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07.05.2017

Kino-Review: Guardians of the Galaxy - Volume 2


Mal wieder ´ne Review.
In letzter Zeit komm ich nie dazu und meistens pack ich mein Review-Material dann einfach in Episoden vom Nerd Ship Podcast rein, wo ihr das ja einfach anhören könnt, wenn´s euch interessiert.

Aber heute mal ´ne Ausnahme, weil´s was Nicht-Vercastetes is: Guardians of the Galaxy – Volume 2

Sehr souveräner Film. Unterhaltend, inhaltlich ausreichend rund, bunt, laut, spaßig. Aber auch nich mehr als das.
Wir waren mit ´ner größeren Gruppe im Lichtspielhaus und durch die Bank weg haben alle von uns dem neusten Sprössling des Marvel Cinematic Universe ´ne solide 6 bis 7 von 10 gegeben.

Der erste Teil war damals ein erfrischender Eintrag ins Franchise und auch schon der rundeste Film des Jahres – aber eben auch das ultimative Auf-Nummer-Sicher-Werk. Jede Szene, jede Figur, jeder Gag, jeder eingesetzte Song wirkte, wie zuvor im Labor getestet und bis zur perfekten Markttauglichkeit verfeinert. Bei so viel Kalkül geht leider aber auch die nötige Originalität verloren, die man braucht, um zeitlose Klassiker zu schaffen.

Teil 2 hat´s da noch mal schwerer, da er sich zu sehr auf den erfolgreichen Erstling stützt und dadurch noch weniger riskiert. Alles fühlt sich so sehr nach dem Vorgänger an, dass die beiden Filme wahrscheinlich im Laufe der Jahre zu einer breiigen bunten Masse Jahrmarktszuckerwatte zerfließen.

Alles, was in Teil 1 funktioniert hat, gibt´s nun einfach noch mal. Wer nicht mehr braucht, geht gut unterhalten aus dem Sci-Fi-Klamauk raus.
Der Humor ist leider immer noch nicht ganz so fein geschrieben, wie ich mir das wünsche, sondern mehr auf eher einfach gehaltene Sitcom und schrullige Reaktionen ausgelegt. Wenn man´s ganz genau nimmt, basieren etwa 90 % der Gags darauf, dass sich im großen Universum die verschiedensten Völker treffen, deren Kulturen miteinander inkompatibel sind. Das mündet wiederum in eine Fehl-Kommunikation nach der anderen. Hauptcharakter Peter „Star-Lord“ Quill versteht z.B. selbst nach etwa zwei Jahrzehnten im All anscheinend immer noch nicht, dass die Aliens keine 80er-Jahre-Fernsehserien geschaut haben. Trotzdem gibt´s garantierte Lacher, wenn er was von „Cheers“ und „Knight Rider“ erzählt. Is okay.
Was aber wirklich immer gut funktioniert und mich erstaunlich gut abholt, sind Drax’ seltsame soziale Interaktionen, die immer völlig schief laufen, weil er keine Ironie versteht, aber mittlerweile einige neue Verhaltensweisen dazu lernt. Das macht ihn vielleicht sogar zum Star von Teil 2. Seine Gespräche mit Neuzugang Mantis über Hässlichkeit sind der am besten funktionierende Running Gag in Teil 2. Drollig!

Leider verlieren aber auch viele Figuren (inklusive Drax) mit eigentlich dramatischen und ernsten Backgrounds (für trashige Superhelden-Comic-Verhältnisse zumindest) ihr letztes bisschen Würde und Stolz, wenn sie nur noch von Gagszene zu Gagszene gereicht werden.
Unterm Strich macht das auch aus Volume 2 eine regelrechte Sci-Fi-Comedy. Ist aber auch okay, nur wird´s dadurch immer schwieriger, zu verdauen, dass die Filme mit dem lustigen sprechenden Waschbär und dem tanzenden Baum im selben Universum spielen wie die Daredevil-Serie, in der sich alle gegenseitig mit ihren Schuhen zu blutigen Klumpen schlagen und viel geweint wird.

