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01.09.2017

Kino-Review: Spider-Man Homecoming



Okay, Spider-Man Homecoming.

Wie für jede einzelne meiner paar Dutzend Marvel Cinematic Universe-Kritiken gilt: Is ganz gut, kann man angucken; is aber nix Besonderes im Kontext des Mediums Film und es funktioniert eigentlich nur, weil´s Teil eines großen Film- und Serien-Universums ist.

Der Film fängt sehr beschwingt und launig an, so dass man ´ne Zeit lang denkt: Ja, das könnte wirklich DAS neue Spider-Man-Franchise werden, auf das die beiden Vorgänger-Reihen hingearbeitet haben. Tom Holland macht seine Sache gut, die Nebencharaktere und Subplots sind vielversprechend und es wirkt hemdsärmelig und street bound genug, um als legitime Adaption der frühen Comics durchzugehen.
Aber dann wird´s generisch wie absolut jeder Marvel-Film.

All die Marvel-Filme fangen mit quirligen Charakteren, witzigen Gimmicks und all dem Brimborium an, hetzen dann aber letztlich doch nur wieder ihre Strichliste ab.
Ohne wirklich zu spoilern, aber am Ende des Zweistünders wird eigentlich keine der Figuren einen richtigen Arc hinter sich haben.
Peter Parker hat massig Ansätze, lernt aber schließlich nur ein paar super-basale Standardweisheiten übers Superhelden-Sein, die Tobey Maguire und Andrew Garfield bereits auf deutlich beeindruckendere und dramatischere Art und Weise auf den Weg bekommen haben. Man hat halt viel zu tun und schafft´s nicht, all seinen Verpflichtungen nachzukommen ... Okay. Spider-Man 2 hat das damals bereits sehr smart mit der Impotenz-Allegorie rübergebracht. Aber gut, versuchen wir´s halt noch mal.
Interessante, weil witzig gegen den Comic-Srich gebürstete Figuren wie Tante May, "M.J." oder Flash scheinen durch ihre Szenen zunächst auf etwas hinzusteuern, bleiben aber am Ende genau dort, wo sie die ganze Zeit über waren. Das Love Interest spielt nicht wirklich eine Rolle, der Bösewicht ist gut gespielt von Michael Keaton, wiederholt aber auch nur Versatzstücke von mindestens zwei Dutzend Marvel-Filmbösewichten vor ihm. Irgendwas mit Superwaffen und High-Tech-Suit.
Am meisten holt da noch Spideys dicker Nerd-Sidekick raus, der aber auch viele dankbare Ansätze zugeschanzt bekommt, die - natürlich! - nirgends hinführen! Was is da denn los? Stichwort: Der Außenseiter, der bei den coolen Kids nicht so richtig warm wird, obwhl er das Potenzial hat, von allen gemocht zu werden, weil er doch so drollig ist. Da wär doch mal was gegangen! Wenn´s die Goonies schaffen, gleich ´ner ganzen Gruppe von Teens in ´ner Piratenhöhle jeweils ´nen Arc zu geben, muss es doch eigentlich auch klappen, wenigstens einer Figur in zwei Stunden ´ne Entwicklung ranzuschreiben.

Aber all die Drehbuchlöcher sollen wie gehabt die üblichen Gags, Actionszenen und Effekte hinwegtrösten. Das klappt über weite Strecken gut, die Action ist aber erstaunlich schwach.
Vor allem das Finale ist so unfokussiert, dass ich oft nicht wusste, was los ist.

Fazit:
Sam Raimis Filme mit Tobey Maguire bleiben die besten Spider-Man-Kinoausflüge. Trotz des eher verwurschtelten dritten Teils ist das immer noch sehr rundes, gut erzähltes und gepactes Unterhaltungskino. Gute Charaktere mit nachvollziehbaren kleinen Geschichten. Charismatische Bösewichte. J.K. Simmons.

Die Andrew Garfield-Filme waren auch nicht schlechter als Homecoming. Ich mochte ja The Amazing Spider-Man 2. Der war genau so dumm, wie er sein durfte - hat aber ordentlich aufs Gas getreten und Spaß gemacht. Und der hatte Arcs und Drama und Actionszenen, denen ich folgen konnte.

Da is also noch einiges zu tun!
Aber das könnte ein schönes Kinder-Superheldenfilm-Subfranchise im Rahmen des großen MCU werden.

