische, die das Auto des Helden wäscht. Halt was, das man direkt nach´m Gucken wieder vergisst.

Nun stand die Frage im Raum, ob der geistige Nachfolger wirklich ein richtiges Sequel ist, oder ob da nur der Titel im Nachhinein draufgeklatscht wurde, um zwei, drei Dollar mehr an den Kinokassen zu machen.
Und ja, doch, es ist ein Cloverfield-Film. Irgendwie auf alle Fälle. Ohne näher drauf einzugehen, wieso.
Der Film erlaubt sich sogar beim Titel kurz nur "Cloverfield" hinzuschreiben, bevor der Zusatz hinzuploppt.

Und auf einmal finden´s alle gut!

Jetzt wirken beide Filme von Weitem sehr unterschiedlich: Riesiges Monster greift New York an vs. Frau wird nach Autounfall im Keller eines vermeintlich Verrückten eingesperrt.
Und dennoch spiegeln sich die Filme in vielerlei Hinsicht. Das Pacing folgt den gleichen Regeln, die Themen, die in den Raum geworfen werden, weisen Parallelen auf. Und immer wieder die Frage, welchen Bestand haben (vermeintlich?) kleine menschliche Probleme angesichts einer größeren (vermeintlichen?) Katastrophe. Es geht um die minutiöse Erörterung eines Puzzlestücks, das noch gar nicht weiß, zu welchem Gesamtpuzzle es gehört. Aber dadurch, dass wir das eine Puzzlestück am Ende so gut kennen, verstehen wir auch das Gesamtpuzzle besser. Das Gesamtpuzzle, das wir sonst vielleicht mit´m Arsch nich angeguckt hätten, weil´s irgend so ´n kitschiges Motiv mit ´ner Katze und Goldfischen ist. Ein Puzzleteil ringt uns die Empathien und Emotionalität ab, damit uns der ganze übergeordnete Kram überhaupt erst interessiert. Darum geht´s bei den Cloverfield-Filmen, nicht um Godzillas, Autobots und darum, wie sexy der weibliche Sidekick am Lollipop lutscht.

Zum Film an sich kann ich aufgrund des Spoiler-Problems inhaltlich gar nicht viel weiter sagen. Zum Pacing aber schon: Es gibt in der ersten Hälfte bewusst ´ne etwas zähe Länge (Spiegelung der Partyszene im "ersten Teil"). Die macht aber rückwirkend betrachtet Sinn.
Was der Film nämlich hervorragend macht, ist das Katalysieren der Spannung. Er steigert sich mächtig rein, was man auch bei den (leider recht wenigen) anderen Kinobesuchern gut ablesen konnte, die zum Schluss extreme Reaktionen abfeuerten.
Excitation-Transfer! Eine meiner Lieblings-Theorien der Medienwissenschaften.
Sie besagt - einfach zusammengefasst -, dass wir beim Filmgucken emotionale Erregung speichern und mitschleppen, wenn wir zwischendurch nicht die Gelegenheit bekommen, sie abzubauen. Und wenn auf diese Art viel Erregung gesammelt wird, platzt sie beim Entladen wie ein großer Emotionsballon.
Und die Art der Erregung ist egal!
Das kann ´ne sexuelle Spannung sein, aber auch was Lustiges oder was Trauriges. Unser Körper ist noch beeinflusst, steht unter Spannung, schüttet Hormone aus und wir lachen z.B. noch über den Witz von eben und konnten uns noch gar nicht so richtig beruhigen, da knallt uns der Film auf einmal einen schlimmen Schreckmoment vorn Latz und unser Schreck ist umso doller, weil wir noch vom Lachen erregt waren.

Und genau das macht der Film im finalen Akt ganz hervorragend. Wir dürfen uns nicht entspannen und der Ballon füllt und füllt sich mit Emotion. Bis am Ende endlich die Nadel in den Ballon gestochen wird.