Für die Nerds: Was das MCU-World-Building (oder Multiverse Building) anbelangt, werden viele Fässer aufgemacht. Celestials, Watcher, Adam Warlock, die Ur-Guardians aus den Comics, Verweise aufs Multiversum und weitere Cosmic Entities usw. Man darf allerdings bezweifeln, dass alles davon noch ´ne größere Rolle spielen wird. Muss es auch nicht, is aber netter Fanservice.

29.03.2017

Kino-Review: Elle von Paul Verhoeven

Kurz-Review zum neuen Paul Verhoeven-Film "Elle".

Der is zu lang!

Zunächst zieht der Film einen in seinen Bann, weil er´s schafft, eine Vergewaltigung und deren Folgen zu thematisieren und einen 27-fachen Massenmord in einem Nebenstorystrang zu verarbeiten und trotzdem sehr witzig zu sein. Vor allem Dank der großartigen Protagonistin Isabelle Huppert (Oscar-nominiert). Genre-mäßig auch kaum fassbar. Drama, Krimi, Komödie usw.

Doch irgendwann verliert der Film an Fokus und mäandert Szene um Szene nur noch rum.

Auf alle Fälle ein angenehm grotesker Gegenentwurf zum amerikanischen Kino, aber uneingeschränkt kann man den auf keinen Fall empfehlen.
Mich hat´s aber gefreut, ein Lebenszeichen von Paul Verhoeven zu sehen.

12.02.2017

Kino-Review: Rogue One - A Star Wars Story




So,
Neujahrsgrüße und so weiter.
Hab mich zwischen den Jahren im Intowebs rar gemacht; generell hab ich 2016 die Netzaktivitäten stark runter geschraubt, was sehr angenehm ist.
Aber ich bin noch ´ne Altlast von 2016 schuldig:
Eine Review zu Rogue One: A Star Wars Story

Es wird dazu heute (glaub ich) ´ne ausführliche Folge im Nerd Ship Podcast geben, in der wir über den Film reden, nachdem wir ihn alle gemeinsam in Osnabrück geschaut haben - und das ohne zwischen Kino und Aufnahme auch nur ein Wort drüber zu wechseln. Also eine völlig unverfälschte Meinung ohne Wikipedia, ohne andere Review-Einflüsse, ohne Hosen. Das wird ganz gut, also schaltet da mal rein.

Aber hier meine paar Kerngedanken:

Für Star Wars-Fans wie mich isses ´n ganz guter Film. Leute, die mit dem Franchise nicht viel am Hut haben oder vielleicht auch gar keinen anderen Teil der Reihe kennen, isses nix. Und ja, solche Leute gibt´s. Das konnte ich im Kino sogar live miterleben.
Rogue One ist kondensierter Fanservice. Er liefert den treuen Anhängern, die jeden Schnipsel kanonischer Information zu der Weltall-Oper inhalieren, neuen Stoff, der aber auch alt genug ist, weil´s bei Star Wars schließlich nie so richtig neu und progressiv sein darf.
Und als Fanservice ist die Nummer echt verdammt gut.

Look and Feel sind hervorragend eingefangen und die moderne Technik und die Möglichkeiten eines Paar-Hundert-Millionen-Disney-Budgets komplimentieren das, was wir seit dem Low-Budget-1977er-Erstling kennen und sehen wollen.
Alles wirkt so herrlich verbraucht und belebt. Nichts ist zu clean und genau dadurch wird auch eine nachvollziehbare Brücke geschlagen zwischen den sehr futuristischen Prequels und den altbackenen Originalfilmen. Man hat nun das Gefühl, die einstige Hochkultur musste durch den Jahrzehnte andauernden Krieg viele Federn lassen und die Gesellschaften der Sternensysteme wurden in eine hemdsärmeligere Ära zurück katapultiert, in der auf veraltete Technologie zurückgegriffen werden muss und in der man sich seine Städte und Raumschiffe aus Flickwerk zusammen klebt.
Von Anfang an hab ich mich in der ansonsten recht düsteren und abweisenden Welt wie zu Hause gefühlt.