07.06.2017

Keno-Review: Get Out



Es hat doch noch geklappt! Endlich konnt ich Get Out im Kino nachholen.
Nachdem hier die Kinos seh stiefmütterlich mit dem ersten Film, den Comedian Jordan Peele inszenierte, umgingen, gab´s nun doch noch ein paar Gnaden-Aufführungen.

Ein Film, nach dessen Trailer die meisten auf einen Geister-Gruselfilm mit Südstaaten-Rassismus-Unterton schließen.

Was ist es aber letztlich? Schwer zu sagen!

Story: Afroamerikanischer junger Mann (gespielt von Daniel Kaluuya, der seit über zehn Jahren einen extrem guten Riecher bei der Rollenauswahl beweist und viele kultige Produktionen mitnimmt) datet weißes Mädchen und muss nun deren Familie kennenlernen. Auf dem abgeschiedenen Familiensitz passieren seltsame Dinge.

Genretechnisch ist die Nummer kaum zu fassen. Es ist irgendwie ein grundstruktureller Horrorfilm, der aber nicht weiter gruselig ist. Einige Elemente sind creepy-bizarre Rassen-Groteske, andere sind komödiantisch. Dazu kommt viel Meta-Ebene. Zuweilen kommen daher Parallelen zu Filmen wie

Being John Malkovich, Cabin in the Woods oder der Scream-Reihe auf, in denen damit gearbeitet wird, wie wir Zuschauer an das Medium Horrorfilm rangehen. Aber Get Out geht, was das anbelangt, nie All in und umgeht daher, als komplette Satire wahrgenommen zu werden.
Interessant ist es aber, dass es die Inszenierung des Films schafft, die Zuschauer immer auf einer Ebene mit den Heldenfiguren zu halten. Klingt banal, ist aber ein schwer zu meisterndes Kunststück. Während grad in Horrorfilmen die Charaktere meist so handeln, als hätten sie noch nie einen Horrorfilm gesehen, sind sich hier die Betroffenen der Regeln des Genres bewusst und handeln entsprechend. Das nimmt an einigen Stellen die gewohnte Spannung, ist aber dafür erfrischend unkonventionell und auf seine eigene Art sehr unterhaltsam.
Ein schönes Beispiel: Recht früh im Film berichtet der Protagonist seinem Kumpel per Telefon, was er alles in der Weißen-Residenz erlebt hat. Daraufhin entwickelt der (ebenfalls schwarze) Freund eine Theorie, was vor sich geht –genauso wie ein Kinobesucher nebenbei seine Theorien spinnt. Auf die Erwiderung, wie dämlich-unausgegoren diese Theorie klingt, heißt es nur, man habe halt mit dem gearbeitet, was man bisher an Informationen gab. Und da kommt nun mal so was bei raus. Genauso funktioniert das Mitraten bei mysteriösen Plots und der Film drückt uns erschreckend genau aufs Auge, was wir Zuschauer uns bisher an Antworten zusammen gereimt haben.
Aber keine Angst: Die frühe Schlussfolgerung wird noch um einige Twists erweitert.

Dennoch sei betont, dass es in dem Film nicht ums klassische Monster-of-the-Week-Szenario geht, sondern darum, der Geschichte den eigentlichen Subtext zu entlocken. Dem verhälnismäßig smarten, aber ansonsten nicht allzu außergewöhnlichen Oberflächen-Plot zu folgen, sollte nicht schwer sein. Aber um die versteckten Ebenen zu ergründen, sollte man sich bestenfalls mit anderen Zuschauern kurzschließen und eine kleine Diskussionsrunde anheften. Somit isses also kein 100-Minuten-Filmerlebnis, sondern eher eins mit 130+ Minuten.
Wir waren jedenfalls zu dritt zur Vorführung und haben alle drei sehr vom Nachgespräch profitiert, da jeder eigene Ansichten mit in den Top werfen konnte und sich daraus ein immer klareres Bild ergab, das uns Herr Peele vermitteln wollte. Ich liebe es, wenn Popkultur es schafft, das mit uns zu machen.
Unsere Ergebnisse möchte ich hier nicht präsentieren, weil das zu suggestiv wäre. Aber Fragen die im Raum standen, waren z.B., was denn genau der Rassismus im Film ist. Wie er sich zeigt, ob er objektiv betrachtet überhaupt vorhanden ist und von welcher Seite er ins Spiel gebracht wird. Wie viel gibt uns der Film tatsächlich vor und wie viel dichten wir in die Lücken hinein, einfach nur weil wir narrative Gewohnheitskonsumenten mit ´nem Hang zur Paranoia sind, die in die Meta-Falle tapsen.