Ja, angucken.

09.05.2016

Fazit: fünfter deutscher Shounen Manga Workshop in Melle

Da isser schon vorbei der fünfte offizielle deutsche Shounen Workshop.

Eine kurze Bestandaufnahme:
Stattgefunden hat er dieses Mal wieder beim Hugi, der – obwohl er nicht umzieht, jedes Jahr in einem anderen Ort wohnt. Vielleicht weil er sich schämt, dass seine Heimat Föckinghausen heißt, was biss´l schlüpfrig klingt.
Aber Niedersachsen is schon lächerlich schön und Hugi wohnt in ´ner Reichengegend.
Wir hatten den neuen Hund dabei, der erst mal den Reichen richtig schmackig die Koniferen vollgepullert hat.
Generell war Hugi trotz der Rostock-Sache ganz okay drauf. Natürlich lag das trotzdem wie ein dunkler Schatten über dem Treffen, aber was soll´s. Was geschehen ist, ist geschehen.

Twistiger Weise haben wir für ´nen Comic-Workshop dieses Mal nich so viel Comic produziert, aber die Idee hinter den Workshops war eh von Anfang an, dass jeder Teilnehmer – ob Zeichner oder Konsultant – auch artverwandte Projekte in den Raum werfen kann.
So haben wir dieses Mal unter anderem über ein 16-Bit-RPG-Comicszene-Convention-Videospiel von Stephan Scholz nachgedacht, an ´nem Zombie-Kartenspiel von Michel Wild konzeptioniert, aber allen voran wie so ´n paar abgestochene Trüffelschweine einen Nerd Ship-Podcast nach dem anderen aufgenommen.
13 Folgen an einem verlängerten Wochenende! Demnächst also jeden Mittwoch wieder regelmäßig neue Episoden auf Hugis YouTube-Kanal. Themen sind unter anderem: alte Videospiel-Magazine für Sega und Nintendo, Gravity Falls, Death Note, britische Comedy-Serien oder Spielzeug aus unserer Kindheit.

Wir ham uns teilweise ganz schön in Rage gequasselt – vor allem, was eine bestimmte Szene aus der Serie Spaced anbelangt. Aber war gut! Ich musste ständig Tee süffeln, weil mein Hals immer wieder am Kippen war. Kurz vor der Seitenstrangangina, aber immer voll dabei. Das is, glaub ich, auch das neue Motto des Podcasts.

Zwischendurch hab ich auch gezeichnet. An ´nem Entoman-Comic mit Dimensionsreisen. Demnächst setz ich die Geschichte vielleicht noch fort. Is wahrscheinlich sogar ganz gut.

Mehr Zeit als am Zeichenbrett hab ich aber wieder in der Küche verbracht, weil ich für die siebenköpfige Raupe Nimmersatt ständig am Kochen bin.
Es gab unter anderen
- Quarkkeulchen mit Vanilleeis, roter Grütze oder Apfelmus
- Weltmeisterbrötchen mit Remoulade, Paprika, Käse, Hähnchenschinken und gekochtem Ei
- Spätzle (hat Jochen vorbereitet) mit Hackfleisch-Pilzrahm-Jägersoße
- Spaghetti Bolognese mit Gewürzgurke (in Kooperation mit Hugi)
- Setzei mit Jagdwurst und Champignons sowie zerlassenen Käsestreifen auf Buttertoast
- Pangasius- oder Hähnchen-Senf-Curry-Ratatouille-Auflauf mit Tomaten-Curry-Sahne-Bandnudeln – natürlich alles mit viel Käse-Überbackungs-Zwischenetagen
- Bauernfrühstück (Setzei mit Bratkartoffeln und Gefügelmortadella)

Alles selbstgemacht, alles frisch zubereitet, damit niemand an dem ungesunden Zeug stirbt, was zwischen den Mahlzeiten gefressen wird.