Generell war das vielleicht der erste Film seit Episode VI, der nichts in die Formel implementiert hat, das einen zu sehr raus reißt. Aber so funktioniert sehr guter Fanservice ja. Man nimmt die bestehenden Versatzstücke, friemelt sie bestmöglich zusammen. Auch irgendwie Flickwerk.
Nur muss man sich da fragen, ob das für einen eigenständigen Film reicht, oder ob es nicht das Ziel eines letztlich doch auch in sich geschlossenen Werks sein muss, einen neuen Impuls zu setzen. Um nicht in den Annalen der Filmgeschichte als ein weiterer generischer Weihnachtsblockbuster zu verpuffen.
Man könnte ja nun diverse Sachen aufzählen, die der Film macht, die die anderen Filme nicht lieferten - doch dann kann man auf die beiden In-canon-Serien Star Wars: The Clone Wars und Star Wars Rebels verweisen, die in Sachen Krieg auch schon alles durch haben.

Ganz hervorragend fand ich aber nichtsdestotrotz den Aspekt Krieg.
Das fühlte sich zum ersten Mal nach dem lang versprochenen Krieg der Sterne an, in dem es um was geht. Ein richtiger "Kriegsfilm" ist es deswegen noch lange nicht. Das ist weder von der Härte eines Stalingrad, noch von der inszenatorischen Wucht eines Der Soldat James Ryan, noch von der erschütternden Fragilität und Indirektheit eines Die letzten Glühwürmchen. Aber im Kontext von Star Wars isses sehr gut und zumindest erstaunlich kompromisslos.
Auch wenn der Film laaange recht planlos vor sich hin dümpelt, wird man in der langen Endschlacht-Sequenz auf den Malediven vollkommen entlohnt.
Gut fand ich z.B., dass das nach den Prequels nun ein Film über weitgehend normale Leute war. Keine Flikflak-Jedis, keine unverwundbaren Action-Superhelden, keine Mary Sues. Zwar Soldaten, die zum Teil ein paar überpowerte Tricks auf Lager haben, aber niemand, der mal fix ´nen AT-AT wegfegt oder sich problemlos durch ´ne kleine Sturmtruppler-Armee schnetzelt. Und das braucht das Franchise. Das und noch mehr Lego!

Ja, aber die finale Schlacht - cool. Mit vielen echt großartigen Szenen. Vor allem das, was mit Vader kommt. Da kannste machen, wasde willst - da wirste wieder zum Vierjährigen.

Negativpunkte:
Auch wieder der Fanservice. Aber es geht. Einige Sachen sind echt zu aufgesetzt (z.B. die Cantina-Dudes, deren Auftritt eigentlich absolut keinen Sinn macht - egal).
Was mich primär gestört hat, war die Implementierung von Grand Moff Tarkin bzw. Sheriff Woody in der Rolle von Peter Cushing, der bereits vor Ewigkeiten gestorben ist. Da hinterlässt jemand ein schauspielerisches Erbe; jemand, dessen Profession es war, mimetisch und gestisch ein Gesamtkunstwerk zu hinterlassen ... Und Jahrzehnte später versucht man, daraus einen Algorithmus herzuleiten und die Kunst digital zu simulieren. So was macht mich traurig und ich wiederhole es: Dieses Schicksal soll Carrie Fisher bitte nicht ereilen.
Ist der zugehörige Schauspieler nicht mehr verfügbar, dann sind die Autoren gefragt, einen Weg aus der Besetzungsmisere zu schreiben. Nicht Photoshop und Aftereffects.
Zumal Tarkin nicht die essenzielle Figur ist, auf die wir alle warteten und zudem auch echt scheiße aussieht. Egal, wieviele krasse Texturen da drüber gelayert werden - das ist Mist. Wenn schon, dann weniger. Packt die Figur in ein schmeichelnderes Licht und zeigt sein Gesicht in Spiegelungen. Wie William Hurt als der War Doctor. Und lasst ihn nicht so albern rumzappeln und die Augen rumhuschen. Ja, fein, dass ihr das alles programmiert habt, aber es sieht scheiße aus. Macht das nicht, oder ihr kriegt Computerverbot!
CGI-Schauspieler gehen klar, wenn wenn einen echten Schauspieler digital verjüngt oder altern lässt - wie Robert Downey Jr in Captain America: Civil ͏War oder Brad Pitt in Der seltsame Fall des Benjamin Button. In beiden Fällen ist das wunderbar aufgegangen und hat die jeweiligen Filme bereichert. Auch nicht menschliche Figuren gehen zum Teil klar. der Life of Pi-Tiger oder Gollum z.B., wobei man auch bei denen viel gemacht hat, um die realistische Wirkung zu verstärken.