Da steckt viel an Hausaufgabenmaterial drin, wenn man sich drauf einlässt – und man muss sich drauf einlassen. Gelegenheitsgucker treffen ansonsten auf einen gut gemachten, aber weniger spektakulären vermeintlichen Gruselfilm – soziologisch aufgeschlossene Cineasten stoßen auf ein ganz feines allegorisches Schmankerl.

07.05.2017

Kino-Review: Guardians of the Galaxy - Volume 2


Mal wieder ´ne Review.
In letzter Zeit komm ich nie dazu und meistens pack ich mein Review-Material dann einfach in Episoden vom Nerd Ship Podcast rein, wo ihr das ja einfach anhören könnt, wenn´s euch interessiert.

Aber heute mal ´ne Ausnahme, weil´s was Nicht-Vercastetes is: Guardians of the Galaxy – Volume 2

Sehr souveräner Film. Unterhaltend, inhaltlich ausreichend rund, bunt, laut, spaßig. Aber auch nich mehr als das.
Wir waren mit ´ner größeren Gruppe im Lichtspielhaus und durch die Bank weg haben alle von uns dem neusten Sprössling des Marvel Cinematic Universe ´ne solide 6 bis 7 von 10 gegeben.

Der erste Teil war damals ein erfrischender Eintrag ins Franchise und auch schon der rundeste Film des Jahres – aber eben auch das ultimative Auf-Nummer-Sicher-Werk. Jede Szene, jede Figur, jeder Gag, jeder eingesetzte Song wirkte, wie zuvor im Labor getestet und bis zur perfekten Markttauglichkeit verfeinert. Bei so viel Kalkül geht leider aber auch die nötige Originalität verloren, die man braucht, um zeitlose Klassiker zu schaffen.

Teil 2 hat´s da noch mal schwerer, da er sich zu sehr auf den erfolgreichen Erstling stützt und dadurch noch weniger riskiert. Alles fühlt sich so sehr nach dem Vorgänger an, dass die beiden Filme wahrscheinlich im Laufe der Jahre zu einer breiigen bunten Masse Jahrmarktszuckerwatte zerfließen.

Alles, was in Teil 1 funktioniert hat, gibt´s nun einfach noch mal. Wer nicht mehr braucht, geht gut unterhalten aus dem Sci-Fi-Klamauk raus.
Der Humor ist leider immer noch nicht ganz so fein geschrieben, wie ich mir das wünsche, sondern mehr auf eher einfach gehaltene Sitcom und schrullige Reaktionen ausgelegt. Wenn man´s ganz genau nimmt, basieren etwa 90 % der Gags darauf, dass sich im großen Universum die verschiedensten Völker treffen, deren Kulturen miteinander inkompatibel sind. Das mündet wiederum in eine Fehl-Kommunikation nach der anderen. Hauptcharakter Peter „Star-Lord“ Quill versteht z.B. selbst nach etwa zwei Jahrzehnten im All anscheinend immer noch nicht, dass die Aliens keine 80er-Jahre-Fernsehserien geschaut haben. Trotzdem gibt´s garantierte Lacher, wenn er was von „Cheers“ und „Knight Rider“ erzählt. Is okay.
Was aber wirklich immer gut funktioniert und mich erstaunlich gut abholt, sind Drax’ seltsame soziale Interaktionen, die immer völlig schief laufen, weil er keine Ironie versteht, aber mittlerweile einige neue Verhaltensweisen dazu lernt. Das macht ihn vielleicht sogar zum Star von Teil 2. Seine Gespräche mit Neuzugang Mantis über Hässlichkeit sind der am besten funktionierende Running Gag in Teil 2. Drollig!

