Start | Über mich | Reviews | Japan-Reise 2015 (demnächst)
Posts mit dem Label Academy Awards werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Academy Awards werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

29.03.2017

Kino-Review: Elle von Paul Verhoeven

Kurz-Review zum neuen Paul Verhoeven-Film "Elle".

Der is zu lang!

Zunächst zieht der Film einen in seinen Bann, weil er´s schafft, eine Vergewaltigung und deren Folgen zu thematisieren und einen 27-fachen Massenmord in einem Nebenstorystrang zu verarbeiten und trotzdem sehr witzig zu sein. Vor allem Dank der großartigen Protagonistin Isabelle Huppert (Oscar-nominiert). Genre-mäßig auch kaum fassbar. Drama, Krimi, Komödie usw.

Doch irgendwann verliert der Film an Fokus und mäandert Szene um Szene nur noch rum.

Auf alle Fälle ein angenehm grotesker Gegenentwurf zum amerikanischen Kino, aber uneingeschränkt kann man den auf keinen Fall empfehlen.
Mich hat´s aber gefreut, ein Lebenszeichen von Paul Verhoeven zu sehen.

21.04.2016

Kino-Review: Raum bzw. Room



Erst war ich mega-glücklich, noch mal die Möglichkeit zu bekommen, Tommy Wiseaus „The Room“ auf der großen Leinwand genießen zu dürfen. Leinwand ist das einzige Medium, das würdig ist, dieses grandiose Epos zu präsentieren.
Dann war´s aber ein ganz anderer Room!

Nachdem der anfängliche Zorn über diesen Etikettenschwindel verraucht war und ich mich ganz auf die Geschichte einlassen konnte, war ich schnell besänftigt. Denn Raum ist ein guter Film.

Die Geschichte einer Frau, die seit sieben Jahren von einem Sexualstraftäter in einem Raum eingesperrt wird und seit fünf Jahren die Gesellschaft eines Sohnes genießt. Aus dessen Sicht wird die Story auch erzählt, was dem sehr unangenehmen Grundthema eine überraschend positive und lebensbejahende Note gibt.
Glücklicherweise liefern sowohl Brie Larson als Mutter als auch ihr kleiner Filmpartner Jacob Tremblay schauspielerisch ein gewaltiges Brett ab. Vor allem der Kleine, der den Film auch trägt, überzeugt so sehr, dass es mich umso trauriger stimmt, dass in Deutschland in der Regel nicht mal Mimen, die viermal so alt sind, auch nur halb so authentisch performen können.

Die große Stärke des Films resultiert aus den emotionalen Spitzen, die die beiden Protagonisten auf Tisch zaubern (in diesem Satz versteckt sich eine auf den Film bezogene Grammatik-Referenz). Wer endlich mal wieder etwas fühlen will, weil das moderne Hollywood-Blockbuster-Kino in den letzten Jahren jeden Rezeptor verödet hat, darf sich hier auf eine kleine Achterbahn freuen. Trotz Tragik des Grundthemas auch mit Schmunzlern.
War jedenfalls schön zu sehen, aber vor allem auch zu hören, was da das Kinopublikum um mich rum zusammen geschluchzt hat.

Also gebt so ´nem kleinen Film gerne mal ´ne Chance.
Und bevor ihr fragt: Nein, es kommen keine Hip-Hop-Autobots drin vor.

09.02.2016

Doppelreview: Ex Machina und der Marsianer



Ganz kurze Doppelreview.

Neulich konnte ich endlich mal zwei Science-Fiction-Filme nachholen, auf die ich mich im Kinojahr 2015 besonders gefreut habe, die ich aber aus verschiedenen Gründen nicht gucken konnte, als sie grad frisch am Start waren.
Die Rede ist von Ex Machina und dem Marsianer (bzw. The Martian).

Kurz und bündig: Beide Filme haben mir sehr gut gefallen.
Beide Filme sind sehr smart.
Beide Filme sind großartig besetzt.
Beide Filme schlagen auf eine sehr erfrischende und pfiffige Art mehr in die Science-Richtung aus als in die Fiction.

Und auch wenn die beiden Filme recht unterschiedlich wirken, so haben sie eine weitere ganz übergeordnete Gemeinsamkeit: gute Drehbücher!

Beide Filme sind nicht besonders Story- oder Highlight-orientiert. Was da passiert, bleibt – aufs Wesentliche runtergekürzt – überschaubar. Aber beide Filme sind dafür gefüllt mit Top-Schreibe, mit echtem Text, der mal so ganz und gar nicht dumm ist. Und wenn was in den letzten Jahren in Hollywood immer mehr auf der Strecke bleibt, dann sind´s richtig gut geschriebene Skripte.
Großartige medienethische, metaphysisch-philosophische, IT-theoretische Dialoge in Ex Machina, die mmit genau dem richtigen Maß an Menschelei und authentischem intersozialen Witz unterfüttert sind, um nicht wie prätentiöses existenzialistisches Rumgewichse daherzukommen (eine Falle, in die das Genre allzu oft stolpert. Es bleibt aber auch stets im richtigen Volumen awkward, so dass man auf der menschlichen Ebene nie zu sehr reingezogen wird. Es soll schon deutlich bleiben, dass die überschaubare Anzahl von Darstellern (etwa vier) weit weg von einem selbst ist. In verschiedenen Formen sind das halt keine echten Menschen im klassischeren Sinne.