Anscheinend ist man im Jahr 2016 noch nicht so weit, wie man gerne wäre.
Man kann den krassesten Scheiß aus den Computern pressen, aber echtes Zeug ist immer noch besser.
Und an vielen anderen Stellen beweist das Rogue One zum Glück auch, wenn man wieder auf altmodische Sets, Animatronik und Modelle zurückgreift.

Der restliche Cast ist weitgehend Rotz und von Computerspielfiguren kaum zu unterscheiden.
Ich mochte den desertierten Piloten, der von Riz Ahmed gespielt wurde. Guter Typ, der mir vor allem in Nightcrawler auffiel und der sicher ´ne steile Karriere vor sich hat.
Der war aber auch so ziemlich der einzige im Cast, der ein authentisch wirkendes Wesen spielen durfte. Alle anderen waren zu eindimensional, weinerlich oder nervige One-Liner-Roboter, deren Gags auf einem uralten imperialen Fremdscham-Algorithmus aufbauten. Absolut niemand im Kino hat gelacht.

Kann man auf alle Fälle angucken.
Ein paar Logik-Löcher, ein paar arg zu kindergerechte Verkettungen von Ereignissen, damit´s die ganzen Vierjährigen verstehen. Aber hey! Das macht Star Wars ja auch aus.

Ich find übrigens, wenn man sich ein Best of Episode VII (vor allem die Charaktere) und Rogue One (vor allem das Ende) zusammen schraubt, hat man einen echt guten Film.

25.11.2016

Kino-Review: Doctor Strange



So, Doctor Strange.

Kann man auf alle Fälle gucken. Der Film war so ziemlich punktgenau das, was ich erwartet hatte.

Natürlich hat auch der neuste Eintrag ins Marvel Cinematic Universe die MCU-Krankheit, die ich in jedem MCU-Review pauschal erwähnen muss. Heißt, Doc Strange ist für sich eigentlich kein geschlossener, runder Film im eigentlichen Sinne. So wie man bis in die 90er und vielleicht frühen 2000er noch von einem Film gesprochen hat. Es ist halt eine Episode einer Serie. Aber da man mittlerweile ja weiß, worauf man sich beim MCU einlässt, geht das in Ordnung.

Das größte Opfer, das Strange dieser Serienformel bringen muss, ist der Plot, der – wie aber auch erwartet – sehr, sehr seicht ist.
Man bekommt – wie erwartet – ´ne weitere runter gedampfte, aber dafür auch recht kurzweilige Origin Story, ´nen charismatischen Helden, der flache Gags bringt (genau so wie absolut jeder andere bisherige MCU-Held) viele verheizte Topstars in Nebenrollen, bombastische Actionszenen, viele Easter-Eggs, viele Referenzen auf das größere Ganze, das sich im Hintergrund zusammenbraut.
Leider gehören ja auch superlahme Bösewichte zur MCU-Formel und da könnte Stranges Widersache fast den dicksten Vogel bisher abgeschossen haben. Keine Ahnung, ob die Macher dieser Filme ´nen internen Wettkampf hegen, aber der böse Mads Mikkelsen-Zauberer war schon wieder derbe drunter.
Wobei man als Kenner der Comic-Vorlage selbstverständlich von Anfang an weiß, welcher Bösewicht da eigentlich im Hintergrund aufgebaut wird – und für Neueinsteiger wird die Bombe ja auch noch spätestens in der Post Credit Scene zum Platzen gebracht. War jedenfalls eine nette Neuinterpretation besagter Figur.