Leider verlieren aber auch viele Figuren (inklusive Drax) mit eigentlich dramatischen und ernsten Backgrounds (für trashige Superhelden-Comic-Verhältnisse zumindest) ihr letztes bisschen Würde und Stolz, wenn sie nur noch von Gagszene zu Gagszene gereicht werden.
Unterm Strich macht das auch aus Volume 2 eine regelrechte Sci-Fi-Comedy. Ist aber auch okay, nur wird´s dadurch immer schwieriger, zu verdauen, dass die Filme mit dem lustigen sprechenden Waschbär und dem tanzenden Baum im selben Universum spielen wie die Daredevil-Serie, in der sich alle gegenseitig mit ihren Schuhen zu blutigen Klumpen schlagen und viel geweint wird.

Für die Nerds: Was das MCU-World-Building (oder Multiverse Building) anbelangt, werden viele Fässer aufgemacht. Celestials, Watcher, Adam Warlock, die Ur-Guardians aus den Comics, Verweise aufs Multiversum und weitere Cosmic Entities usw. Man darf allerdings bezweifeln, dass alles davon noch ´ne größere Rolle spielen wird. Muss es auch nicht, is aber netter Fanservice.

29.03.2017

Kino-Review: Elle von Paul Verhoeven

Kurz-Review zum neuen Paul Verhoeven-Film "Elle".

Der is zu lang!

Zunächst zieht der Film einen in seinen Bann, weil er´s schafft, eine Vergewaltigung und deren Folgen zu thematisieren und einen 27-fachen Massenmord in einem Nebenstorystrang zu verarbeiten und trotzdem sehr witzig zu sein. Vor allem Dank der großartigen Protagonistin Isabelle Huppert (Oscar-nominiert). Genre-mäßig auch kaum fassbar. Drama, Krimi, Komödie usw.

Doch irgendwann verliert der Film an Fokus und mäandert Szene um Szene nur noch rum.

Auf alle Fälle ein angenehm grotesker Gegenentwurf zum amerikanischen Kino, aber uneingeschränkt kann man den auf keinen Fall empfehlen.
Mich hat´s aber gefreut, ein Lebenszeichen von Paul Verhoeven zu sehen.

12.02.2017

Kino-Review: Rogue One - A Star Wars Story




So,
Neujahrsgrüße und so weiter.
Hab mich zwischen den Jahren im Intowebs rar gemacht; generell hab ich 2016 die Netzaktivitäten stark runter geschraubt, was sehr angenehm ist.
Aber ich bin noch ´ne Altlast von 2016 schuldig:
Eine Review zu Rogue One: A Star Wars Story

Es wird dazu heute (glaub ich) ´ne ausführliche Folge im Nerd Ship Podcast geben, in der wir über den Film reden, nachdem wir ihn alle gemeinsam in Osnabrück geschaut haben - und das ohne zwischen Kino und Aufnahme auch nur ein Wort drüber zu wechseln. Also eine völlig unverfälschte Meinung ohne Wikipedia, ohne andere Review-Einflüsse, ohne Hosen. Das wird ganz gut, also schaltet da mal rein.

Aber hier meine paar Kerngedanken:

Für Star Wars-Fans wie mich isses ´n ganz guter Film. Leute, die mit dem Franchise nicht viel am Hut haben oder vielleicht auch gar keinen anderen Teil der Reihe kennen, isses nix. Und ja, solche Leute gibt´s. Das konnte ich im Kino sogar live miterleben.
Rogue One ist kondensierter Fanservice. Er liefert den treuen Anhängern, die jeden Schnipsel kanonischer Information zu der Weltall-Oper inhalieren, neuen Stoff, der aber auch alt genug ist, weil´s bei Star Wars schließlich nie so richtig neu und progressiv sein darf.
Und als Fanservice ist die Nummer echt verdammt gut.

Look and Feel sind hervorragend eingefangen und die moderne Technik und die Möglichkeiten eines Paar-Hundert-Millionen-Disney-Budgets komplimentieren das, was wir seit dem Low-Budget-1977er-Erstling kennen und sehen wollen.
Alles wirkt so herrlich verbraucht und belebt. Nichts ist zu clean und genau dadurch wird auch eine nachvollziehbare Brücke geschlagen zwischen den sehr futuristischen Prequels und den altbackenen Originalfilmen. Man hat nun das Gefühl, die einstige Hochkultur musste durch den Jahrzehnte andauernden Krieg viele Federn lassen und die Gesellschaften der Sternensysteme wurden in eine hemdsärmeligere Ära zurück katapultiert, in der auf veraltete Technologie zurückgegriffen werden muss und in der man sich seine Städte und Raumschiffe aus Flickwerk zusammen klebt.
Von Anfang an hab ich mich in der ansonsten recht düsteren und abweisenden Welt wie zu Hause gefühlt.

