Review zu The Revenant.
Nach Birdman
aus dem Vorjahr hat sich Alejandro González Iñárritu den
nächsten monströsen Eintrag in die Filmgeschichte gesichert. Es ist, als hätte
der Regisseur keine Lust auf Banalitäten; jedes Werk muss sitzen. Daher würde
es mich auch gar nicht wundern, wenn er zweimal n Folge ´nen Regie-Oscar
bekäme.
Direkt ´ne Kritik hab ich nicht, außer dass der letzte Akt vielleicht biss´l
lang wirkt, weil man das Gefühl hat, das Wesentliche is bereits erzählt. Aber
es sei mal wieder angemerkt, dass Iñárritus Filme weniger dazu dienen, eine
Geschichte von A nach B zu erzählen, sondern vielmehr eine cineastische
Wundertüte sind – voller handwerklicher Zaubertricks, prägnanter Szenen und
halt Extraportionen genereller Kinomagie. Im Gegensatz zum fast kompletten Rest
Hollywoods geht´s dem Mexikaner sehr wohl darum, immer wieder das Rad neu zu
erfinden und das Medium aufs nächste Level zu hieven, indem er alle Teilaspekte
an die Grenzen treibt.
Wie schon in Birdman müssen hier daher sowohl die Schauspieler als auch der
Teil der Crew, der hinter der Kamera agiert, alles aus sich rausholen und Blut
und Wasser schwitzen. Und selbst, wenn man wenig Ahnung davon hat, wie ein
Kinofilm funktioniert, sollte man das merken. Und was in Birdman bereits perfektioniert
wurde mit den ewig langen Takes ohne Schnitt und mit Schauspielern und
Kameraleuten, die all ihre Limit Breaks verbraucht haben dürften, um die Szenen
zu meistern, wird im Revenant sogar noch mal mit ´nem
neuen Dreh fortgeführt. Jetzt gibt´s ewig lange, nervenaufreibende Takes in der
Wildnis und mit viel mehr kniffligen Faktoren.
In der Hinsicht kommt Iñárritu fast schon seinem Landsmann Alfonso Cuarón in die
Quere, der mit Children of Men die All-Time-Bestmarke für höllisch
komplizierte One-Shots hält.
Also wer viel staunen möchte, sich bestenfalls für das Medium auf ´ner
handwerklichen Ebene interessiert oder zumindest Bock auf grandiose
Naturaufnahmen aus ´nem urigen, unerschlossenen Fleck Amerikas hat, den man so
vielleicht noch nicht kennt, der muss sich den Film eh angucken.
Alle anderen bekommen eine spannende, Kräfte zehrende Western-Geschichte mit
etlichen heftigen und spannenden Highlights (wie z.B. der Indianerschlacht
direkt zu Beginn).
Die Geschichte vom Trapper, der im 19. Jahrhundert vom Bären angefallen wurde
und sich schwer verletzt bis in die weit entfernte nächste Stadt robbte,
basiert ja auf wahren Begebenheiten und ich kannte die in ´ner sehr basalen
Form seit meiner Kindheit. The Revenant greift die Tatsachen
zwar auf, aber man merkt schon die recht freie Interpretation zugunsten einer
filmischeren Erzählweise. Da kommen einfach zu viele Sachen zusammen, die der
Film teilweise noch nicht mal zwingend bräuchte, aber sei´s drum.
Und die Figur von Tom Hardy wird zu ´nem sehr guten Bösewicht ausgebaut.
Sowieso festigt Hardy seinen Platz als einer der gigantischsten Schauspieler
des aktuellen Jahrtausends. Aber der Typ macht mir auch ernsthaft Angst; der is
in echt gar nich so viel anders als die kaputten Rollen, in die er schlüpft.
Was den überfälligen Oscar für DiCaprio anbelangt: Muss nicht
unbedingt für ausgerechnet den Film sein. Die Leistung war beeindruckend, aber
eher auf einer Dschungelcamp-Ebene. Im Gegensatz zu Hardy geht´s bei seiner
Figur weniger um die mimetische Kernkompetenz einer Figur mit einfachsten Mitteln
Seele einzuhauchen, als viel mehr darum, krasses Zeug vor der Kamera zu machen
und zu leiden.
Ja, guckt euch den Film an.