Apropos Neuinterpretationen: Es gab ja im Vorfeld die üblichen Whitewashing-Krakeelereien, die nach Rezeption des Films keinen Bestand mehr haben sollten. Generell sollte das ein Film für die Generation Social Justice sein.
Für ´nen amerikanischen Film isses jedenfalls nicht übel, unter den wichtigsten Rollen ´nen Behinderten, ´ne glatzköpfige Frau, ´nen Afroamerikaner, ´nen Chinesen, ´nen Dänen mit Hautproblemen sowie sogar jemand aus der Dark Dimension und ´nen Asgardier am Start zu haben. Also kein Grund zum Rumheulen.

In Sachen Marvel-Kosmos-Erweiterung macht der Film einige echt beträchtliche Fässer auf. Da anscheinend sonst eh kaum jemand wirklich Marvel-Comics liest, lass ich mal das Rumgenerde. Nur so viel: Doctor Strange hat von allen bisherigen MCU-Sachen bisher die größten Schritte gemacht. Nicht durch das Einbinden von Magie, sondern durch Themen wie Zeitmanipulation, das Multiversum und vor allem das Anteasern der Cosmic Beings. Das sind die obersten Götter bei Marvel. Daher ist davon auszugehen, dass der Film die Türen maßgeblich für all das öffnet, was uns nach der ganzen Infinity Stone/Thanos-Nummer erwartet.

Zum Look: Wieder sehr eigen und mühevoll inszeniert. Schön, dass man im MCU immer wieder versucht, neue Wege und Stile einzuschlagen und sich nicht z.B. auf der Iron Man-Formel ausruht. Zu den trippy Realitätsverzerr-Szenen braucht man rein optisch eigentlich nix mehr zu sagen. Die sind cool, aber die kennt man ja eh spätestens aus’m Trailer. Das eigentlich Interessante an dem Zeug ist aber Folgendes:
Wir sitzen grad in ´ner Phase des Mediums Film fest, wo man prinzipiell alles per CGI darstellen kann. Leider missbrauchen einige diese Macht und stellen auch wirklich ALLES dar. Es kommt zu ´nem kognitiven Overload, Reizüberflutung und letztlich spielt nix mehr eine Rolle. Scheiß doch drauf, dass ganze Städte pulverisiert werden, Tanklaster durch die Luft purzeln, und gigantische Aliens am Himmel erscheinen. Hat man alles schon zu Genüge gehabt.
Aber Doctor Strange geht ein paar Schritte weiter und ruht sich nicht auf den reinen Visuals aus, sondern kreiert verdammt smarte Actionsequenzen, die durch einige Details wirklich ernsthaft revolutionär sind. Beispiel: Was passiert, wenn man die übliche Zerstörungsorgie durch den Faktor Zeitmanipulation ergänzt?
Aber allen voran: Die Figuren interagieren mit ihrer Umgebung. Da kann noch so viel Realitäts-Scwimmschwumm-Humbug passieren, Häuser entfalten sich, Fassaden fallen in sich zusammen, Dimensionen all over the place – aber die Figuren stehen nicht nur banal vor ´nem Greenscrene, sondern sie sind betroffen von all dem Shizzle. Und das ist tatsächlich ernsthaftes Oscar-Material.

Final sei noch gesagt, dass ich mich drüber freue, dass Marvel mit seiner cheesy, aber smart-unterhaltsamen Reihe so erfolgreich ist. Vorbei die Tage, wo man noch bei ´nem Iron Man, Hulk oder Captain America mit lausigen drei anderen, versprenkelten Leuten im Kino saß und alle waren irgendwie Nerds. Jetzt ist selbst in Chemnitz so ´n Saal locker voll. Allerdings macht´s mir auch Angst, mittlerweile den üblichen Kinogänger-Durchschnitt um mich rum sitzen zu haben. Das MCU ist allerspätestens jetzt im Mainstream angekommen. Egal wie grotesk die Prämisse des Filme, egal wie nischig die Vorlage – jeder guckt sich das jetzt an. Und das ist verdammt gruselig! Vor allem, wenn dein Average Joe von nebenan versucht, seinem Kollegen zu erklären, wie das alles so funktioniert mit „Ansgard“, „Mordor“, den Infinity Steinen und „dem einen, den man schon mal in ´nem anderen Film gesehn hat, na, du weißt schon, der eine; man kennt den vom Sehn her.“