Generell war das vielleicht der erste Film seit Episode VI, der nichts in die Formel implementiert hat, das einen zu sehr raus reißt. Aber so funktioniert sehr guter Fanservice ja. Man nimmt die bestehenden Versatzstücke, friemelt sie bestmöglich zusammen. Auch irgendwie Flickwerk.
Nur muss man sich da fragen, ob das für einen eigenständigen Film reicht, oder ob es nicht das Ziel eines letztlich doch auch in sich geschlossenen Werks sein muss, einen neuen Impuls zu setzen. Um nicht in den Annalen der Filmgeschichte als ein weiterer generischer Weihnachtsblockbuster zu verpuffen.
Man könnte ja nun diverse Sachen aufzählen, die der Film macht, die die anderen Filme nicht lieferten - doch dann kann man auf die beiden In-canon-Serien Star Wars: The Clone Wars und Star Wars Rebels verweisen, die in Sachen Krieg auch schon alles durch haben.

Ganz hervorragend fand ich aber nichtsdestotrotz den Aspekt Krieg.
Das fühlte sich zum ersten Mal nach dem lang versprochenen Krieg der Sterne an, in dem es um was geht. Ein richtiger "Kriegsfilm" ist es deswegen noch lange nicht. Das ist weder von der Härte eines Stalingrad, noch von der inszenatorischen Wucht eines Der Soldat James Ryan, noch von der erschütternden Fragilität und Indirektheit eines Die letzten Glühwürmchen. Aber im Kontext von Star Wars isses sehr gut und zumindest erstaunlich kompromisslos.
Auch wenn der Film laaange recht planlos vor sich hin dümpelt, wird man in der langen Endschlacht-Sequenz auf den Malediven vollkommen entlohnt.
Gut fand ich z.B., dass das nach den Prequels nun ein Film über weitgehend normale Leute war. Keine Flikflak-Jedis, keine unverwundbaren Action-Superhelden, keine Mary Sues. Zwar Soldaten, die zum Teil ein paar überpowerte Tricks auf Lager haben, aber niemand, der mal fix ´nen AT-AT wegfegt oder sich problemlos durch ´ne kleine Sturmtruppler-Armee schnetzelt. Und das braucht das Franchise. Das und noch mehr Lego!

Ja, aber die finale Schlacht - cool. Mit vielen echt großartigen Szenen. Vor allem das, was mit Vader kommt. Da kannste machen, wasde willst - da wirste wieder zum Vierjährigen.

Negativpunkte:
Auch wieder der Fanservice. Aber es geht. Einige Sachen sind echt zu aufgesetzt (z.B. die Cantina-Dudes, deren Auftritt eigentlich absolut keinen Sinn macht - egal).
Was mich primär gestört hat, war die Implementierung von Grand Moff Tarkin bzw. Sheriff Woody in der Rolle von Peter Cushing, der bereits vor Ewigkeiten gestorben ist. Da hinterlässt jemand ein schauspielerisches Erbe; jemand, dessen Profession es war, mimetisch und gestisch ein Gesamtkunstwerk zu hinterlassen ... Und Jahrzehnte später versucht man, daraus einen Algorithmus herzuleiten und die Kunst digital zu simulieren. So was macht mich traurig und ich wiederhole es: Dieses Schicksal soll Carrie Fisher bitte nicht ereilen.
Ist der zugehörige Schauspieler nicht mehr verfügbar, dann sind die Autoren gefragt, einen Weg aus der Besetzungsmisere zu schreiben. Nicht Photoshop und Aftereffects.
Zumal Tarkin nicht die essenzielle Figur ist, auf die wir alle warteten und zudem auch echt scheiße aussieht. Egal, wieviele krasse Texturen da drüber gelayert werden - das ist Mist. Wenn schon, dann weniger. Packt die Figur in ein schmeichelnderes Licht und zeigt sein Gesicht in Spiegelungen. Wie William Hurt als der War Doctor. Und lasst ihn nicht so albern rumzappeln und die Augen rumhuschen. Ja, fein, dass ihr das alles programmiert habt, aber es sieht scheiße aus. Macht das nicht, oder ihr kriegt Computerverbot!
CGI-Schauspieler gehen klar, wenn wenn einen echten Schauspieler digital verjüngt oder altern lässt - wie Robert Downey Jr in Captain America: Civil ͏War oder Brad Pitt in Der seltsame Fall des Benjamin Button. In beiden Fällen ist das wunderbar aufgegangen und hat die jeweiligen Filme bereichert. Auch nicht menschliche Figuren gehen zum Teil klar. der Life of Pi-Tiger oder Gollum z.B., wobei man auch bei denen viel gemacht hat, um die realistische Wirkung zu verstärken.