Und wir waren jeden Tag ausflügern.
Einmal haben wir im Wildgehege kämpfende Wildschweine gesehen und einmal wollte mich eine Wildsau sogar verspeisen oder zumindest verscheuchen. Spannend! Da wär ich fast getötet worden. Aber die Sau hat meine Ehre des Waldes erkannt und mich verschont. Dieses Mal zumindest …
Und Hugi hat uns seinen Arbeitsplatz gezeigt und ´ne Führung gemacht. Im Klärwerk, was sehr interessant und erstaunlich komplex war. Ich seh Fäkalien jetzt mit anderen Augen und der Hugi hat verboten weitreichendes mechanisches, chemisches und biologisches Wissen, von dem er nur nie erzählt. Ich hoff, er nutzt es nie zum Bösen, sondern stets nur, um Grundwasser aufzubereiten und Klärbrühe vom Phosphat zu lösen.
For a better planet! Und allgemein besseren Geruch.


Schön war´s. Im Oktober geht´s weiter.

Einmal hätten wir sogar fast mit coolen Party-Kids in der Garage gefeiert.
Fast!

23.04.2016

Kino-Review: Zoomania bzw. Zootopia



Zoomania bzw. Zootopia. Beim zweiten Anlauf hat´s geklappt. Nachdem wir letzte Woche aufgrund eines zu hyperaktiven Kinderpublikaum das Kino verlassen mussten, ham’wer´s dieses Mal eiskalt durchgezogen.

Und statt einer üblichen Filmreview würde es sich schon eher anbieten, eine gonzo-jounalistische Sozialstudie zu schreiben. In dem von Tieren getragenen Film mögen ja Affen unterrepräsentiert gewesen sein, das Publikum hat´s aber kompensiert.
Seit dem Emmerich-Film 2012 hab ich kein so dummes Publikum mehr erlebt. Da kann ja der Film nix für, außer, dass er mit dem (wie ich finde, sehr schwer erträglichen, aber umso hehypteren) Faultier-Trailer eine gewisse Klientel besonders ansprach. Aber ich komm leider nicht umhin, die fürchterlichen situativen Aspekte meiner Rezeption in die Wahrnehmung des Films einfließen zu lassen.
Und nein – es waren nicht wie befürchtet die zahlreichen kleinen Kinder im Publikum, die´s einem kaputt gequasselt haben. Es waren mitteljunge Leute, vielleicht schon – rechtlich gesehen – Erwachsene, für die die ganze Sache einfach eine Spur zu aufregend war. Eine sehr, sehr, sehr dumme junge Dame, die irgendwo hinter mir saß, war im Sekundentakt so geflasht vom Gesehenen, dass sie jede auch noch so kleine Information mit einem „Scheiiiiißeee!“ oder „Oh mein Gott!“ quittierte. Und zwischendurch wurde beschrieben, was sie visuell erfasst. „Rollstühle!“
(Szene im Schnee) „Scheiße! Das muss kalt sein!“
„Scheiiiißeee! Ein ganz kleines Auto! Oh Gott!“
„Mr. Big? Der wird richtig groß sein!“ Eisbären betreten den Raum. „Scheiße! Noch größer als Eisbären?! Oh Gott!“ Es stellt sich raus, dass Mr. Big – ironischerweise, haha! – eine Spitzmaus ist. Weil big im Kontrast zu klein steht. Haha! Zwei Sekunden Fassungslosigkeit. „SCHEIIIIIßE!!!!!!!“ Schallendes Gelächter. „OH GOTT! SCHEIßE!! Das hätt ich jetz’ nich gedacht! Jetz’ hamse mich erwischt! Oh Gott, is der klein! Scheiße! Geil! Richtig geil! Richtige Überraschung! Hätt ich nicht gedacht. Hätt – ich – NICHT – gedacht!“

Wenn man die Hauptvorstellungen von Fast and the Furious- oder Transformers-Filmen auslässt, ist man solche Publika einfach nicht gewohnt.