20.11.2016

Doppel-Review "Kubo and the two Strings" und "Findet Dorie"


Der große Animationsfilm-Showdown – Doppel-Review

Kubo vs. Findet Dorie!!!!


Studio Laika vs. Pixar – zwei der letzten ganz Großen. Zwei Animationsfilmstudios, die sich am ehesten noch gegen Trends behaupten und eigenen Ideen nachjagen können. Laika als eines der letzten Studios, das im ganz großen Stil auf Stop-Motion setzt versus Pixar, das es zwar mit Digitaltrick einfacher hat, weil man sozusagen auf einer Welle mitschwimmen kann – allerdings ist es auch Pixar, das diese Wellen überhaupt schlägt.

Zunächst zu Kubo (and the two Strings): Ein sehr ambitioniertes Projekt, das eine japanische Geschichte erzählt und dabei auch sehr japanisch rüberkommt. Kubo kann zaubern und steckt familiär in ´n paar echt prekären magischen Verstrickungen. Um aus der Nummer rauszukommen, begibt er sich auf ´ne Fetch-Quest. Teilweise sehr exotisch und gekoppelt an japanische Mythologie – aber dennoch international zugänglich, denn unterm Strich isses ´ne Geschichte, die sich auf sehr bodenständige Grundthematiken wie Familie, Vertrauen, Entwicklung und so was runterbrechen lässt. In der Hinsicht wirkt´s teilweise schon sehr disney-artig. Das ist aber durchaus okay. Wenn man sich so weit aus dem Fenster lehnt, wie´s Laika gern macht, muss man dem normalen und eher jüngeren Zuschauer ein paar Anker zuwerfen.
Trotz all der Exotik isses vielleicht sogar noch Laikas allgemein zugänglichster Film. Nicht so grotesk, fordernd, düster oder schrullig wie seine drei Vorgänger. Was nicht heißt, dass Kubo dadurch auch besser ist, oder dass er´s generell allen Zuschauern super leicht macht.

Unterm Strich war´s ein guter Film, aber leider auch nur das.
Dass der Film atemberaubend gemacht ist und die Stop-Motion-Technik mal wieder alles in den Schatten stellt, was man bisher gesehen hat, ist bei Laika eh Standard.
Schade find ich allerdings angesichts des immensen Aufwands, dass die Geschichte ´ne Spur zu banal geraten ist. Bei Paranorman, den ich wohl auf Platz 1 der Laika-Filme setzen würde, war das schon mein wesentlicher Kritikpunkt, der den Film von Perfektion getrennt hat. All die Kreativität im Detail, die zuweilen sogar erstaunlich subversive und mutige Story die interessanten Figuren … aber die Teile sitzen noch nicht perfekt aufeinander. Und Laika hätte diese finale Perfektion verdient.
Kubo war stattdessen wieder ein Stück weiter davon entfernt als Paranorman.
Das Pacing der ersten Hälfte des Films war zu lasch. Wenig Spannung, wenig Dynamik. Die zweite Hälfte legt dann einige Schippen drauf und zur Halbzeit wird man mit einer Wahnsinns-Kampfszene auf einem Schiff belohnt, die allein schon den restlichen Film rechtfertigt. Drumrum gibt´s viel Standard. Schablonen-Figuren, blasse, eindimensionale Bösewichte, einen viel zu formelhaften Aufbau der Akte und eine Aneinanderreihung von Twists, die man leider zum Teil schon im Trailer gerochen hat. Dennoch ist die Schlussnote des Films mutig und hätte weitaus dümmer und gefälliger gestaltet werden können. Aber der Weg bis zu Ende hätte mehr Melodie vertragen können. Mehr pfiffige Skript-Zauberei. Mehr als nur eine Fetch-Quest wie aus einem 80er-Jahre-Japano-RPG („Hey Kubo, verbring doch mal 80 % des Films damit, drei magische Rüstungsgegenstände zu finden.“). Mehr schlaue Verbindungen zwischen A und B als einfach nur Zauberei als immer wieder wirksamen Allzweckkleber zwischen die Szenen zu klatschen (Frag nicht, Kubo. Das ist halt Magie!“). Vielleicht noch ein paar Subplot-Bögen, ein paar mehr Pay-Offs. Die kleinen Schnörkel hier und da, die eine Geschichte außergewöhnlich und unvergesslich machen. Davon bitte beim hoffentlich nächsten Laika-Film mehr.