Anscheinend ist man im Jahr 2016 noch nicht so weit, wie man gerne wäre.
Man kann den krassesten Scheiß aus den Computern pressen, aber echtes Zeug ist immer noch besser.
Und an vielen anderen Stellen beweist das Rogue One zum Glück auch, wenn man wieder auf altmodische Sets, Animatronik und Modelle zurückgreift.

Der restliche Cast ist weitgehend Rotz und von Computerspielfiguren kaum zu unterscheiden.
Ich mochte den desertierten Piloten, der von Riz Ahmed gespielt wurde. Guter Typ, der mir vor allem in Nightcrawler auffiel und der sicher ´ne steile Karriere vor sich hat.
Der war aber auch so ziemlich der einzige im Cast, der ein authentisch wirkendes Wesen spielen durfte. Alle anderen waren zu eindimensional, weinerlich oder nervige One-Liner-Roboter, deren Gags auf einem uralten imperialen Fremdscham-Algorithmus aufbauten. Absolut niemand im Kino hat gelacht.

Kann man auf alle Fälle angucken.
Ein paar Logik-Löcher, ein paar arg zu kindergerechte Verkettungen von Ereignissen, damit´s die ganzen Vierjährigen verstehen. Aber hey! Das macht Star Wars ja auch aus.

Ich find übrigens, wenn man sich ein Best of Episode VII (vor allem die Charaktere) und Rogue One (vor allem das Ende) zusammen schraubt, hat man einen echt guten Film.

25.11.2016

Kino-Review: Doctor Strange



So, Doctor Strange.

Kann man auf alle Fälle gucken. Der Film war so ziemlich punktgenau das, was ich erwartet hatte.

Natürlich hat auch der neuste Eintrag ins Marvel Cinematic Universe die MCU-Krankheit, die ich in jedem MCU-Review pauschal erwähnen muss. Heißt, Doc Strange ist für sich eigentlich kein geschlossener, runder Film im eigentlichen Sinne. So wie man bis in die 90er und vielleicht frühen 2000er noch von einem Film gesprochen hat. Es ist halt eine Episode einer Serie. Aber da man mittlerweile ja weiß, worauf man sich beim MCU einlässt, geht das in Ordnung.

Das größte Opfer, das Strange dieser Serienformel bringen muss, ist der Plot, der – wie aber auch erwartet – sehr, sehr seicht ist.
Man bekommt – wie erwartet – ´ne weitere runter gedampfte, aber dafür auch recht kurzweilige Origin Story, ´nen charismatischen Helden, der flache Gags bringt (genau so wie absolut jeder andere bisherige MCU-Held) viele verheizte Topstars in Nebenrollen, bombastische Actionszenen, viele Easter-Eggs, viele Referenzen auf das größere Ganze, das sich im Hintergrund zusammenbraut.
Leider gehören ja auch superlahme Bösewichte zur MCU-Formel und da könnte Stranges Widersache fast den dicksten Vogel bisher abgeschossen haben. Keine Ahnung, ob die Macher dieser Filme ´nen internen Wettkampf hegen, aber der böse Mads Mikkelsen-Zauberer war schon wieder derbe drunter.
Wobei man als Kenner der Comic-Vorlage selbstverständlich von Anfang an weiß, welcher Bösewicht da eigentlich im Hintergrund aufgebaut wird – und für Neueinsteiger wird die Bombe ja auch noch spätestens in der Post Credit Scene zum Platzen gebracht. War jedenfalls eine nette Neuinterpretation besagter Figur.