Aber zum Film:
Der is okay. Ich konnt nich viel damit anfangen. Das ist nicht das, was ihr hören wollt, weil absolut alle den abgöttisch lieben und genial finden, aber leider konnte der mir nix Besonderes bieten.
Ich könnt jetzt Floskeln raushauen wie:
Wahnsinn, was für ´ne geile Welt die geschaffen haben!
Oder: Die Animationen! Der Hammer!

Aber ganz ehrlich: Was will man denn heutzutage auch anderes von Pixar- und Disney-Animationsfilmen erwarten. Man kann diese Floskeln mittlerweile zu jedem dieser Filme bringen. Es würde auch immer stimmen und das ist auch großartig und soll keineswegs die großartigen, perfektionistischen Leistungen der vielen Leute, die das ermöglichen, schmälern.
Für mich bildet das aber nicht (oder nur äußerst selten) die Essenz des Films.

Auch die Figuren und der Humor blieben für mich eher uninteressant. Beides sehr altmodisch.

Was recht gut gelang, war die Rassismus-Parabel, in der Rassenbilder und Vorurteile der menschlichen Zivilisation auf die Gesellschaft der Säugetiere übertragen wurden. Für Große eine nette Analogie, aber für die kleinen Zuschauer ein angenehm fortschrittlicher und aktueller Kerngedanke.
Apropos kleine Zuschauer: Der Film ist doch deutlicher für ein Kinder-Publikum als ich zunächst dachte. Man hörte viel von Der Pate- und Breaking Bad-Anspielungen, aber so etwas macht einen Kinderfilm noch lange nicht gleichermaßen zum Erwachsenenfilm. Zumal die Anspielungen auch nicht besonders gelungen waren. Das hatten wir schon zu Animaniacs-Zeiten deutlich cleverer zu sehen bekommen.
Der Zugänglichkeit für die Kleinen zuliebe geriet leider auch der grundlegende Krimiplot sehr flach und einfach. Statt eines ausgefuchsten Intrigenspiels mit mehreren Ebenen, zahlreichen Verdächtigen, unvorhersehbaren Twists und komplexen Verstrickungen gibt´s ein beinahe schon lächerlich einfach geratenes Schnitzeljagd-Szenario. Geh zu Punkt A, finde Hinweis B, der führt dich zu C, welches einen Hinweis auf D liefert – und irgendwann kommt man bei F oder G raus. Den Twist haben selbst die Sechsjährigen im Publikum schon nach der Hälfte des Films gewittert. Schien denen aber auch Spaß gemacht zu haben, dass sie so einfach miträtseln konnten. Insofern geht das auch in Ordnung.

Also ein Kinderkrimi mit schön einfacher Moral.
Aufwändig präsentiert, mit netten kleinen Einfällen unterfüttert.

Allerdings brauch ich noch ein paar Tage, bis die Ausrufe „Scheiiiiißeee!“ und „Oh mein Gott!“ nicht mehr durch meine Synapsen spuken.

21.03.2016

Leipziger Buchmesse / Manga Comic Convention 2016 - das große Fazit und die Alki-Hugi-Story



Okay, ´n kurzer Abriss der Leipziger Buchmesse 2016. Bzw. der Manga Comic Convention.

Ich glaub, so sehr wie dieses Jahr hatte ich noch nie auf der LBM das Gefühl, alles bereits gesehen zu haben. Es war meine fünfzehnte LBM, dreizehnmal war ich als Künstler und/ oder Aussteller vertreten. Seit zwei Jahren haben wir mit Delfinium Prints nun auch ´nen "echten" Stand und sind nicht mehr einfach nur in der Mangameile. Da fehlt grad biss´l das nächste große Ziel, das man anpeilen kann.
Für nächstes Jahr wünsch ich mir daher einen Gemeinschaftsstand für DP zusammen mit irgendwelchen anderen coolen Leute. So dass wir insgesamt noch mehr Standfläche und noch mehr Stimmen für unsere A Capella-Band haben.