Zu Findet Dorie:
Ein sehr guter Film!
Und ja, tatsächlich vielleicht der am besten geschriebene Film des Jahres.
Da ich als Comicautor wahrscheinlich mehr auf Skripte achte als z.B. auf oberflächliche Schauwerte muss ich echt sagen, dass hier Pixar endlich mal wieder seine größte Stärke ausspielt: Verdammt gutes Storytelling.
Nach ein paar schwächeren Nummern (Merida, die Monster Uni und Arlo & Spot waren zu banal; Inside Out hat sein enormes narratives Potenzial nicht ausreichend abgeschöpft) hat man sich hier mal wieder heftigst rein ge-think-tankt und den Redaktionsraum anscheinend erst verlassen, als jedes Inhalts-Kieselsteinchen durch den Ideenstrom rund geschliffen war.
All das, was ich an Kubo als Kritik anbringen musste, macht Dorie genau richtig. Von der ersten Sekunde an erstellt der Film ein erstaunlich komplexes Gebilde aus meeresbiologischen Gesetzmäßigkeiten, Charaktereigenschaften von Haupt- und Nebenfiguren, Story-Feinheiten, Zeitebenen und sogar geographischen bzw. lokalen Gegebenheiten (mit Letzterem mein ich vor allem, dass viel damit gearbeitet wird, wie das Hauptsetting des Films sowie die direkte Umgebung genutzt wird, um Figuren in mehreren Gruppierungen von A nach B nach C usw. zu bringen). Und jeder auch noch so kleine Aspekt bekommt sein Pay-off. Und zwar schlaues Pay-off. Auf alle Details kann ich unmöglich eingehen, aber kurz gesagt: Keine Information wird verschwendet. So fühlt sich jeder Erfolg der Helden, jeder Gag, jeder Twist verdient an.
Wird ein Problem gelöst, dann weil man auf vorher Gelerntes zurückgreifen konnte.

Gags. Wie oft beschwer ich mich über das mittlerweile leider gängige Verständnis von Humor. Der desolate Zustand aktuell zeigt ja, dass die beliebtesten „Gags“ die sind, wo jemand was sagt und jemand anders darauf mit einem ulkigen, weil z.B. genervten Blick reagiert. Witze werden nicht mehr aufgebaut, haben keinen Mittelteil und keine durchdachte Pointe mehr. Stattdessen reicht es z.B. „Banana“ zu sagen, sich das Knie zu stoßen oder ein lustiges Pupsgeräusch zu machen. Dorie geht auch da den umständlichen Weg. Pay-off! Die Nemo-Filme wollen gar nicht primär lustig sein, was gut ist. Das sind erstaunlich fordernde, dramatische Stoffe, die aber nebenbei zuweilen witzig sind, weil sie sich ihren Humor gescheit erarbeiten. Klar stößt sich auch hier mal jemand den Kopf, oder ein Schwarm Möwen sagt lustig „meins“ und dann gibt´s da noch ein paar behinderte Tiere, die lustig gucken. Aber die sind noch nicht allein der Witz und dadurch peinlich, sondern sie sind Teile von größeren Zusammenhängen und dadurch vollwertige Puzzlestücke des narrativen Gesamtbilds. Keine Information wird verschwendet. Die Möwen erfüllen ihren Zweck, die behinderte Robbe und der behinderte Wasservogel mit den roten Augen erfüllen ihren Zweck.