Apropos Neuinterpretationen: Es gab ja im Vorfeld die üblichen Whitewashing-Krakeelereien, die nach Rezeption des Films keinen Bestand mehr haben sollten. Generell sollte das ein Film für die Generation Social Justice sein.
Für ´nen amerikanischen Film isses jedenfalls nicht übel, unter den wichtigsten Rollen ´nen Behinderten, ´ne glatzköpfige Frau, ´nen Afroamerikaner, ´nen Chinesen, ´nen Dänen mit Hautproblemen sowie sogar jemand aus der Dark Dimension und ´nen Asgardier am Start zu haben. Also kein Grund zum Rumheulen.

In Sachen Marvel-Kosmos-Erweiterung macht der Film einige echt beträchtliche Fässer auf. Da anscheinend sonst eh kaum jemand wirklich Marvel-Comics liest, lass ich mal das Rumgenerde. Nur so viel: Doctor Strange hat von allen bisherigen MCU-Sachen bisher die größten Schritte gemacht. Nicht durch das Einbinden von Magie, sondern durch Themen wie Zeitmanipulation, das Multiversum und vor allem das Anteasern der Cosmic Beings. Das sind die obersten Götter bei Marvel. Daher ist davon auszugehen, dass der Film die Türen maßgeblich für all das öffnet, was uns nach der ganzen Infinity Stone/Thanos-Nummer erwartet.

Zum Look: Wieder sehr eigen und mühevoll inszeniert. Schön, dass man im MCU immer wieder versucht, neue Wege und Stile einzuschlagen und sich nicht z.B. auf der Iron Man-Formel ausruht. Zu den trippy Realitätsverzerr-Szenen braucht man rein optisch eigentlich nix mehr zu sagen. Die sind cool, aber die kennt man ja eh spätestens aus’m Trailer. Das eigentlich Interessante an dem Zeug ist aber Folgendes:
Wir sitzen grad in ´ner Phase des Mediums Film fest, wo man prinzipiell alles per CGI darstellen kann. Leider missbrauchen einige diese Macht und stellen auch wirklich ALLES dar. Es kommt zu ´nem kognitiven Overload, Reizüberflutung und letztlich spielt nix mehr eine Rolle. Scheiß doch drauf, dass ganze Städte pulverisiert werden, Tanklaster durch die Luft purzeln, und gigantische Aliens am Himmel erscheinen. Hat man alles schon zu Genüge gehabt.
Aber Doctor Strange geht ein paar Schritte weiter und ruht sich nicht auf den reinen Visuals aus, sondern kreiert verdammt smarte Actionsequenzen, die durch einige Details wirklich ernsthaft revolutionär sind. Beispiel: Was passiert, wenn man die übliche Zerstörungsorgie durch den Faktor Zeitmanipulation ergänzt?
Aber allen voran: Die Figuren interagieren mit ihrer Umgebung. Da kann noch so viel Realitäts-Scwimmschwumm-Humbug passieren, Häuser entfalten sich, Fassaden fallen in sich zusammen, Dimensionen all over the place – aber die Figuren stehen nicht nur banal vor ´nem Greenscrene, sondern sie sind betroffen von all dem Shizzle. Und das ist tatsächlich ernsthaftes Oscar-Material.

Final sei noch gesagt, dass ich mich drüber freue, dass Marvel mit seiner cheesy, aber smart-unterhaltsamen Reihe so erfolgreich ist. Vorbei die Tage, wo man noch bei ´nem Iron Man, Hulk oder Captain America mit lausigen drei anderen, versprenkelten Leuten im Kino saß und alle waren irgendwie Nerds. Jetzt ist selbst in Chemnitz so ´n Saal locker voll. Allerdings macht´s mir auch Angst, mittlerweile den üblichen Kinogänger-Durchschnitt um mich rum sitzen zu haben. Das MCU ist allerspätestens jetzt im Mainstream angekommen. Egal wie grotesk die Prämisse des Filme, egal wie nischig die Vorlage – jeder guckt sich das jetzt an. Und das ist verdammt gruselig! Vor allem, wenn dein Average Joe von nebenan versucht, seinem Kollegen zu erklären, wie das alles so funktioniert mit „Ansgard“, „Mordor“, den Infinity Steinen und „dem einen, den man schon mal in ´nem anderen Film gesehn hat, na, du weißt schon, der eine; man kennt den vom Sehn her.“