Unser Delfinium Prints-Stand mit Endboss Roy Seyfert an der Kasse und Marcel "The Schwede" Hugenschütt als Zeichnertölpel. Dazu Entoman und Kuh und echte Kundschaft.

Den Andrang empfand ich dieses Jahr erstmals überhaupt rückläufig. Kann sein, ich irre mich, aber die ohnehin schon Besucher-schwachen Tage Donnerstag und Sonntag erschienen dieses Mal noch eine Ecke ausgestorbener.

Der große Pluspunkt war zum fünfzehnten Mal in Folge, dass man auf der LBM absolut alle trifft - ob man will oder nicht. Aber man will ja eigentlich immer. Alles gute Leute. Und der Michl Wild.
Aber wen Hugi und ich ausgerechnet nicht getroffen haben, war unser geistiges und sexuelles Vorbild Heinz Strunk, der grad den größten Erfolg seiner Karriere feiert. Mit ´nem Buch über ´nen Nuttenmörder. Da könnt ihr schon ahnen, wo´s Hugi und mich demnächst auch hinzieht.
Das Nichttreffen von Heinz Strunk war der große Minuspunkt. Tatsächlich war das das erste Mal seit Akira Toriyama vor etwa zehn Jahren, dass ich einen Autoren auf der Messe mal wieder unbedingt treffen wollte. Komisch, oder? Heinzira Strunkiyama.

Krank bin ich schon wieder geworden! Überall Bazillen und Fraggles! Das ging spätestens am Donnerstagabend los, wo Hugi und ich die Quoten-Mangokos waren beim Zeichner-Jam des Kotburschi Kollektivs. Ein erquickender Abend. Nur leider der Beweis, dass Kollege Hugi nach sechs Flaschen Bier zu nix mehr zu gebrauchen war. Selbst ein nächtlicher Paar-Kilometer-Spaziergang auf der Suche nach dem richtigen Weg zur Unterkunft hat den 3-Meter-Hünen mit der Leber eines Spatzes nicht ernüchtert. Drum blieb er am Folgemorgen einfach leblos liegen, während der Verlagsrest Messewerk zu verrichten hatte.
Blöd nur, dass Hugi Freitagnachmittag für ´ne Moderation einer Paneldiskussion eingeplant war.
Kurz bevor diese losging, stand der Haggi dann doch noch schwurbelnd und schwankend auf der Matte - in den versifften und verkotzten Klamotten des Vortags. Verschnoddert wie ein Eimer Affenköddel, aber immerhin mit Tee und Zwieback im Bauch.
Hat aber zum Glück niemand gemerkt, dass er noch verkatert war. Nur Doujinshipreisträgerin Nana Yaa Kyere (Glückwunsch!) hat Lunte gerochen, weil sie so ´ne Art Spinnensinn für alkoholisierte Schweden hat. Erst Recht, wenn diese in Form von Moderatoren ihr bei ´ner Paneldiskussion in sich zusammengesunken gegenüber sitzen und vor sich hin dünsten.

Und Nerd Ship Podcasts mit vielen Spontangästen (z.B. den Kollegen Gina Wetzel, Melanie Schober, Marvin Clifford und Isabel Kreitz’ linkem Arm (lange Geschichte))  ham´wer aufgenommen.

Und dann hab ich noch sexy Fotos von mir als Sans aus Undertale machen lassen. Die komplette Story demnächst.




06.02.2016

Review: The Revenant



Review zu The Revenant.

Nach Birdman aus dem Vorjahr hat sich Alejandro González Iñárritu den nächsten monströsen Eintrag in die Filmgeschichte gesichert. Es ist, als hätte der Regisseur keine Lust auf Banalitäten; jedes Werk muss sitzen. Daher würde es mich auch gar nicht wundern, wenn er zweimal n Folge ´nen Regie-Oscar bekäme.