Oberflächlich betrachtet isses ´ne drollige, leicht zugängliche Geschichte über Fische, die sich gegenseitig suchen und dabei auf lustige Figuren treffen und Action-reich Hindernisse überwinden. Im Detail ist das eine superkomplizierte Symphonie. Perfekt durchkomponiert.
Meine größte Angst war, dass Dorie keinen eigenen Film tragen kann. Teil 1 hatte mit den beiden Clownfischen zwei jeweils für sich genommen ausreichend starke Figuren, die beide viel Entwicklungspotenzial hatten und jeweils am Ende einen weiten Weg hinter sich bringen konnten – im mehrfachen Sinne.
Doch Dorie hat ja kaum Gedächtnisleistung. Wozu das also alles? Wenn sie sich zwischenzeitlich entwickeln sollte, vergisst sie´s doch eh wieder?
Und genau da setzt die eigentliche Kerngenialität des Films an. Man hat sich dieser extrem harten Herausforderung gestellt und sozusagen unter den Voraussetzungen eines Memento die Story gerockt. Dorie hat von allen Behinderten im Film (und ich betone dies, da Behinderungen ein Kernthema der Nemo-Filme sind) wahrscheinlich das größte Handycap – und wuselt sich doch bravourös durch. Sowie sich die Autoren bravourös durchwuseln. Kein einfach gestrickter Mary Sue-Charakter. Kein magischer Kompass, der immer den richtigen Weg weist. Ihr macht euch vielleicht gar keine Vorstellung davon, wie schwer so was zu schreiben ist.


Und noch was zum Vergleich mit Teil 1:
Dorie bildet eine sehr sinnvolle Fortsetzung. Die Hauptmotivation der Helden ist in beiden Filmen sehr ähnlich. Es geht drum, Familie wiederzufinden. Dabei einen Weg zurückzulegen und Hindernisse zu meistern. Das Setting bleibt vergleichbar, es gibt wie gehabt viele drollige, interessante Nebenfiguren.
Aber die beiden Filme können wunderbar koexistieren.
Es stimmt nämlich gar nicht, dass eine perfekte Fortsetzung den Vorgängerfilm in allen Belangen toppen muss. Wenn das passiert, wird der Vorgänger obsolet.
Stattdessen muss eine gute Fortsetzung dem Vorgänger einen gewissen Raum überlassen und sich neuen Raum erschließen.
Findet Nemo behält seinen Schwerpunkt auf der Reise bis zum Ziel, Findet Dorie überspringt den Part, verbringt dafür viel mehr Zeit am Zielpunkt.
Findet Nemo hatte seinen eigenen Pool an Figuren. Findet Dorie greift auf einige der Figuren zurück, stellt aber seinen eigenen, gleichwertigen Pool zusammen.
Zudem überlassen die beiden Clownsfische Dorie (sowie ihrem neusten Sidekick) im zweiten Teil ganz klar das Scheinwerferlicht.
Und als Bonus führt Teil 2 sogar in der Schlussszene (nach den Credits) einen Storystrang aus Teil 1 fort, mit dem man schon gar nicht mehr gerechnet hatte.

Bravo!

Jetzt muss ich noch Moana angucken, um zu urteilen, welcher der Animationsfilm des Jahres wird, aber ich denk, Disney macht sich´s mal wieder mit dem eigenen Tochterstudio selber schwer.

24.10.2016

Veröffentlichung: Another Christmas Carol

Diese Woche bin ich mit Delfinium Prints auf der AniMaCo in Berlin und will noch mal fix ein Heft rausbringen, damit ihr was für die Weihnachtszeit shoppen könnt.


Und zwar gibt´s einfach meinen 2013er Weihnachtscomic "Another Christmas Carol" erstmals in gedruckter Form.

Könnt ihr euch ja mal holen. Es wird aber nicht viele Exemplare geben.