Der Marsianer liefert einen herrlich authentisch-realistischen Optimismus und Spaß in seinen Dialogen. Langsam versteh ich auch besser, warum der Film bei den Golden Globes in der Komödien-Kategorie legitim untergebracht werden konnte.
Dennoch bleibt er ernst und geerdet (bzw. gemarst), wenn er es sein muss – aber eben auch immer im rcihtigen Rahmen. Und in diesem Falle durchaus so, dass der Zuschauer zum Connecten eingeladen wird. Denn hier hat er´s irgendwie sehr wohl mit Menschen wie dir und mir zu tun. Superschlaue Menschen mit Astrophysik- und Botanik-Skills, aber trotzdem Menschen, die nervige olle Disco-Mucke hören, kacken und Kartoffeln mit Ketschup essen.
Extreme Situation fernab der Erde und dennoch irgendwie down to earth.

Und siehe da! Beide haben auch ´ne Drehbuch-Oscar-Nominierung.
Ein weiterer Beleg dafür, dass das eigentlich die wichtigste Kategorie ist.


Beide Filme sollten den Kessel-Flug jedenfalls in weniger als zwölf Parsec schaffen, wenn ihr mich fragt. Allein das sollte schon ein Grund zum Angucken sein.

06.02.2016

Review: The Revenant



Review zu The Revenant.

Nach Birdman aus dem Vorjahr hat sich Alejandro González Iñárritu den nächsten monströsen Eintrag in die Filmgeschichte gesichert. Es ist, als hätte der Regisseur keine Lust auf Banalitäten; jedes Werk muss sitzen. Daher würde es mich auch gar nicht wundern, wenn er zweimal n Folge ´nen Regie-Oscar bekäme.

Direkt ´ne Kritik hab ich nicht, außer dass der letzte Akt vielleicht biss´l lang wirkt, weil man das Gefühl hat, das Wesentliche is bereits erzählt. Aber es sei mal wieder angemerkt, dass Iñárritus Filme weniger dazu dienen, eine Geschichte von A nach B zu erzählen, sondern vielmehr eine cineastische Wundertüte sind – voller handwerklicher Zaubertricks, prägnanter Szenen und halt Extraportionen genereller Kinomagie. Im Gegensatz zum fast kompletten Rest Hollywoods geht´s dem Mexikaner sehr wohl darum, immer wieder das Rad neu zu erfinden und das Medium aufs nächste Level zu hieven, indem er alle Teilaspekte an die Grenzen treibt.
Wie schon in Birdman müssen hier daher sowohl die Schauspieler als auch der Teil der Crew, der hinter der Kamera agiert, alles aus sich rausholen und Blut und Wasser schwitzen. Und selbst, wenn man wenig Ahnung davon hat, wie ein Kinofilm funktioniert, sollte man das merken. Und was in Birdman bereits perfektioniert wurde mit den ewig langen Takes ohne Schnitt und mit Schauspielern und Kameraleuten, die all ihre Limit Breaks verbraucht haben dürften, um die Szenen zu meistern, wird im Revenant sogar noch mal mit ´nem neuen Dreh fortgeführt. Jetzt gibt´s ewig lange, nervenaufreibende Takes in der Wildnis und mit viel mehr kniffligen Faktoren.
In der Hinsicht kommt Iñárritu fast schon seinem Landsmann Alfonso Cuarón in die Quere, der mit Children of Men die All-Time-Bestmarke für höllisch komplizierte One-Shots hält.

Also wer viel staunen möchte, sich bestenfalls für das Medium auf ´ner handwerklichen Ebene interessiert oder zumindest Bock auf grandiose Naturaufnahmen aus ´nem urigen, unerschlossenen Fleck Amerikas hat, den man so vielleicht noch nicht kennt, der muss sich den Film eh angucken.
Alle anderen bekommen eine spannende, Kräfte zehrende Western-Geschichte mit etlichen heftigen und spannenden Highlights (wie z.B. der Indianerschlacht direkt zu Beginn).

Die Geschichte vom Trapper, der im 19. Jahrhundert vom Bären angefallen wurde und sich schwer verletzt bis in die weit entfernte nächste Stadt robbte, basiert ja auf wahren Begebenheiten und ich kannte die in ´ner sehr basalen Form seit meiner Kindheit. The Revenant greift die Tatsachen zwar auf, aber man merkt schon die recht freie Interpretation zugunsten einer filmischeren Erzählweise. Da kommen einfach zu viele Sachen zusammen, die der Film teilweise noch nicht mal zwingend bräuchte, aber sei´s drum.
Und die Figur von Tom Hardy wird zu ´nem sehr guten Bösewicht ausgebaut.
Sowieso festigt Hardy seinen Platz als einer der gigantischsten Schauspieler des aktuellen Jahrtausends. Aber der Typ macht mir auch ernsthaft Angst; der is in echt gar nich so viel anders als die kaputten Rollen, in die er schlüpft.

Was den überfälligen Oscar für DiCaprio anbelangt: Muss nicht unbedingt für ausgerechnet den Film sein. Die Leistung war beeindruckend, aber eher auf einer Dschungelcamp-Ebene. Im Gegensatz zu Hardy geht´s bei seiner Figur weniger um die mimetische Kernkompetenz einer Figur mit einfachsten Mitteln Seele einzuhauchen, als viel mehr darum, krasses Zeug vor der Kamera zu machen und zu leiden.

Ja, guckt euch den Film an.