Direkt ´ne Kritik hab ich nicht, außer dass der letzte Akt vielleicht biss´l lang wirkt, weil man das Gefühl hat, das Wesentliche is bereits erzählt. Aber es sei mal wieder angemerkt, dass Iñárritus Filme weniger dazu dienen, eine Geschichte von A nach B zu erzählen, sondern vielmehr eine cineastische Wundertüte sind – voller handwerklicher Zaubertricks, prägnanter Szenen und halt Extraportionen genereller Kinomagie. Im Gegensatz zum fast kompletten Rest Hollywoods geht´s dem Mexikaner sehr wohl darum, immer wieder das Rad neu zu erfinden und das Medium aufs nächste Level zu hieven, indem er alle Teilaspekte an die Grenzen treibt.
Wie schon in Birdman müssen hier daher sowohl die Schauspieler als auch der Teil der Crew, der hinter der Kamera agiert, alles aus sich rausholen und Blut und Wasser schwitzen. Und selbst, wenn man wenig Ahnung davon hat, wie ein Kinofilm funktioniert, sollte man das merken. Und was in Birdman bereits perfektioniert wurde mit den ewig langen Takes ohne Schnitt und mit Schauspielern und Kameraleuten, die all ihre Limit Breaks verbraucht haben dürften, um die Szenen zu meistern, wird im Revenant sogar noch mal mit ´nem neuen Dreh fortgeführt. Jetzt gibt´s ewig lange, nervenaufreibende Takes in der Wildnis und mit viel mehr kniffligen Faktoren.
In der Hinsicht kommt Iñárritu fast schon seinem Landsmann Alfonso Cuarón in die Quere, der mit Children of Men die All-Time-Bestmarke für höllisch komplizierte One-Shots hält.

Also wer viel staunen möchte, sich bestenfalls für das Medium auf ´ner handwerklichen Ebene interessiert oder zumindest Bock auf grandiose Naturaufnahmen aus ´nem urigen, unerschlossenen Fleck Amerikas hat, den man so vielleicht noch nicht kennt, der muss sich den Film eh angucken.
Alle anderen bekommen eine spannende, Kräfte zehrende Western-Geschichte mit etlichen heftigen und spannenden Highlights (wie z.B. der Indianerschlacht direkt zu Beginn).

Die Geschichte vom Trapper, der im 19. Jahrhundert vom Bären angefallen wurde und sich schwer verletzt bis in die weit entfernte nächste Stadt robbte, basiert ja auf wahren Begebenheiten und ich kannte die in ´ner sehr basalen Form seit meiner Kindheit. The Revenant greift die Tatsachen zwar auf, aber man merkt schon die recht freie Interpretation zugunsten einer filmischeren Erzählweise. Da kommen einfach zu viele Sachen zusammen, die der Film teilweise noch nicht mal zwingend bräuchte, aber sei´s drum.
Und die Figur von Tom Hardy wird zu ´nem sehr guten Bösewicht ausgebaut.
Sowieso festigt Hardy seinen Platz als einer der gigantischsten Schauspieler des aktuellen Jahrtausends. Aber der Typ macht mir auch ernsthaft Angst; der is in echt gar nich so viel anders als die kaputten Rollen, in die er schlüpft.

Was den überfälligen Oscar für DiCaprio anbelangt: Muss nicht unbedingt für ausgerechnet den Film sein. Die Leistung war beeindruckend, aber eher auf einer Dschungelcamp-Ebene. Im Gegensatz zu Hardy geht´s bei seiner Figur weniger um die mimetische Kernkompetenz einer Figur mit einfachsten Mitteln Seele einzuhauchen, als viel mehr darum, krasses Zeug vor der Kamera zu machen und zu leiden.

Ja, guckt euch den Film an.